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15.Jahrgang, Nr.60, erscheint 1/4-jährlich, Jahresabo 20,- €, (Ausland 25,- €) CHF 40,-- ISSN 1430-3345
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Die unter "Gesellschaft" erscheinenden Texte sind unabhängig vom Inhalt von "Yoga und ganzheitliche Gesundheit".

Copyright für alles Hella Naura

Neuzugang März 2011

Wir brauchen noch mehr Mentalitätswandel!

Was Ethik mit Naturkatastrophen und Yoga mit Ethik zu tun hat

 Eine Jahrhundertflut in Pakistan liegt noch nicht lange zurück. In China, Deutschland und Australien gab es ebenfalls Überschwemmungen. In Russland brannten weite Waldgebiete ab und möglicherweise radioaktiver Smog (mit Langzeitwirkung) drang bis nach Moskau. Wirbelstürme, Erdbeben und Landrutsche aufgrund ungewöhnlicher Regenfälle geschahen innerhalb von Monaten rund um die Erdkugel. Und ein Ende der Naturkatastrophen ist nicht voraus sehbar. Brauchen wir noch mehr Warnungen, um unsere lang gehegten Illusionen vom „Sieg über die Natur“ gründlich zu beleuchten? Wen oder was besiegen wir, wenn wir die Natur zu besiegen meinen? Was wir – unreflektiert – darunter verstehen, ist doch dieses: 1. Unannehmlichkeiten, die uns die Natur bereiten kann, völlig auszuschalten (durch Klimaanlagen über die Pille-danach und Schmerzmittel bis zum Frühwarnsystem)  und 2. die Natur bis aufs Letzte auszubeuten, um unseren verschwenderischen und auf Unverstand beruhenden hoch technisierten Lebensstil nicht nur weiter führen, sondern sogar noch steigern zu können.

Zauberformeln

Die Zauberformeln, die uns als scheinbar einzig mögliche Art von Zukunft vorgegaukelt werden, sind „Innovation“, „Wachstum“, „Fortschritt“. Doch das Denken, das zu diesen Formeln als anscheinende Rettung aus allen Arten von Problemen geführt hat, ist selbst nicht sehr innovativ! Denn Innovation, Wachstum und Fortschritt werden schon seit Beginn der industriellen Revolution, also seit gut zweihundert Jahren vergöttert und betrieben. Was haben sie uns gebracht? Staunenswerte Erfindungen, Fortschritte in der Medizin, großen Komfort in allen Lebenslagen und eine rasante Beschleunigung aller Lebensvorgänge. Doch dass sich Europa in zwei Weltkriegen selbst zerfleischte und für Millionen unsägliches Leid und Tod  verursachte, davor konnten uns Innovation, Wachstum und Fortschritt, ab jetzt kurz „IWF“ genannt, auch nicht schützen. Im Gegenteil, denn das der Menschheit mögliche Vernichtungspotential durch Waffenproduktionen ist noch angewachsen. Große Steigerungen der landwirtschaftlichen Produktion haben nicht dazu geführt, dass auf der Welt keiner mehr hungern muss, und die Lebensmittelpreise sind am Steigen. Medizinische Siege konnten nicht verhindern, dass Depressionen und psychische Erkrankungen ständig mehr Opfer fordern oder AIDS heilbar geworden wäre. Und je mehr von Lebensqualität gesprochen wurde, desto weniger hatten wir davon, was Umwelt und Natur anlangt.

Die Bestandteile für ein angenehmes Leben, also für wahre Lebensqualität, sind eigentlich ganz einfach: körperliche Unversehrtheit; Freude an dem, was  man tut und hat, sprich Zufriedenheit; erfüllende menschliche Beziehungen; möglichst weitgehende Freiheit von Ängsten sowie nervenden Umständen und natürlich bezahlte Arbeit, ein Dach über dem Kopf, Kleidung und zu essen und zu trinken. Jeder frage sich selbst, ob unser gesellschaftliches und individuelles Leben uns durch IWF und gängige Wertevorstellungen mehr von diesen Bestandteilen beschert hat, oder ob wir heute weniger davon haben als vor 10, 20, 30 Jahren? Also, es sei wiederholt: seit Erscheinen der ersten Dampfmaschine haben wir bereits in steigendem Maße IWF. Wir haben z.B. so viel Innovation, dass man bei Wasserhähnen oft nicht weiß, ob man drehen, pressen, ziehen oder eine andere Art von Kontakt herstellen muss, um sich die Hände waschen zu können. Neben Kleinstinnovationen dieser Art scheint ein für größere Innovationen höchst ergiebiger Bereich die Bauwirtschaft zu sein. So hoch wie möglich, so tief wie möglich, so verglast wie möglich etc. Und trotz lange leer stehender Häuser und Büros gibt es Wohnungsnot.

Was Wachstum angeht, so scheint es, als hätten Deutschland und andere europäische Länder in den letzten Jahren nichts dringlicher gebraucht als  Bahnhöfe (neu oder renoviert), Flughäfen, Einkaufszentren, Hotels und immer schnellere Verkehrsmittel und Luxuskreuzer. Dem Fahrzeugbau wird auch weiter unter die Arme gegriffen, wenn bald in Deutschland Überlandbusse im Linienverkehr erscheinen sollen (mit entsprechendem weiteren Bedarf an Kraftstoff!) Transport, veredelnd als „Logistic“ bezeichnet, ist ein anderer Bereich, auf dem sich Verschwendung austoben kann, wenn etwa Ananas in Riesenlastern von Florida nach Grönland gefahren, Zwiebeln von Argentinien nach Deutschland verschifft und Kaktusfrüchte und anderes Exotische aus aller Welt heran geflogen werden. All dies wird als „wirtschaftlich günstig“ verdreht, während doch Verschwendung von Energie hier wahre Orgien feiert. (Dass manche Wasserhähne sich von selbst ausstellen, um der Verschwendung von Wasser entgegen zu wirken, ist gut und gut gemeint, vielleicht aber auch bloße Augenwischerei. Denn man denke an die Swimming Pools, die unzählige Hotels gesetzlich haben müssen, und an offene Badelandschaften riesiger Größe, während Naturbäder geschlossen wurden. ((Wann wird wohl auch die Wasserversorgung privatisiert mit steigenden Kosten für den Verbraucher?)) Auch der Chlorbedarf steigt auf diese Weise. Das freut die chemische Industrie und führt u.a. zu Hautarztbesuchen und weiterem Bedarf an Salben, Medikamenten etc.).

Also wir haben bereits Wachstum. Man denke nur an die boomende deutsche Exportwirtschaft. Doch vielen Deutschen geht es trotzdem gar nicht gut. Nicht alle haben, wie von der Politik verkündet, „so vom Euro profitiert“, während doch in Wahrheit die Ersparnisse der deutschen Mittelklasse – sofern sie kein Glück beim Spekulieren und keine Maklertalente besaß – durch die Einführung des Euro etwa auf die Hälfte weg schmolzen. Und wie steht es mit dem F? Sollte man unter Fortschritt nicht mehr verstehen als wieder nur wachsende Wirtschaftszweige? Gäbe es nicht auch Fortschritt in Bildung (nicht nur als Schlagwort, von dem niemand klipp und klar aussagt, was genau darunter zu verstehen ist, so dass Kantinenessen für Schulkinder glatt als Teil von  „Bildungspaketen“ akzeptiert wird), also gäbe es nicht auch Fortschritt in gesundheitsförderndem Lebensstil (und wieder „Gesundheit“ nicht nur als Schlagwort!), weiter Fortschritt in Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe und persönlicher Integrität?

Was diese, von manchen als realitätsfern und unpragmatisch belächelten Eigenschaften    Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe, Integrität – mit Naturkatastrophen zu tun haben , soll im Folgenden gezeigt werden. In der indischen „Bhagavadgita“ (wenn indischer Yoga millionenfach akzeptiert wird, brauchen wir auch indischen Schriften nicht den Rücken zu zukehren) heißt es im dritten Kapitel: „Alle Wesen haben sich entwickelt aus Nahrung; die Erzeugung von Nahrung hängt vom Regen ab; Regen folgt aus der Darbringung von Opfern; und Opfer wurzeln in vorgeschriebenen Handlungen und Pflichten.“ So heißt es schon seit über zweitausend Jahren. Der von Technologie und Wissenschaft besessene Mensch unserer Tage könnte über diese Worte spotten und wissen wollen, was  menschliches Handeln und Verhalten einerseits mit natürlichen Phänomenen wie Regen oder Dürre andererseits zu tun haben. Die Wichtigkeit der Ökologie wird wohl von keinem heute mehr bestritten, aber es wird dabei meist nur an die Wirkungen von chemischen Düngemitteln und Pestiziden auf Erdboden, Kleinstlebewesen und Grundwasser, an Wasserverschmutzung und Kohlendioxidausstoß und an globale Erderwärmung, vielleicht auch noch an Bienen- und Fischsterben gedacht. In dem unserem Denken vorstellbaren ökologischen Kreislauf von Ursache und Wirkung kommen aber ethische Verhaltensweisen, d.h. „vorgeschriebene Handlungen“ oder Pflichterfüllung nicht vor.

Doch alles, was in allen Ländern der Erde gewollt vor sich geht, beruht letzten Endes auf Entscheidungen. Und Entscheidungen werden von Menschen getroffen und beruhen nicht nur auf bewusst erarbeiteten Ziel- und Wertvorstellungen, sondern auch auf der jeweiligen Persönlichkeit, samt Moralvorstellungen und Unbewusstem desjenigen, der Entscheidungen trifft oder sie durch seine Stimme unterstützt bzw. zu verhindern versucht. Ob z.B. weltweit  überflüssige Transportmittel und Straßennetze geschaffen werden, sind letztlich politische Entscheidungen und Handlungen. Wie sehr Erdboden und Wasser chemisch verseucht werden, geht zurück auf politische Entscheidungen. Und die Entscheidungsträger sind keine Übermenschen, sondern Menschen wie du und ich und nicht weniger verführbar als manche anderen. Das heißt, eine Riesenarmee von Lobbyisten sitzt den Parlamentariern und anderen Politikern auf den Fersen und möchte ihre Stimme haben bzw. kaufen, und zwar nicht zum Nutzen der Menschheit, sondern zum Nutzen der Firma, von der sie – die Lobbyisten – bezahlt werden. Mehr oder weniger brotlose Journalisten, die oft gleichzeitig zu ihrer Berichterstattung noch als PR-Personen von großen Firmen bezahlt werden, tun ein Übriges, um Informationen zu schönen, in Umlauf zu bringen, zu unterdrücken. (Wenn so viel Schädliches um uns herum ist, wie etwa mehrere Dutzend Schadstoffe in der Muttermilch von stillenden Müttern, und ebenso in Textilien und natürlich in der Nahrung, dann brauchen z.B. verbreitete Neurodermitis und andere Beschwerden nicht zu verwundern. Wer sich aber dauernd kratzen muss und Magen- ,  Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, steife Glieder und anderes hat, bringt schlechter die innere Ruhe auf, um sich über ethisches Verhalten, sprich „vorgeschriebene Handlungen“  – die nicht gleichbedeutend sind mit oft klein karierter Gesetzgebung    Gedanken zu machen.

