Sieben Wochen in Klein-Tibet - Gesellschaft im Wandel

copyright Hella Naura

 

Inhalt

 

Vorwort

Ich wollte schon immer in den Himalaya

Ein Körperbild wird korrigiert

Ladakh, auch „Klein-Tibet“ genannt

Ankunft in dünner Luft

Leh – anders als erwartet

Höhenkrankheit

Dora – ßiss ßing ßär

Mitbewohner

Sean und Karma

Verpflichtung und Freiheit

Höhlen – nicht ganz

Bildung und Erziehung

Mit dem Auto nach Indien

„Lernen von Ladakh“

Die trockene „Kompostier-Toilette“

Vor dem Trekk

Es geht los

Nie wieder Trekking

Der Tag, an dem ein Mann starb

Gute Kinder

Fahrt nach Alchi

Christian ist eine Lady

Der Ort wirkt

Sieben Tage im Häuschen

Unversichert durchs Leben

Angst

Der Taxifahrer ist schon zur Stelle

Aus Leh heraus

Nachwort

Literaturverzeichnis

 

 

Vorwort

 

Mit einem der Schlagwörter unserer Zeit könnte man den Ansatz dieses Buches als „ganzheitlich" bezeichnen. Ich erwähne das, weil ich fürchte, wieder keinem Verlag zu gefallen, so dass auch dieses Manuskript leider in einer Schublade verschwinden müsste. Eine Absage könnte vielleicht lauten, dass es im Folgenden zu sehr durcheinander gehe. Reisebeschreibung, Wirtschaftskritik, Kopfschmerzen und Selbstbeobachtung – wie kann man all das zwischen zwei Buchdeckeln vereinen? Und darf in einem Buch, in dem eine Leuchte der deutschen Philosophie zitiert wird, ebenfalls ein so gewöhnliches Wort wie Pinkeln vorkommen?

 

Sieht man den Menschen „ganzheitlich", so können diese Fragen bejaht werden. Wir leben immer gleichzeitig auf mehreren Ebenen und selbstverständlich pinkeln auch Philosophen, und auch gewöhnlichen Pinklern können ab und zu philosophische Fragen durch den Kopf gehen. Diese könnten etwa lauten: Wozu bin ich auf der Welt? Worin besteht ein befriedigendes Leben? Wie kann ich mich verhalten, so dass ich weder mir selbst noch anderen schade? Gut, gut, mag mancher sagen, aber muss denn wirklich in einem Buch, in dem auch Yoga- , buddhistische und westliche Philosophien angesprochen werden, auch eine trockene Kompostier-Toilette, eine Spezialität Ladakhs, beschrieben werden? Warum nicht? Denn alles steht mit allem in Zusammenhang, und dieser Zusammenhang reicht nicht nur nach oben zu Himmeln und Göttern, sondern auch nach unten zu leicht peinlichen körperlichen Notwendigkeiten. Auch Thich Nhat Hanh, der vietnamesische Meditationslehrer und Autor, weist auf die zwei Seiten aller Dinge hin, wenn er daran erinnert, dass auch die schönste Rose eines Tages faulend auf einem Abfallhaufen enden wird.

 

Es ist ein Schwachpunkt unserer westlichen Welt der Gegenwart, dass sie am liebsten alles Unangenehme und Peinliche leugnen möchte. So fern das nicht möglich ist, möchte sie es hinter verschlossenen Türen wissen. Während die Muslime zum Beispiel ihre toten Verwandten oder Freunde selber waschen, selber in ein Tuch wickeln und selber in ein Grab hinab lassen, überlässt die typisch westliche Kultur den Kontakt mit allem, was mit Tod zu tun hat, lieber bezahlten Kräften. Diese schminken die Leichen oft noch und machen sie schön. Dass eine Hospiz-Bewegung in den letzten Jahren immer stärker werden konnte, zeigt, dass dieser Schwachpunkt manchen bewusst ist. Von „der unausweichlichen Wiederkehr des Verdrängten" sprach der deutsche Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich zwar im Zusammenhang mit deutscher Vergangenheit. Aber das Gesetz gilt überall. Denn das geleugnete Sterben, das Bluten aus offenen Wunden, das Schreckliche, Peinliche und Hässliche brechen sich in der fiktiven Wirklichkeit des Fernsehens und Spielfilms Bahn, wenn sie im wirklichen Leben zu sehr verdrängt werden. Darunter leiden die guten und schönen Dinge.

 

Alles was ist, steht im Zusammenhang miteinander. Die indische Mythologie fasst das in dem Bild vom „Netz des Gottes Indra" zusammen. Alles ist vernetzt, und zwar nicht nur neuerdings technologisch durch das Internet, sondern auch durch geistige Bewegungen, ob man sich diese nun in Form des Zeitgeistes oder als sich fortpflanzende Schwingungen oder sonst wie vorstellen mag. Das vorliegende Buch zeigt dies auf kleine Weise innerhalb eines kleinen Rahmens. Sieben Wochen Aufenthalt in „Klein Tibet", das heißt in Ladakh kann vieles umfassen. Denken läuft mit Lichtgeschwindigkeit ab. Man stelle sich vor, wie viel Aberbillionen Gedanken in sieben Wochen gedacht werden. Einige davon lege ich hiermit den hoffentlich geneigten Leserinnen und Lesern vor.

 

Lesen Sie weiter
Klein-TIbet.pdf
PDF-Dokument [431.6 KB]