 
Am Anfang stehen Gefühl und Gedanke

 
Man mache sich klar, dass alles, was in dieser Welt durch Menschen geschieht und produziert wird, als Gedanke, meistens verbunden mit Gefühl,  seinen Anfang genommen hat. Wir haben das, wofür sich Meinungsmacher, unterstützt durch Mehrheitsstimmen, entschieden haben. Ferner haben wir das, was auf Wachstum versessene Produktionszweige durch Konstrukteure oder Designer haben erdenken und gestalten lassen. Wenn wir also an dem, was in der Gesellschaft ist, etwas ändern möchten, müssten wir deshalb ganz entschieden bei den Gedanken und Gefühlen ansetzen und nicht bei der Gesetzgebung. Erstens ist der Spruch „Gesetz ersonnen, Betrug gesponnen“, zutreffend und zweitens spiegelt die gedruckte Gesetzgebung letztlich nur die Gedanken derer wider, die sie formuliert und um sie gestritten haben. Das heißt: am Anfang jeden Kreislaufs stehen Denken und Fühlen. Das heißt auch, dass am Anfang ethische Sensibilität bzw. ein Mangel daran stehen, denn was Menschen denken ist nicht zu trennen von dem, was sie für wichtig bzw. unwichtig oder wertvoll bzw. wertlos  halten. Abgesehen davon haben viele über manches noch nie in ihrem Leben nachgedacht bzw. sprechen nur ein Schlagwort nach und meinen dabei, dass sie mit dem Wort schon die Sache hätten. In allem, was auf dieser Welt an angeblich Nötigem oder Wirtschaftsförderlichem produziert wird, ist also ein rein menschlicher (nicht nur technologischer, finanzieller, wirtschaftlicher) Faktor enthalten.

 Doch wie wichtig wird dieser Faktor genommen, d.h. ist man sich seiner überhaupt bewusst? Wie wichtig werden ethische Werte oder ein Mangel daran genommen? Gesprochen wird seit einiger Zeit sehr viel über Ethik. Doch wird sie nie genau definiert. Was ist ethisch und was nicht? Auf eine möglichst einfache Formel gebracht, könnte man wohl sagen: Wenn man einem anderen legitimerweise nicht weniger gönnt als sich selbst, erwächst daraus ethisches Verhalten. Beispiele: Man möchte nicht belogen und benutzt werden, also gönnt man es anderen, ebenfalls nicht belogen und benutzt zu werden und trägt sein Teil dazu bei. Man möchte nicht darben, also unterstützt man nichts, was einen anderen ärmer macht. Man möchte dessen, was man sich erarbeitet und erspart hat, sicher sein. Also spinnt man keine Pläne, Reformen, Gesetze, Zinssätze, Aktienbewertungen etc., um andere trickreich zu schädigen. Und so weiter.

 Naiv?

 Sind diese Forderungen naiv; sind sie unpragmatisch? Eigentlich sind sie sehr einfach zu verstehen und könnten als Maßstab für das eigene Handeln übernommen werden. Nichts ist einfacher zu verstehen, als dass es gut wäre,  anderen genau so viel zu gönnen wie sich selbst. Anders herum ausgedrückt: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Jede Gemeinschaft – von der Partnerschaft über Familie bis hin zu Vereinen, Firmen und Nationen – bräuchte eine ethische Grundlage genau so dringlich, wie eine Maschine Schmieröl braucht, um ohne Reibung zu funktionieren und nicht eines Tages kreischend zum Stillstand zu kommen. (Es zeigt die Perversion unseres gesellschaftlichen ethischen Maßstabes an, dass nicht ethisches Verhalten, sondern das genaue Gegenteil, wie Bestechung und Käuflichkeit als „Schmiermittel“ bezeichnet wird.)

 Wie gesagt, „tu dem anderen nichts Böses an, wenn du selbst nichts Böses erleiden möchtest“ oder „gönne dem anderen nicht weniger als dir selbst“ könnten einfache Prinzipien eines zivilisierten, kultivierten und vernünftigen Lebens sein. Denn die Sätze sind einfach zu verstehen. Allerdings zeigt der Stand der Welt, dass es gar nicht einfach sein kann, danach zu handeln. Denn auch hier geht es nicht nur um den Intellekt, der eine Sache durchaus verstehen kann, sondern um einen anderen menschlichen Faktor, nämlich Gefühle, die sich gegen die durch den Intellekt verstandene Sache sträuben können. Denn zu Gefühlen gehören neben Großzügigkeit, Wohlwollen, Teilenkönnen und Mitmenschlichkeit auch negative Gefühle wie Neid, Eifersucht, Rivalität, kompensierendes Supermanngehabe, Angabe, Angst vor einem möglichen Zu-wenig, Zukunftsängste, Sammeltrieb, Absicherungsverlangen, Angst vor dem Zu-kurz-kommen etc.

 So weit wurde festgestellt, dass ethisches Verhalten relativ leicht zu begreifen, doch oft sehr schwierig zu verwirklichen ist. Es wurde ferner festgestellt – und man braucht dafür nicht einmal an die in der „Bahagavadgita“ aufgeführte Kausalitätskette zu glauben –  dass menschliche Gefühle und daraus erwachsende Verhaltensweisen mit Phänomenen in der Natur verbunden sind. Beispiele: Entwaldung, Verwüstung, sinkende Grundwasserpegel, Luftverschmutzung, Umweltverseuchung und damit einhergehende Klimaveränderungen mit  Dürren und Überschwemmungen als Folge können letztlich auf menschliche Verhaltensweisen zurückgeführt werden. (Man stelle sich nur vor, dass Ägypten und weite Teile von Nordafrika einmal dicht bewaldet waren, das Holz jedoch verbaut wurde!) Schlussfolgerung auf längere Sicht: Um an natürlichen (und menschlichen) Phänomenen zerstörerischer Art etwas zu ändern, muss sich am Denken und Fühlen von Meinungsmachern, Politikern, Konzernmanagern und anderen Entscheidungsträgern etwas ändern. „Der Fisch stinkt vom Kopf her“, heißt es. Guten Vorbildern – gäbe es nur viele davon! – würde (fast) ebenso gefolgt werden wie schlechten.

 Wie lassen sich Denken und Fühlen zum Besseren verändern? Die Gesellschaft beeinflusst den Einzelnen, doch Einzelne können ihrerseits die Gesellschaft beeinflussen. In unserer heutigen Massengesellschaft mit Internet in fast jedem Haushalt und an allen Ecken und Enden der Welt verbreiten sich Einflüsse rasend schnell. In Tunesien opferte sich ein einziger Verzweifelter, indem er sich selbst verbrannte. Und die Welt erstaunte, denn sein Vorbild (plus Zeitgeist) mobilisierte und ermutigte Hunderttausende in über sechs Ländern. Auch ohne besonderen Opfergeist oder Mut könnte und sollte sich deshalb jeder Mensch erst einmal klarmachen, dass er zählt. ER ZÄHLT, weil sein Vorbild – im Guten wie im Schlechten – nicht ohne Wirkung bleibt. Dazu braucht man keine wichtige Position zu bekleiden. Das beginnt schon in der Familie, wo das Vorbild nur eines Mitglieds alle anderen beeinflusst, so wie ein anderes Vorbild einen Verein, eine Partei, eine Gesellschaft bis hin zu einer ganzen Nation beeinflussen kann.

 Aus sehr persönlicher Sicht

 Aus meiner persönlichen, auf langer Yoga-Praxis beruhenden Sicht lässt sich durchaus etwas tun. Und man sage nicht, dass der Mensch sich ja im Grunde doch nie ändert! Das hängt erstens davon ab, ob er es überhaupt will (und viele wollen tatsächlich nicht), und zweitens, ob er an die richtige, ihm gemäße Hilfestellung gerät. Je mehr Reviersicherung, Rivalität, Futterneid etc. aufgegeben werden könnten, desto schneller ließen sich hilfreiche Übungen und Ideen unverzerrt, d.h. nicht mehrmals wiedergekäut verbreiten. Übungen und Ideen haben wir zwar schon reichlich durch eine gewaltige Ratgeberliteratur. Doch manches davon scheint von Menschen geschrieben zu sein, die selbst nicht praktizieren, wozu sie raten. Ratgeber-Eintagsfliegen helfen meist auch nur für einen Tag. Was erwiesenermaßen auf lange Sicht helfen könnte, wäre richtig verstandener und vermittelter Yoga. Doch Yoga ist inzwischen auch ein weites Feld oder genauer gesagt ein Markt geworden, auf dem manche ihre hausgemachten, mit wohlklingenden Etiketten versehenen Produkte anbieten. Yoga, von dem hier die Rede sein soll, ist hingegen klassischer Yoga (nach Patanjali), d.h. keines der Pflänzchen unserer schnelllebigen Zeit mit Profilierungssucht, sondern ein systematischer, auf ethischer Grundlage beruhender Übungsweg, der im Heimatland des Yoga, also in Indien, seit etwa zweitausend Jahren als Maßstab gilt. Auch „unklassischer“ Yoga kann natürlich helfen sofern er von einer Art ist, dass er seine Anhänger langfristig begeistern und positiver stimmen kann. (Allein damit ist schon viel erreicht für ein gutes gesellschaftliches Klima, in dem materialistische Werte nicht alle anderen weit überwiegen.)

 Was den klassischen Yoga auszeichnet, so legt er verständlich und systematisch dar, dass jede Art von gründlicher Bewusstseinskultur auf einer ethischen Grundlage beruhen muss. Deshalb besteht die erste von insgesamt acht Stufen des klassischen Yoga aus den so genannten Yamas, d.h. Empfehlungen für den Umgang mit anderen. Dies sind: man vermeide, zu verletzen; Unwahres zu sagen (wenn die Wahrheit verletzt, ist die Empfehlung, gar nichts zu sagen);  zu nehmen, was einem nicht legitimerweise zusteht; sexuellen Missbrauch im weitesten Sinne sowie Habsucht und ständige Begehrlichkeit.

 Weshalb sollte man nun aber versuchen, vielleicht altgewohntes Verhalten abzulegen und sich in diesen fünf Punkten jederzeit zu üben? Antwort: Weil es einem auf lange Sicht selbst sehr gut tut. Man kann ruhiger schlafen – ein gutes Gewissen ist das beste Ruhekissen – und man vermeidet Reibereien und Konflikte mit anderen. Man hat auch weniger Schwierigkeiten mit der Kindererziehung. Ein Mensch ist in bester Form und auch gut für seine Umgebung, wenn er in sich selbst bestens integriert ist. Das soll heißen: keine doppelten Standards; keine Heuchelei; keine Doppelzüngigkeit; keine Konflikte; keine Hintergedanken; keine Unsicherheiten, die dadurch entstehen, dass Denken, Sagen und Tun auseinander klaffen. Ein solches bereinigtes Denken und Tun fördert nicht nur das geistige und emotionale Leben, sondern sogar physische Gesundheit. Denn dass Gedanken und Gefühle zu körperlichen Reaktionen und allmählich zu organischen Veränderungen führen können, beweist die psychosomatische Medizin. (Ebenso wie im begrenzten Maße Lügendetektoren.) Wenn also eine integrierte, gesunde und friedlich gestimmte Gesellschaft einen großen Wert darstellt, dann müsste man darauf hin arbeiten, dass möglichst viele Einzelpersonen integriert, gesund und friedlich werden. Denn wie kann ein Organismus – und eine Gesellschaft stellt einen Organismus dar – gesund sein, wenn zu viele seiner einzelnen Zellen kränkeln?

 Wie gesagt, sind die Gesellschaft als ganzes und ihre einzelnen Mitglieder voneinander abhängig. Yoga betrifft mehr den Einzelnen. Deshalb ist es wichtig, ob der einzelne Yoga-Lehrende selber praktiziert, was er lehrt. Und wieder erhebt sich die Frage: Wird das, wozu Yoga führen kann – Bewusstseinskultur mit entsprechenden Änderungen im Verhalten und Handeln – überhaupt ernst genommen und als großer Wert erkannt? Oder versucht man es mit Yoga nur, um verschiedenste Problemchen in den Griff zu bekommen? Gewiss, auch das ist schon etwas. Wer aber Yoga nur unter dem Gesichtspunkt von Nutzanwendung im Kleinen sieht und übt, wird nicht so weit damit kommen. Auch die Faszination von Yoga als Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen, kann, wenn sie ohne Praxis bleibt, nicht weit führen. Wenn das Ziel solcher Untersuchungen etwa ist, heraus zu finden, welche Stellen des Gehirns man chemisch oder sonst wie künstlich stimulieren müsste, um bestimmte Gefühle – wie etwa Mitgefühl, Friede, Freude – zu empfinden, dann hat das nichts mit Yoga zu tun. Denn der zielt darauf ab, einen Menschen nicht künstlich von außen, sondern aus eigener Kraft und dem eigenen Inneren heraus zum Besseren zu verändern.  

 Was kann klassischer Yoga also für den Einzelnen tun? Es gibt eine Geschichte von einer zänkischen Frau, die mit einem weisen Mann verheiratet war. Mit viel Geduld brachte der es dazu, seine Frau schließlich dazu zu motivieren, sich jeden Tag mehrmals für ein paar Minuten mit geschlossenen Augen aufrecht in eine Meditationshaltung hinzusetzen und ihren Atem zu beobachten. Und es heißt: dadurch wurde sie stiller. Als sie stiller geworden war, wurde sie fröhlicher und dann wurde sie wohlwollender und friedlicher. Menschen mit solchen Eigenschaften können bessere Entscheidungen treffen als Menschen unter Hochdruck und Stress, die mehr durch materialistische Wünsche und Ehrgeiz motiviert werden als durch Wohlwollen und Verantwortungsbereitschaft für das Ganze.

Zum Schluss: Nicht nur die „Bhavadgita“ verbindet menschliches Handeln mit Naturkatastrophen. Von einem chinesischen Kaiser der Vergangenheit wird erzählt, dass sein Reich von einer Heuschreckenplage heimgesucht wurde und es zur Hungersnot kam. Nach Ansicht des Volkes und des Kaisers selbst – so dachte man damals – musste der Kaiser etwas Ungutes getan haben, um so bestraft zu werden. Der Kaiser betete und wollte Buße tun. Dafür verschluckte er eine lebende Heuschrecke, obwohl es ihn ekelte und die Ärzte von möglicher Erkrankung sprachen. Bald darauf waren alle Heuschrecken aus seinem Reich verschwunden, und es kam zu des Kaisers Lebzeiten nie mehr zu einer Hungersnot. Und sogar im letzten Jahrhundert noch schrieb ein russischer Autor, dass in St. Petersburg Pfirsichbäume zu blühen begännen, wenn nur alle Menschen tugendhaft würden. Jeder weiß, dass Pfirsiche ein warmes, sonniges Klima brauchen, und St. Petersburg hoch im Norden liegt, bedeckt von Schnee und Eis im Winter. In der Sicht des Autors war menschliche Wärme ganz wörtlich zu nehmen.

Quintessenz

uintessenz: Für gute Entscheidungen, die das Leben fördern statt nur kurzfristige Profite und die ersten Plätze im Rattenwettlauf muss der menschliche Faktor eines jeden Entscheidungsträgers bedacht und verfeinert werden. „Aus der Stille wächst die Kraft“, sagte Mahatma Gandhi, der die Welt ein gutes Stück veränderte. Stilleübungen wären also in den allgemeinen Alltag zu integrieren: beginnend in der Familie, der Kita, der Schule und an Universitäten. Und wer Geschmack daran findet, wird sich schon von selbst nach regelrechtem und weiterführendem Yoga-Unterricht umsehen.

ENDE



März 2009

Mehr Dörflichkeit ?

Hella Naura

Vorweg: Anregung zu einer anderen Sichtweise. Die bisherige: Materieller Fortschritt als Maßstab für Fortschritt schlechthin und wünschenswertestes Ziel; Wirtschaftswachstum; Entwicklung immer neuer Produkte zur Konsumankurbelung; Erzeugung von Unzufriedenheit mit der eigenen Person, um Kaufzwang zu erzeugen; direkte und schleichende Werbung; Eroberung neuer Märkte; Gesundheit als kaufbare Ware; Glücksspiel= Spekulation als anerkannte Geschäftsmethode; immer virtuellere „Wirklichkeiten“ (u.a. Geld und Profit nur als Zahlen auf dem Papier bzw. Berechnungen, nach denen man Geld verlieren kann, das man gar nicht besitzt, und Geld „verdienen“ kann, für das man nicht arbeitet, da „das Geld arbeitet“. Unsere zu  einseitig wirtschaftliche Denkweise spiegelt sich auch darin, dass unsere Wirtschafts- und Finanzsprache immer mehr vermenschlicht wird, während die Sprache zur Bezeichnung von Menschlichem versachlicht wird. Beispiele: Die Börse ist freundlich…positive Grundstimmung bei Wertpapieren….. die Information (im eigenen Gehirn) speichern und bei Bedarf abrufen…

 
Eine von vielleicht vielen denkbaren anderen Sichtweisen: Mehr Menschlichkeit statt Sachlichkeit, d.h. mehr Freude an Menschen und am eigenen menschenfreundlichen Tun als an Kaufbarem und ar Vorzeigbarem. Fortschritt in der Bewusstseinsentwicklung (was nicht dasselbe ist, wie immer mehr Informationen sammeln). Mehr materielle Bescheidenheit bei mehr Anspruch (auch an sich selbst) auf Respekt, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftsgefühl. (Wird ja schon durch Stadtteilarbeit und manche Kulturzentren praktiziert.)

„Bildung“ als Erziehung, ein möglichst innerlich erfülltes Leben zu erreichen, was voraussetzt, dass nicht nur fachliches Wissen vermittelt, sondern auch Eigenschaften kultiviert werden. Damit würde sich viel kulturelle Integrationsarbeit von selbst erfüllen. Vorschlag (wird, glaube ich, an englischen Schulen geübt): In der Schule könnte Objektivität durch sachliches Diskutieren entwickelt werden, und zwar indem jeder bei kontroversen Themen  beide Seiten  vertreten muss.

Lebensweise, die jedem erlaubt, mehr Zeit zu haben. Lebensweisen, die es Familien erlauben, mit nur einem Verdiener zu überleben, falls einer der Partner lieber Zeit für Kinder statt fürs Geldverdienen haben möchte.

 Nun folgt das eigentliche Thema:

 
Mahatma Gandhi stellte sich für ein von der britischen Fremdherrschaft befreites Indien eine weitgehend dörfliche Kultur vor. Mitstreiter hielten ihm vor, dass er zu sehr in der Vergangenheit lebe. Gandhis Antwort darauf war, dass er im Gegenteil in die Zukunft weise.

Das scheint höchst unwahrscheinlich, denn in dem gut halben Jahrhundert seit Gandhis Tod ist die Landflucht und das Wohnen in Millionenstädten nur immer mehr angewachsen. Könnte Gandhi aber trotzdem recht gehabt haben, und zwar nicht nur für Indien, sondern weltweit? Könnte eine neue Art von „Verdörflichung“ – womit nicht ein öfter zitiertes global village gemeint ist – parallel zur Globalisierung möglich sein, so eigentlich unvereinbar dies auch erscheinen mag?

 

Den bloßen Anfang einer Antwort können wir gerade jetzt sehen: Die so genannte freie oder soziale Marktwirtschaft, die ohne Rücksicht auf natürliche Ressourcen auf so genanntem gesunden Wettbewerb und Profitstreben als oberstem Ziel beruht, hat die Welt gegenwärtig an einen Punkt gebracht, wo sich viele fragen mögen, ob es denn  richtig sein kann, einfach nur immer in der gewohnten Art weiter machen zu wollen. Wettbewerb ist gut, solange ein Markt ungesättigt ist und es genügend Konsumenten mit genügend Kaufkraft gibt. Sind diese beiden Bedingungen nicht gegeben, wird Wettbewerb unsinnig und verschwenderisch. Denn die immensen Werbemittel – eine zwangsläufige Nebenerscheinung von Wettbewerb – zahlen letztlich alle. Hinzu kommen u.a. Papierverschleiß – ganze Wälder fallen der Herstellung von Werbebroschüren und von letztlich durch Werbung im weitesten Sinne –  also auch schleichende Beeinflussung – finanzierten  Presseerzeugnissen zum Opfer. (Man bedenke die vielen, vielen vergleichsweise riesigen „Kioske“ unserer Tage und dass vielleicht über die Hälfte von Gedrucktem dort ungelesen schon bald nach Erscheinen wieder eingestampft wird.) Hinzu kommen Umweltbelastung durch Chemikalien und Müllanfall.

 

Dass die Marktkräfte sich selbst regulieren, mag vielleicht unter früheren Bedingungen so gewesen sein. Dass das heute aber nicht mehr der Fall ist, zeigen die Fakten der Gegenwart. Der Traum vieler – ein vereintes Europa als riesiger Markt, von dem alle profitieren– müsste eigentlich ausgeträumt sein. Nicht nur die für Macht- und Geldberauschte überhaupt nicht zählenden „Loser“ haben verloren, sondern ein großer Teil des normalen Mittelstands in vielen Ländern hat heute einen niedrigeren Lebensstandard als vor Jahren. Das kann auch gar nicht anders sein. Denn eine Lösung, bei der alle profitieren und alle gewinnen, kann es  (aufgrund eines Polaritätsgesetzes) nicht geben. Damit soll nichts gegen die europäische Vereinigung gesagt sein, sondern nur, dass es keine Medaille mit nur einer Seite gibt. Dass bloße Größe eines Marktes automatisch zu mehr Wohlstand für alle führen sollte, wird schon durch die Lage der US widerlegt. Der Reichtum der US glänzt seit langem nur auf Pump (wie auch in anderen Städten und Ländern).  Und auch während des größten Glanzes dort gab es immer auch Armut für manche bis auf den heutigen Tag.

 

Karl Marx’ Voraussage soll gewesen sein, dass der Kapitalismus seinen Höhepunkt mit der Herrschaft von Banken und Großkonzernen erreichen würde. Hat sich das nicht gerade jetzt erwiesen? Das kurzsichtige, gierige und unverantwortliche Verhalten von Großkonzernen und Banken, das mehr an Glücksspiel als an Wirtschaften und Managen erinnert, hat weltweiten Jammer verursacht. Hochbezahlte so genannte leistungerbringende Führungskräfte und Elitemitglieder haben Fehler gemacht, für die man – vergleichsweise – Schüler sitzen lassen oder als spiel (=spekulations)süchtig abstempeln würde. Doch statt wieder gut zu machen, verlangen laut Berichterstattung Banken und Konzerne nach Mästung – auf Kosten der Allgemeinheit. Und sie sollen anscheinend gemästet werden. Geschieht dies nur aus der Angst heraus, dass sonst alles zusammen brechen könnte, oder gibt es noch andere Gründe als verbreitete Krisenstimmung?

 

Jede Krise birgt in sich die Chance der Heilung. Marx sagte diese Entwicklung als Höhepunkt des Kapitalismus’ voraus. Und nach einem Höhepunkt geht es nicht mehr höher. An diesem Punkt könnten manche einen Wunsch nach Systemwechsel mutmaßen. Und bei Systemwechsel scheint für viele auch Revolution nicht weit zu sein, also ein Umsturz von allem, was da ist. Doch „die Revolution frisst ihre Kinder“, hat jemand gesagt. Das heißt auch, dass die, die Umsturz herbei führen wollten, später oft selbst gestürzt wurden. Schlimmer noch: sie taten oft selbst das, was sie anfänglich hatten bekämpfen wollen. Woran bei diesen Zeilen gedacht wird, ist also natürlich kein Umsturz, sondern ein allmählicher Mentalitätswandel und eine Bewusstseinserweiterung, die neue Denkweisen zulässt, statt sich an Bestehendes und Gewohntes zu klammern.

 

Ein solcher Wandel scheint schon statt zu finden. In den US, wo noch vor 40 Jahren Farbige Prügel und Schlimmeres zu fürchten hatten, wenn sie „weiße“ Gehege mit betreten wollten, wurde ein Farbiger in das allerhöchste Amt gewählt! So viel Umdenken war möglich. Weshalb sollte dann nicht noch mehr Umdenken auf friedliche Weise möglich werden? Und das weltweit. Denn die bisherige Globalisierung hat nicht nur globalen Warenfluss, sondern auch globalen Ideenfluss mit sich gebracht. Und so wie sich unheilsame Ideenströme per Internet und Fernsehen erzeugen lassen, lassen sich auch heilsamere Ideen verbreiten, wenn auch mit mehr Schwierigkeit. Doch mit Kenntnissen und genügend gutem Willen in dieser Richtung statt Futterneid oder Verhinderungslust wäre sicher etwas zu erreichen. (Damit es nicht nur ernst bleibt, hier ein indischer Witz: Kartons mit lebenden Krebsen werden stark verschnürt, wenn sie für den Export in die US bestimmt sind. Kartons für den indischen Markt bleiben unverschnürt. Warum? Wenn ein Krebs in Amerika den Karton hochklettert, um sich aus seiner Bodenlage zu befreien, versuchen alle anderen Krebse ihm nach ins Freie zu klettern. Wenn ein Krebs in Indien hoch will, halten ihn alle anderen unten fest, weil es ihm nicht besser gehen soll als ihnen selbst. So lachen Inder über sich selbst. Worüber lachen Deutsche? (Nun wieder ernst.)

 

Was kennzeichnet dörfliche Kultur? Viel Selbstversorgung. Arbeit und Leben in Einklang mit dem von der Natur Vorgegebenem. Sparsamer Umgang mit allem. Wiederverwertung. Überschaubare Kreisläufe. Kurze Wege. Keine Anonymität. Risiken auch auf eigene Kosten. Gegenseitige Hilfe. Tausch in Naturalien.

 

Was den freien Markt von heute kennzeichnet, steht dazu in größtem Gegensatz:

Selbstversorgung: Viele versorgen sich nur noch über Supermärkte mit Fertiggerichten und Junk Food oder über Imbisstuben und haben wenig Fertigkeiten für den normalen Alltag.

Natur: Naturgegebenes wird übersehen. Statt zu entdecken, zu pflücken, zu sammeln, zu nutzen usw. geben auch Arme lieber Geld für Gekauftes aus. (Die meisten würden sich schämen, einen Apfel unter einem Baum aufzuheben und zu essen.) Naturgesetze werden missachtet, natürliche Einflüsse übersehen.  

Sparsamkeit: Die Verschwendung von Ressourcen wird noch gefördert: Sogar Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Zwiebeln werden von anderen Kontinenten herangeschafft. Zentralküchen mit notwendigen Kühl- und Warmhaltevorrichtungen in Spezialfahrzeugen liefern abgestandenes schlechtes Essen an Krankenhäuser (auch an Kindergärten, Altenheime u.a.?)

Wiederverwertung: Findet zwar statt, aber nur teilweise. Wie viel Abwärme wird vergeudet!

Kreisläufe, die den Import von Nahrungsmitteln aus Hungerländern in reiche Länder mit beinhalten, die ihren Überfluss aus Supermärkten an ihre eigenen Armen per Ehrenamtliche verfüttern, mit den damit verbundenen Kostenabwälzungen und Sekundärkosten sind derart verzweigt, dass wohl keiner sie im Kleinsten mehr überschauen kann oder noch überschauen möchte.

Anonymität: Wer kann noch wissen, woher seine Dinge und Nahrungsmittel kommen; wer an ihnen gearbeitet hat; welche weit reichenden Konsequenzen für andere das hat, was jeder als kleines Rädchen im Getriebe tun muss usw.? Immer weniger hat man mit Menschen zu tun, denen man ins Gesicht sehen und Fragen stellen könnte; immer öfter mit Telefonstimmen, die nur Eingespeistes antworten. Wie selten kann sich jemand an jemanden wenden, da doch keiner verantwortlich ist und selbst nur Begrenztes gesagt bekommen hat oder der Subunternehmer noch selbst einen Subunternehmer beschäftigt. 

Risikobereitschaft, gegenseitige Hilfe: Versicherungen können für ihr Fortbestehen darauf zählen, dass die Angst vor möglichem Verlust groß und Vertrauen in nicht-institutionalisierte Hilfe durch Mitmenschen gering ist. Braucht jemand vorübergehend Geld, kann das bedeuten, sich auf lang in die Krallen von Banken zu begeben, nur weil persönlichen Bekannten ein Aushelfen zu riskant erscheint.

Tausch: Geld ist der überwältigende Maßstab und das Regulationsmittel für alles. (Sogar sich verlieben wird durch Internet-Single-Börsen vergeldet.)

 

So wie es ist, ist es also nicht sehr gut. Ergibt es da Sinn, unbedingt so weiter machen zu wollen? Erreicht nicht jede Entwicklung einen Höhepunkt, nach welchem sich andere Entwicklungen Bahn brechen? Wäre es nicht besser, die Autoabhängigkeit zu verringern, statt die Autoindustrie zu stützen, was Schonung von Rohstoffen, Luftverbesserung und Entlastung der Straßen gleich käme? Und wozu sollen Großbanken noch gestützt werden, wenn sie doch – wie es jetzt scheint – Regierungen nach ihrer Pfeife tanzen lassen können? Natürlich würden Arbeitsplätze verloren gehen, was für die jeweiligen Betroffenen sehr bedauerlich ist. Aber es gehen ständig Arbeitsplätze verloren. Geht es also nun darum, Arbeitsplätze um aber auch jeden Preis zu erhalten, oder geht es darum, neue Arbeitsplätze zu schaffen, die besser für das Ganze wären?

 

Das heißt u.a. und um zu einem Schluss zu kommen: Eine Art „Verdörflichung“ könnte ökonomische Notwendigkeiten und neue Arbeitsplätze mit mehr Ressourcenschonung und mehr menschlichem Miteinander verbinden. Mit Verdörflichung ist gemeint: möglichst viele nicht allzu große Einheiten zu schaffen, in denen weniger menschliche Fremdheit und versorgerische Abhängigkeit von unüberschaubaren Multis oder nur auf Gier beruhenden Strukturen herrscht und Verschwendung vermieden wird. Das wurde ungefähr so schon vor Jahrzehnten mit Gründungen von WG’s und ländlichen Kommunen versucht. Es war dies aber zu einer Zeit des materiellen Wohlstands, wo viele Menschen üppige Sozialleistungen als ihr gutes Recht betrachteten, auch wenn sie gar nicht arbeiten wollten und die angebliche sexuelle „Befreiung“ Vergnügungssucht, Beliebigkeit und Unverantwortlichkeit förderte.

 

Inzwischen hat sich jedoch herum gesprochen, dass die eine Seite der Medaille, nämlich Rechte, die andere Seite, nämlich Pflichten, bedingt. Gründungen von Arbeits- bzw. Nachbars- oder Lebensgemeinschaften könnten heute also auf einem etwas solideren Fundament stehen. Wie könnten nun derartige Einheiten entstehen? Das ist die große Frage. Denn lange praktizierter „Individualismus“ bringt es mit sich, dass man mit Mitmenschen schlecht zurecht kommt und bei Verständigungsschwierigkeiten leicht aufgibt. „Dörflich“ wären diese Einheiten in dem Sinne, dass man sich persönlich kennt; kürzere Wege und Kreisläufe benötigt; in der Ernährung weniger abhängig von Multis ist; Generationen vermischt werden; das Leben der Natur mehr angepasst wird.

 

Wie zu hören ist, entstehen in Deutschland buddhistische Klöster auf dem Lande. Wäre es denkbar, dass manche sich (oder christliche oder andere Formierungen) nicht nur, wie schon der Fall, in der Hospiz-Bewegung verdient machen, sondern durch geistige und menschliche  Anregung auch für alte Mitbürger? Könnten in der Nähe von Klöstern Altenheime entstehen? (Auch mit Mehrbettzimmern. Vielen Leuten sollen Krankenhausaufenthalte gut gefallen. Grund: Man ist weniger allein als zu Hause.) Viele alte Leute brauchten dann nicht mehr isoliert dahin zu dösen, sondern würden mehr wahrgenommen, was wichtiger ist als luxuriöse, doch sterile Ausstattung.

 

Dem wäre ein landwirtschaftlicher Betrieb anzuschließen mit vielfachen Vorteilen: Ein arbeitsintensiver organischer Anbau würde viele Arbeitsplätze schaffen; die heilende Wirkung der Natur käme vielen sonst schwer vermittelbaren psychisch labilen Menschen zugute;  die Verpflegung würde für alle gesünder; die Abhängigkeit von Nahrungsmittel-Multis würde verringert; energieverschlingende Transportwege würden entfallen; verdienen würden bislang Arbeitslose statt Multis; auch Köche würden wieder gebraucht. Eine Konkurrenz für den bestehenden biologischen Anbau wäre nicht zu befürchten, da die Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln so groß ist, dass ja sogar aus China und den US importiert wird. Bei einem geistigen Kern einer solchen Einheit darf auch mehr Ehrlichkeit (Lebensmittelschwindel!) voraus gesetzt werden.

 

Wenn von der Entfernung und demographischen Lage her möglich, könnte ein Kindergarten angeschlossen werden (die Kinder würden in Sammelbussen gebracht). Kinder könnten so vielleicht Ersatzgroßmütter bekommen und Senioren würden durch Umgang mit jüngeren Menschen neu belebt. Da fast alle Kinder tierlieb sind, könnte eine kleine Einbeziehung in Hühner- und Kaninchenhaltung eine Bereicherung bedeuten. Auch dies würde Arbeitsplätze und bessere Lebensmittel schaffen, Das Ensemble brauchte allerdings so viel Fläche, dass die Klosterinsassen so viel Stille für sich selbst hätten, wie sie brauchten.

 

In den Baulichkeiten der nun leereren (und sehr teuren) Altenheime in den Städten könnten andere Einheiten entstehen. Z.B. könnten hier neben alten Bewohnern auch allein erziehende Mütter wohnen. Die Kinder hätten neben eventuellen Ersatzgroßmüttern auch gleichaltrige Gesellschaft, die für soziales Lernen nötig ist; eine Kindergärtnerin könnte beschäftigt werden; die Mütter wären weniger überfordert. In die Heime käme mehr Leben. Auch hier sollte zumindest ein einfacher Kräutergarten unterhalten und (von Kommerz befreite) Lebensmittelberatung abgehalten werden. Es sollte nach Möglichkeit oft in Gemeinschaft gegessen werden (verringert Essstörungen). Da das männliche Element nicht fehlen dürfte, könnten hier auch Studenten vorwiegend der heilenden, pädagogischen Fächer wohnen, denen es an Anschauungsmaterial nicht fehlen würde. Es könnten Tanzabende und Feste veranstaltet werden, zu denen auch Außenseiter kämen  – eine Alternative zu teuren und überlauten Diskotheken.

 

Stichworte:

Generell würde versucht werden, Arbeits- und Wohnplätze einander näher zu bringen (im Gegensatz zum Trend, in der einen Stadt zu wohnen und in der anderen zu arbeiten. Das bringt mit sich Energie- und Zeitverschwendung, Autoverkehr, teuren Prestige-Eisenbahnverkehr).

Kleineren Gewerbetreibenden sollte es leichter gemacht werden durch weniger Gesetze und Bürokratie. Jeder, der Hygiene einhält und Respekt vor Lebensmitteln hat, sollte Essbares, d.h. Hausgemachtes ohne viel Chemie und Junk-Zutaten anbieten dürfen in Cafés oder Kleinrestaurants (die keine Verschuldung wegen zu hoher gesetzl. geforderter Investitionen erfordern würden) Der Verdienst am Appetit, Hunger und Durst von Menschen käme damit nicht nur durchmaschinisierten und Personal einsparenden Großketten zugute.

Auch im Geschäft mit der Mode sollte Platz gemacht werden für Finanzschwächere, d.h. kreative SchneiderInnen. Statt nur Vorbildern in Illustrierten zu folgen, könnten Käuferinnen so beim Einkauf ihrer eigenen Fantasie mehr folgen.

Schuluniformen (mit Platz für individuelle Wünsche, z.B. Hose oder langer, kurzer, enger oder weiter Rock) könnten sozial Schwachen schmerzliche Gefühle ersparen, die Köpfe von Lernenden freier fürs Lernen machen (kein Jobben, um teure Sachen kaufen zu können oder andere ausstechen zu wollen) und auch noch Lehrer vor Ablenkung durch zu viele sexuelle Reize schützen.  

Generell sollte es kleineren Unternehmen, Verlagen, Handwerksbetrieben etc. leichter gemacht werden, auch um geistiger Verödung vorzubeugen (ein und dasselbe in Kritiker-Einigkeit hochgejubelte So-und-so in mindestens zwanzig Ländern, Sprachen usw.

 

Der Konzentration von Werbung und Verdienstmöglichkeit im weitestem Sinne in immer weniger Händen/Köpfen/Personen/Kritikerautoritäten sollte entgegen gewirkt werden durch mehr geistige Dezentralisierung.

 

März 2009

 

Vision

 

„Wenn das Leben keine Vision hat,

nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte,

dann gibt es auch keine Motivation, sich anzustrengen.“

Das meinte der Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Erich Fromm.

 

Und im Alten Testament heißt es bei Salomon,  Buch der Sprüche:

„Wenn keine Vision vorhanden ist, verdirbt das Volk.“

 

In Deutschland redete man eine Zeitlang viel von Visionen,

nur wurde nie gesagt, worin die genau bestanden.

Was aus Funk und Fernsehen zusammen zu stückeln war:

„Deutschland soll wirtschaftlich an die Spitze Europas......

Deutsche Produkte besser absetzen.....

Weltweit mithalten....“              

 

Ich fürchte, mit so einer Art von Vision und nicht mehr

verdirbt man auch.

 

Nun ist seit längerem schon viel die Rede von „Bildung“.

Doch wieder wird nicht gesagt, worin die genau bestehen soll.

Fachidiotentum, der Vorwurf mancher in früheren Jahrzehnten,

wich irgendwann interdisziplinärer Beschlagenheit.

Die schlug sich viel selbstdarstellerisch herum

in Fachkreisen, Publikationen und öffentlichen Seminaren.

Doch die von der Wirtschaft diktierte „Bildung“ von heute

lässt nun wirklich Schlimmes befürchten.

 

Deshalb hier eine Vision:

 

„Schließlich muss doch der Geist den Sieg erringen:

nicht der Geist, der neue Gewaltmittel erfindet,

neue Zerstörungsmaschinen, neue Sprengstoffe, neue Gase;

auch nicht der Geist, der die neuen Industrien schafft,

neue Verkehrsmittel erschließt, so nützlich er auch sein mag,

sondern der Geist, der aus den alten, ewig jungen Urquellen der Natur schöpfend

neue Lebenswerte formt: die Welt der Zukunft, deren Symbol nicht mehr

 die raffende Raubtierklaue ist,

sondern die gebende Menschenhand –

in der die Klassenpolitiker und Staatsmänner entdeckt haben,

dass es nicht nur Menschenmaterial gibt, sondern auch Mitmenschen,

in der sie nicht nur mit den Lippen bekennen,

sondern auch durch die Tat beweisen, dass sie,

anstatt die brutale Selbstsucht der Staaten, der Klassen, der Einzelnen,

auch in der Politik die Lehre der Nächstenliebe vertreten, die da sagt:

Was du nicht willst, das man dir tu,

das füg auch keinem andern zu.

Lasst uns trotz der Finsternis nicht an der Morgendämmerung zweifeln.“

 

Sind dies Worte eines Ghostwriters, Festredners oder Träumers?

Sind dies Worte eines Experten für Imagepflege und Irreführung?

 

Und weiter:

 

„Ich sehe keine andere Rettung für die Menschheit

als die Wiedergeburt der Nächstenliebe.

Das hört sich kindlich an, beinahe sentimental vielleicht.

Ich sehe die Politiker die Achseln zucken: Was wir brauchen, ist Realpolitik.

Ja, Realpolitik. Auch ich bin Realpolitiker – mit meinem ganzen Wesen.

Ich interessiere mich lebhaft und ausschließlich für die Wirklichkeit.

Aber keine Realpolitik ist denkbar ohne die Grundlage der Nächstenliebe –

Der Gegenseitigkeit, des Vertrauens. Das  ist der Fels,

auf dem alles menschliche Zusammenleben bauen muss:

das Materielle wie das Geistige, Handel und Industrie

ebenso wie Kunst und Wissenschaft.

Wenn der Bakteriologe Bazillenkulturen züchtet,

nicht um Menschen gegen Krankheiten zu immunisieren,

sondern um Menschen umzubringen.......

.....dann geht die Zivilisation unweigerlich ihrem Untergang entgegen

und fällt in Barbarei zurück: In den Kampf aller gegen alle.

Ja, Nächstenliebe ist Realpolitik – die einzig mögliche.“

 

Wer da spricht, war ein Mensch der Tat.

Und was er tat, deckte sich mit dem, was er sprach.

Es war der Norweger Fridtjof Nansen (1861 – 1930),

erst Kustos an einem zoologischen Museum,

dann Nordlandfahrer, der den Nordpol nicht ganz erreichte,

aber in drei Jahren Schnee, Eis, Kälte und langen Nächten

der Wissenschaft seiner Zeit hingebungsvoll diente.

Dann wollte man ihn als Diplomat, und er trug 1905 wesentlich

zu einer friedlich vollzogenen Trennung Norwegens von Schweden bei.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde er Kommissar im Völkerbund

Und setzte seine politische Arbeit für Ziele der Menschenliebe ein.

Er wollte zukünftige Kriege verhindern helfen, und er baute ein Hilfswerk auf

Für Millionen von Flüchtlingen, Kriegsgefangenen und Hungersnotopfern.

Dies tat er nicht nur vom Schreibtisch aus – was schon gewaltig gewesen wäre.

Zehn Jahre lang reiste er durch russische, griechische und armenische Elendsgebiete,

verhandelte mit Regierungen, rüttelte durch Reden, Aufsätze und Bücher Menschen auf

und organisierte, wo immer es nötig war, etwas zu organisieren.

Bei der Verleihung des Nobelpreises an ihn hieß es,

er habe „die Nächstenliebe zu einer Weltmacht erhoben“.

 

 

Nachbemerkung:

 

Nur 21 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges mit seinem unsäglichen Elend

und neun Jahre nach Fridtjof Nansens Tod begann schon wieder

eine Sturzwelle von Wahn, Zerstörung und Selbstzerstörung

über Teile Europas, auch Russlands, auch Japans hinweg zu fluten.

Das hebt die obigen Worte von Fridtjof Nansen nicht auf.

Er hat nur gesagt, wodurch eine Zivilisation untergehen kann

und was sie tun muss, damit das nicht geschieht.

Vielleicht wird sich seine Vision doch noch erfüllen!!!

Für ein klein wenig Information über das im folgenden erwähnte Institut folgt ein weiterer meiner Briefe, die nicht beantwortet wurden. Ich schrieb ihn am 9.9.97 an den STERN, um Interesse zu wecken anlässlich einer vom Institut veranstalteten Konferenz im Dezember 1997 zum 100. Jahrestag des Institutsgründers, Shri Jogendraji. Hier also der Brief:

 

Betr.: Konferenz für geistig gesünderes Leben vom 24.-28.12.1997 in Mumbai

Sehr geehrter Herr Dr. Funk,

da Sie in Ihrem Editorial in (STERN) Nr. 37 Leben aus zweiter Hand, einzuklagendes Mitgefühl und mangelnde Mündigkeit vieler ansprechen, hoffe ich, daß das Beigefügte Ihr Interesse findet. „Yoga“ mag auf den ersten Blick etwas sehr fern erscheinen, was wäre aber näher und nötiger nicht nur für „esoterisch“ Interessierte, sondern für die Allgemeinheit, als geistig gesünder zu leben. Eben dies ist der Inhalt der Konferenz, die vom Dalai Lama eröffnet und von einer wohl einmaligen Institution veranstaltet wird, dem 1918 gegründeten „The Yoga Institute“. Die Arbeit des Instituts, die altes Wissen mit neuen Erfordernissen verbindet, wäre meiner Meinung nach vielleicht auch einen Bericht für deutsche Leser wert? (Zu dem Kreis um das Institut zählen neben Einzelpersonen auch Schullehrer ((aus ganz Indien mit Unterstützung der Regierung)); eine über 1000-köpfige Firmenbelegschaft vom Manager zum Arbeiter, gruppenweise in seit Jahren laufenden 1-Tages-Kursen; Arbeiter der landesweiten National Textile Corporation; Angehörige der Air India; Medizinstudenten, als Teil ihres Studienplanes, u.v.m. Auch die Bombayer Zweigstelle der Siemens AG weiß den Unterricht von Instituts-Lehrern zu schätzen.

Das beigefügte Heft 7 der Vierteljahresschrift „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ enthält einiges über den Gründer des Instituts, Nr. 3 enthält ein Interview mit seinem Sohn und heutigen Leiter, Dr. Jayadeva Yogendra; Nr. 5 bringt etwas über Krankheit und ihre Behandlung aus der Sicht des klassischen Yoga. Es würde mich freuen, Ihre Meinung zu erfahren.

MfG

Hella Naura

 

 

Februar 2006

 

Worum geht es? 

„Die deutsche Gesellschaft“ ist eine abstrakte Idee. Konkret sind nur die etwa 82 Millionen Deutschen, aus denen diese Gesellschaft besteht. Da man die Meinung und das Verhalten so vieler Einzelpersonen unmöglich kennen kann, ist man auf Verallgemeinerungen angewiesen, wenn man sich zur „deutschen Gesellschaft“ äußern möchte. Diese Verallgemeinerungen beruhen größtenteils auf dem, was man liest, hört, lernt, weiß und persönlich erlebt. Doch in welchem Maße spiegelt dies die Wirklichkeit der Deutschen wider, so dass man als Zeitungs-, Zeitschriften-, Sachbuch- und Romanleser sowie Fernsehzuschauer und Rundfunkhörer wissen kann, was im eigenen Land gedacht und getan wird? Wie weit deckt sich allgegenwärtige Werbung mit dem, was sich die Deutschen wünschen und was sie fürchten? Statistische Aussagen jedenfalls zeigen deutlich, wie wenig auf sie zu geben ist. Wenn deutsche Frauen 0,9 (die Zahl ist fiktiv) Kinder haben, so ist das statistisch gesehen richtig, dennoch gibt es in ganz Deutschland keine einzige Frau mit 0,9 Kind. Wenn das Durchschnittseinkommen oder Vermögen der Deutschen  so-und-so hoch ist, sagt das überhaupt nichts darüber aus, wieviel Butter die einzelnen Deutschen auf ihrem Brot haben. Wie wenig auch Meinungsumfragen besagen, haben die Voraussagen der Meinungsforscher zum Ausgang der Bundestagswahlen im letzten September gezeigt.

Die Herausgeberin der Vierteljahresschrift „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ bringt an dieser Stelle Ausschnitte aus unserer Gesellschaft, die zwar allerwinzigst sind, dafür aber einen unverfälschten Wahrheitsgehalt beanspruchen, weil sie frei sind von bezahlter Werbung, Sponsoring, Statistik, freiwilliger Selbstzensur, Bewahrenwollen von Privilegien, Vetternwirtschaft,  Angst vor Arbeitsplatzverlust, Opportunismus, Mitläufertum, Trittbrettfahrertum, Unterstützung durch eine der wie Pilze aus dem Boden schießenden und Geldgebern verpflichteten Stiftungen etc. Die Einblicke in unsere Gesellschaft waren ursprünglich gar nicht gesucht, sondern ergaben sich praktisch von selbst durch die jahrelangen Versuche der Herausgeberin, aus dem Yoga stammende Übungen und Orientierungshilfen in der einen oder anderen Art verbreiten zu helfen. Das große Vorbild und die Inspiration, diese Bemühungen nicht irgendwann zu lassen und einfach nur zuzusehen, wie so viele Mitmenschen krank, lebensunlustig, depressiv, aggressiv, verwirrt, wirklichkeitsflüchtig, lieblos, angstvoll etc. werden, da sie es anscheinend nicht anders wollen, verdankt die Verfasserin einem Yogi und großen Lehrer, Dr. Jayadeva Yogendra, vom „The Yoga Institute“ in Santa Cruz East, Mumbai. Um möglichen Vermutungen über Guru-Anbetung etc. vorzubeugen, sei hinzu gefügt, dass sie dabei völlig selbständig und ohne irgendeinen  Auftrag gehandelt hat. Auch finanzielle Verbindungen unterhält „The Yoga Institute“ zu keinem der dort ausgebildeten Yoga-Lehrenden. Der seit nunmehr im elften Jahr praktizierte Versuch, echte und dauerhaft  hilfreiche Übungen und Empfehlungen auf der Grundlage des Yoga durch die Vierteljahresschrift „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ zu verbreiten, finanziert sich – recht und schlecht –  selbst, und zwar seit Jahren ohne jede Werbeeinnahmen.

Nach etwa 16 Jahren solcher Versuche, mal mehr, mal weniger intensiv, meint die   Verfasserin aus ihrem Blickwinkel und ihrer Tätigkeitssphäre heraus folgendes über den Geist in unserer Gesellschaft behaupten zu können: Ideen, aus denen sich nicht sofort ein Geschäft machen lässt, werden abgewehrt oder totgeschwiegen. Kommt dank Zeitgeist der Tag, an dem sie geschäftsträchtig werden könnten, werden sie skrupellos vereinnahmt (z.B. wohl das meiste von dem, was inzwischen unter „spirituell“, „Yoga“, Esoterik, Bio, ayurvedisch, Wellness etc. läuft). Von bloßen Moden und dem verbreiteten Drang nach Zerstreuung und ständiger Stimulierung abgesehen, ist alles Neue höchst unerwünscht. Gründe dafür scheinen zu sein:

·         Bequemlichkeit, Verantwortungsscheu, Mangel an Initiative, Ideenlosigkeit. Man fährt auf eingefahrenen Bahnen weiter, sogar wenn diese sichtbar ins Abseits führen.

·         Egoismus, Konkurrenzneid. Neues könnte irgendwann den eigenen Einfluss schmälern bzw. neue Leute zu Wort oder zu Verdienst kommen lassen.

·         Starrheit im Denken, Engstirnigkeit. Neues könnte möglicherweise das bisher Gedachte korrektur- oder ergänzungsbedürftig machen.

·         Gleichgültigkeit gegenüber dem Allgemeinwohl.

·         Eine alle anderen Überlegungen dominierende Orientierung an Geld und nichts als Geld.

 

Zusätzliche Erfahrungen in speziell intellektuellen Kreisen:

 

·         Eitelkeit und erstaunliche Unsensibilität für (intellektuellen oder „spirituellen“) Etikettenschwindel.

·         Desinteresse an Mitmenschen und gesellschaftlichen Fragen, sofern sie nicht unmittelbar die eigene Person oder Position betreffen.

·         Auch bei vorhandener (Sach-)Intelligenz Ignoranz hinsichtlich ethischer Fragen oder Feinheiten.

Über private, wohltätige, ehrenamtliche, menschenfreundliche etc. Aktivitäten – die es sicher auch gibt – ist hiermit aus zu wenig eigener Erfahrung nichts gesagt. Auch aus den Medien erfährt man über diese Seite unserer Gesellschaft sehr wenig. Zahlen von Toten bei Unfällen, Abstürzen, Naturkatastrophen, Terroranschlägen usw. sind eine Nachricht wert. Zahlen darüber, wie vielen Menschen zum Leben oder zu neuer Hoffnung verholfen werden konnte, erfährt man über die Nachrichten nicht.

Es ergibt sich also das Bild einer Gesellschaft, die auf immer ungünstiger werdende Umstände und ungewohnte Herausforderungen keine kreativen Antworten findet und überdies die Erziehung der Kinder und Jugend schon seit Jahrzehnten sträflich verantwortungslos – oder völlig desorientiert – vernachlässigt hat. Wenn nun diese Jugend den Karren aus dem Dreck, oder feiner gesagt aus  der gegenwärtigen perspektivlosen Stagnation ziehen soll; wenn sie seit einigen Jahren so hoch im Kurs steht, dass sich alle über 50-Jährigen verkriechen können (es sei denn, sie gehören zu denen, die ihre Schäfchen im Trockenen haben oder sich in Machtpositionen verkrallt haben); und wenn die frühere Erziehungsministerin Buhlmann sie dazu aufrief, „innovativ zu sein und quer zu denken“, kann man das nur als üblen Witz empfinden. Denn alles Innovative – von Technischem wohl abgesehen – und Querdenkerische wurde und wird ja systematisch unterdrückt. An Medienberichten im letzten Herbst über den unter jungen Deutschen weithin vorhandenem Optimismus hat die Verfasserin dieser Zeilen starke Zweifel. Aus den vorwiegenden Erziehungsformen so wie den zerfallenden Familienstrukturen kann dieser angebliche Optimismus jedenfalls nicht erwachsen sein. Außer wenn man ihn himmlischer Hilfestellung zuschreiben möchte, handelt es sich wohl eher um eine zweckoptimistische Verbreitung geschönter Angaben. 

Als ebenfalls üblen Witz empfindet die Verfasserin, dass anscheinend allen Ernstes geglaubt wird, man könne die in Deutschland drängenden Probleme – oder überhaupt irgendein Problem – durch bloße Werbemaßnahmen lösen. Die Kampagne „Du bist Deutschland“, gestiftet von deutschen Medienunternehmen in Höhe eines Gegenwerts von 30 Millionen Euro, sollte „Aufbruchstimmung“ erzeugen. Und mit diesem „Aufbruch“ ist an nichts anderes gedacht, als dass irgendwie wieder Geld unter die Leute kommen soll, damit sie endlich wieder konsumieren.  Als weitere üble Sache sei erwähnt, dass die Deutschen nun schon seit Monaten von Spendenaurufen und Riesenplakaten fast erschlagen werden. „Jeder Einzelne zählt....“, wobei doch immer unübersehbarer wird, dass der Einzelne überhaupt nicht zählt und Müll zu werden droht, sowie er keine Kaufkraft mehr besitzt – oder noch nie besessen hat, so wie verarmte Massen in anderen Teilen der Welt. Und auch ein Hamburger Reeder, selbst als großer Spender präsentiert, verkündet noch per Talkshow, dass er zwar von den Reichen seiner Kreise noch keinen Cent bekommen hätte, aber dass doch wohl jeder andere deutsche Haushalt 10 oder 20 Euro für sein Projekt in Afrika erübrigen könne.

 

Die Verfasserin möchte mit dem Obigen nichts über die deutsche Gesellschaft im Vergleich zu anderen Gesellschaften gesagt haben. Ob es anderswo besser oder noch schlimmer ist, entzieht sich ihrer Kenntnis. Anzunehmen ist, dass es in vielen anderen Ländern, von nationalen Eigenheiten und Umständen abgesehen, ähnlich zugeht, und zwar in dem Sinne, dass sich Macht immer stärker in immer weniger Händen konzentriert. „Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird.“ Das heißt auch: „Wer Medienschaffende im weitesten Sinne letztlich finanziert, bestimmt auch, was verbreitet und gedacht wird.“ 

Wie gesagt, ist hiermit nur ein kleiner Ausschnitt unserer komplexen Wirklichkeit wiedergegeben. Erfreulichere Aussichten sind sehr willkommen und haben die Chance, in „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ vorgestellt zu werden. (Dafür bitte dem Verlag mailen oder schreiben: info@yoga-zeitschrift.de oder H. Naura Verlag, Gerckensplatz 18, 22339 Hamburg) 

 

August 2005

Der folgende Artikel wurde sechs deutschen Zeitungen angeboten, die alle ablehnten.

Die im Artikel erwähnte „Globalisierung“ ist noch zu ergänzen durch „Privatisierung“, d.h. Staat und  Bundesländer übergeben Aufgaben an Unternehmen. Erstere hatten das Gemeinwohl zu vertreten, letztere vertreten den Profit und das vernebelnd als „Wert“ (englisch: value) deklarierte Shareholder Value. Dieses bedeutet hohe Gewinne für Aktienbesitzer, also Geld nicht als Gegenwert für geleistete Arbeit, sondern für Aktienbesitz bzw. geschickte Spekulation. Personalabbau erhöht im allgemeinen den Wert einer Aktie.

Mentalitätswandel für ein freieres Deutschland

Zu viel Neues – und besonders, wenn es über den eigenen Kopf hinweg geschieht – macht unsicher. Man braucht Selbstvertrauen, um es als eine Möglichkeit zur Verbesserung der Dinge zu begrüßen. Wann immer sich aber seit Beginn der deutschen Nachkriegszeit Neues für die Gesellschaft abzuzeichnen begann, wie die Studentenbewegung, die Bewegung der Kernkraftgegner oder die Anfänge der Grünen gab es viel Aufschrei, Schmähung oder Lächerlichmachung statt ruhigen Überlegens. Nur die sexuelle Revolution und ihre Folgen des Genuss-ohne-Reue-ich-will-viel-Spaß hatten es leicht, sich durchzusetzen. Neues, das tiefer zu gehen droht als nur wechselnde, zu keiner Konsequenz verpflichtenden Moden im Konsum  - denn auch Sexualität verengte sich schnell auf bloßen Konsum -, hat für die eher besorgte und pessimistische Grundeinstellung  vieler Deutscher also mehr Aufschreckendes als Beflügelndes. Und wer läßt sich gern aufschrecken, wenn er es auch gemütlich haben kann! Doch es war nicht die tragfähige Art von Gemütlichkeit, die auf Seelenfrieden und genügsamer Zufriedenheit beruht. Es war nur das satte Gefühl von zunehmend wohlhabenderen Bürgern, dass alle Schränke voll sind und vom Staat oder der jeweiligen Interessenvertretung für alles gesorgt wird.

Zustandsbeschreibung

Die Jahrzehnte dieser Art von Gemütlichkeit sind unwiderbringlich dahin. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und damit eingespielter Handelsbeziehungen und Machtkonstellationen sowie Massenmigrationen veränderten den Stand der Dinge schlagartig. Die Vereinigung zweier deutscher Staaten vollzog sich übereilt. Computer verbreiteten sich in Windeseile bis in fernste Winkel der Welt. Und ein Ende der Umwälzungen und Neuerungen, ein Ruhen in irgend einem Status quo, in dem das Geschehene bedacht verarbeitet werden könnte, ist nicht in Sicht. Die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde, das vor nicht so langer Zeit noch bespöttelte Indien und das ferne, abgeschottete China, wachsen schnellstens in wichtige Rollen auf der Weltbühne hinein. Dabei schien diese Bühne doch für die westlichen – weißen – Völker als Hauptdarsteller reserviert zu sein. Uns geografisch näher – doch Entfernung besagt immer weniger angesichts der neuen Informationstechnologie – soll nach dem Willen vieler Regierender Europa schnellstmöglich vereinigt werden.

Es zeichnet sich also eine Zukunft ab, in der noch mehr und durch die fortschreitende Globalisierung noch vielfältigere Kettenreaktionen mit immer größeren Multiplikatoreffekten zu erwarten sind, die keiner wirklich überschauen kann. So schnell geschehen die Veränderungen und so verzahnt sind Wirtschaft und Kommunikationsfluss inzwischen weltweit, dass alle Hochrechnungen und Prognosen wohl eher kurzfristiges Wunschdenken als die komplexe materielle Realität widerspiegeln. Und keinesfalls berechenbar sind Naturkatastrophen, deren Dimensionen noch bedrohlicher werden könnten, als sie es jetzt schon sind. Ebenfalls nicht berechenbar sind die Aktionen zukünftiger Terroristen und wie nah sie uns kommen.

Wie wird mit so viel Neuem, so vielen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten – bei Regierenden wie Regierten – umgegangen? Zwei Reaktionsweisen sind verbreitet: Man nimmt möglichst wenig wahr. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Doch vor vielen Auswirkungen der so rasanten Veränderungen lässt sich der Kopf nicht mehr in den Sand stecken, da sie am eigenen Leibe und Arbeitsplatz verspürt werden. Die andere Reaktion: Man flüchtet sich in bloßen Aktionismus: stellt einmal Beschlossenes wieder in Frage, macht Pläne und zieht sie zurück, benennt Dinge um oder beschäftigt sich damit, kleine Dinge unnötigerweise in den Griff zu bekommen. Wir laufen doch fleißig. Dass wir nicht wissen, wohin wir laufen, ist eine andere Sache. So werden Stürme im Wasserglas entfacht, so wächst die Bürokratie, so werden die Ursachen von Problemen nicht angerührt. Eine weitere Reaktion wäre denkbar: Man fühlt sich aufgerufen, über den eigenen Schatten zu springen und Neues freiwillig zuzulassen angesichts von Zeiten, wo so vieles auf der Kippe steht. Vergessen wir vorübergehend jeden Egoismus und Chauvinismus. Denn wenn das gemeinsame Boot kentert, gehen wir alle - auch wenn mit Luxus-Schwimmweste - baden.

Hat diese letztere Möglichkeit realistische Chancen? An echte Solidarität mag man  kaum glauben, sind doch Egoismus und kurzsichtige Selbstbedienungsmentalität quer durch alle Gesellschaftsschichten von Sozialempfängern über Dauerstudenten, Akademiker und Angestellte bis zu Funktionären und Politikern über Jahrzehnte eingeübt worden. Im Übrigen geschieht all dies zu einer Zeit, wo zu viele Deutsche zu schwach scheinen für Höhenflüge. Zittern um Arbeits- und Ausbildungsplätze, Ämter und Renten, Angst vor sozialem Abstieg, Krankheit, der Zukunft insgesamt – das macht kraftlos. Schwache Familienbindungen und Reduzierung auch anderer menschlicher Beziehungen auf Vorteils- und Zweckdenken – das macht einsam. Das Gefühl, dass zu viele „da oben“  ungestraft gierig und inkompetent sein dürfen und ungerührt und selbstherrlich andere die Folgen ausbaden lassen – das macht wütend oder lässt völlig resignieren.

Mögliche Auswirkungen

Sind nun derartige Gefühle reine Privatsache? Dass sie ohne politische Auswirkungen bleiben werden, lässt sich nur bei völliger Ignorierung von Gesetzen von Ursache und Wirkung annehmen. Ohnmachtsgefühle, Angst, Einsamkeit und Wut bilden einen Nährboden für Depressionen oder –  je nach Mentalität – Gewaltbereitschaft. Das führt in extremen Fällen in psychiatrische Abteilungen oder in Haftanstalten. Die weniger extremen Fälle aber, sofern sie nur sehr zahlreich sind – und das werden sie immer mehr – , führen zu einer unguten Veränderung des allgemeinen gesellschaftlichen Klimas. Das so entstehende Klima fördert das Wachstum von Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit, Gleichgültigkeit, Angst, Beziehungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen, Neid, Hass und Wut. Es ist nicht anzunehmen, dass derartige Gefühle – sind sie nur erst einmal stark genug geworden – sich nicht irgend ein Ventil suchen. Eine Protestwahl bietet ein Ventil. Es reicht jedoch nicht aus, wenn sich danach nichts weiter am allgemeinen unguten Klima ändert.

                 Wäre es unter diesen Umständen denkbar, dass zunehmend mehr Deutsche bei so viel verunsichernd Neuem in der Zukunft und so viel Ablehnung von Gegenwärtigem sich zu erleichtern versuchten, indem sie in die Vergangenheit blicken? Wir sind ein Volk, das in weiten Teilen vor gut 80 Jahren seinen alten Kaiser Wilhelm wieder haben wollte, als es in Verkennung der Ursachen seine Schwierigkeiten und unerträglichen Gefühle nach dem verlorenen.Krieg dem Neuen anlastete. Das Neue  war damals die Demokratie, und die Gefühle waren neben Zukunftsangst Empörung über (lügenhaft behaupteten) Verrat aus eigenen Reihen und ungerechte, demütigende Behandlung durch die Sieger. Dazu sind wir seit gut 15 Jahren ein Volk, das zu einem beträchtlichen Teil nicht nur die Nachteile, sondern auch einige Vorteile einer Diktatur erfahren hat und sich von dem, was dieser Diktatur folgte, inzwischen enttäuscht oder sogar verraten fühlt. Könnte also diese Kombination von Faktoren gerade jetzt dazu führen, dass der Blick vieler Deutscher auf die 30er Jahre zurück fällt? Da gab es doch den starken Führer, der das labile deutsche Selbstbewusstsein in ein unglaubliches High versetzte, das Selber-denken abnahm, die Kapitalisten ausbootete, die Arbeitslosigkeit beseitigte, den Chancenlosen Aufgaben verschaffte und allen Größe versprach. Lieber Führer, bitte, bitte... rief ein Großteil der Deutschen wie Kinder oder Gläubige und ergab sich willig wie Verliebte der großen Lüge.

                 Außer den Unheilbaren will wohl heute niemand einen neuen Hitler, Terror und Mord für das eigene Volk, sofern es anders dachte; durchorganisierten Mord an Juden, Roma und Sinti, Konzentrationslager, Geheimpolizei, Bespitzelung, Krieg oder germanische Vorherrschaft. Doch es ist anzunehmen, dass in Deutschland mehr oder weniger heimlich die Akzeptanz für jemanden wächst, der mal endlich so richtig mit der Faust auf den Tisch schlägt, sowie einige Verfassungsmanipulationen ihm die Möglichkeit dafür schüfen. Jemand, der die Ausländer rauswirft; Synagogen und Moscheen schließt; Schluss mit der Liebedienerei für Multi-Kulti und gleichgeschlechtliche Liebe macht; Zwangsarbeit einführt; für mehr Zucht, Ordnung und Ehre sorgt; mit der Verweichlichung aufräumt; überschaubare Hierarchien schafft und die Frauen wieder mehr an ihren naturgegebenen Platz verweist. Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz schön und gut, aber was zuviel ist, ist zuviel. Dass da, wo gehobelt wird, Späne fallen, würde weitgehend akzeptiert werden.

Bewusstseinswandel

Wie lässt sich einer solchen Gefahr und einer wachsenden Spaltung innerhalb der deutschen Gesellschaft – nicht nur einkommens- , sondern auch gesinnungsmäßig – begegnen? Bevor an Detaillösungen zu denken ist, müsste eine Tatsache langfristig ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden, die vergessen, verdrängt, nicht verstanden oder geleugnet wird. Diese Tatsache ist, dass der Mensch trotz all seiner spektakulären intellektuellen und technologischen Hochleistungen in bestimmte natürliche Gesetzmäßigkeiten eingebunden ist, aus denen er sich nicht lösen kann. Es war nicht der – sich selbst im Mittelpunkt aller Dinge wähnende, selbstberauschte – Mensch von heute, der sich seinen Neokortex selbst zulegte, diesen Teil des Gehirns, dem er unter anderem seine intellektuellen und technologischen Fähigkeiten verdankt.. Es waren Organismen im Wechselspiel mit der Totalität der Natur und als Teilchen dieser Natur, die im Laufe einer unvorstellbar langen Evolution zum Menschen mit seinem hochentwickelten Gehirn führten. Kein Entscheidungsträger sollte sich also zu aufgeklärt dünken und Denkanstöße in dieser Richtung als Duselei abtun. Keiner mit Einfluss auf die Erziehung und Meinungsbildung anderer sollte es als unter seiner intellektuellen Würde sehen, sein  akademisches Wissen auf das Fundament dieser unumstößlichen Tatsache zu stellen.

                 Statt sich also im Dickicht von immer mehr Expertengutachten, Kommissionen, Krisenstäben, Arbeitsgruppen, Beraterfirmen, Auflagen, neuen Gesetzen usw. zu verlieren, wäre es nötig, vorher grundsätzlich mehr über Wachstumsvorgänge und in der Natur waltende Gesetze von Ursache und Wirkung nachzudenken. Deutschland darf sich freuen, das in materieller Hinsicht schon zu tun, weshalb die lebenswichtige Bedeutung von Natur-, Klima- und sonstigem Umweltschutz sich immerhin ihren Weg in das Mehrheitsdenken und in die Politik bahnen konnte. Auch Naturwissenschaft und Technik haben die Natur schon immer ernst genommen, wenn auch vorwiegend nur in der Absicht, sie besser ausbeuten und beherrschen oder bloße Produktverbesserungen von ihr lernen zu können. Hinzu kommen müsste jetzt die Erkenntnis, dass auch psychischer Natur- und Umweltschutz ein lebenswichtiger politischer Faktor ist.

                 Erkenntnisse aus der Psychologie und Pschoanalyse könnten bei einem solchen Bewusstseinswandel helfen,  jedoch auf keinen Fall in ihrer heutigen materialistisch begrenzten und weitestgehend auf den Hund gekommenen Form. Helfen könnten möglichst viele Erinnerungen von möglichst vielen Seiten daran, dass der menschliche Intellekt kein Gegensatz zur Natur, sondern ein Teil von ihr ist. Folglich lassen sich aus einfachen Vorgängen in der Natur auch Lehren für gesellschaftliche und politische Vorgänge ziehen. Zum Beispiel: gesäte Saat geht auf. Ob sie kümmerlich oder üppig wächst, hängt von der Qualität der Saat, von Boden und Klima ab. Wenn Blätter vertrocknen, muss man nicht die Blätter, sondern die Wurzeln begießen. Ferner ist ein junger Schössling noch  leicht aus dem Boden zu ziehen, nicht aber mehr ein ausgewachsener Baum. (Wenn die Agrarindustrie gegen die Natur massiv in diese Vorgänge eingreift, so geschieht das zu einem Preis, dessen Zukunftsfolgen erschreckend sind.)

Übertragung

Übertragen auf die vorliegenden Probleme und die Gefahr wachsender Unfreiheit in der deutschen Gesellschaft heißt das: Die Saat in den Köpfen aller wäre das schon mit auf die Welt Gebrachte plus Erworbenem, Erlerntem, Erinnertem und unbewusst Absorbiertem. Je nach Klima wächst das eine oder das andere Saatgut besser und schneller. Es gibt Saat, die jahrhundertelang keimfähig bleibt. Nichts tut sich, nichts zeigt potentielles Leben an. Doch kaum sind die nötigen Umstände eingetreten, so sprießt sie. Das Klima wären die materiellen und psychischen Umstände im weitesten Sinne, der Einfluss der anderen bis zur auch vorhandenen Medien-Gehirnwäsche, die Atmosphäre um einen, das allgemeine Gefühlsklima. Die Wurzel, der Teil, aus dem die Pflanze die meiste Kraft zum Blättersprießen und Fruchttragen bezieht, zieht sich ihre Nahrung aus dem Boden. Ihre Stärke entscheidet über die Güte der Pflanze, darunter auch ihre Widerstandskraft bzw. ihre Schwäche und Krankheitsanfälligkeit. Die Blätter begießen statt den Boden, in dem die Pflanze wurzelt, wäre eine hinterherhinkende Symptombehandlung, die die Ursachen außer Acht lässt.

                 Saat kann zu Heil-, Nutz- und Zierpflanzen, ebenso wie zu Unkraut und Giftpflanzen heranwachsen. Eine speziell deutsche Saat, die weder heilt, nützt noch ziert und die nun  - durch das gegebene und sich verstärkende schlechte Klima begünstigt – aufgehen könnte, scheint zu sein: die Neigung, sich einen Sündenbock zum Abreagieren zu suchen; Unsicherheit dem Fremden gegenüber, es sei denn man begegnete ihm abgesichert durch harte DM an Urlaubsorten; Obrigkeitsgläubigkeit, die nach einem das Volk aufwühlenden Intermezzo durch kleine Kreise ab den 60er Jahren inzwischen zu Prominenten- und Expertengläubigkeit mutiert ist; Prinzipienstarre, die von der Last befreit, zu sich selbst stehen und ein feineres Gewissen entwickeln zu müssen; gedankenloses Aufgreifen von vernebelnden Schlagwörtern; wenig Zivilcourage und damit das starke Bedürfnis, sich auf Mehrheitsmeinungen oder spezielle Gruppenzugehörigkeiten zu stützen und erst zu sagen, was man wirklich denkt, wenn man die Absicherung hat, dass viele andere genau so denken; Hingabefähigkeit, jedoch nur an Ideologien oder ideologie-verkörpernde Personen und nicht an nächststehende Menschen oder selbstgesetzte Ideale und Aufgaben. In Kombination mit dem gerade Aufgeführten lässt sich die gute deutsche - zur Zeit nicht so gedeihende - Saat der Tüchtigkeit, Gründlichkeit, des Fleißes und des Organisationstalents ohne große Widerstände oder Konflikte ebenso in den Dienst einer Demokratie wie einer Diktatur stellen.

Klimaveränderung

Was heute zur Unübersehbarkeit herangewachsen ist – Verschuldung, staatlich wie privat; immense Korruption und andere Unehrlichkeit; Geldgier; Übertragung der eigenen Verantwortung und Entscheidungsfreiheit an Gerichtsinstanzen oder Expertenmeinungen; menschliche Isolation und Unverbindlichkeit sowie viel Angst, Depressivität, innere Leere und Perspektivlosigkeit – , keimt schon seit langem und hatte Zeit, seine Wurzeln zu stärken. Lösungen über Nacht sind also nicht zu erwarten. Die Pflanzen aus dieser Art von Saat lediglich unsichtbar zu machen, wäre wohl teilweise durch undemokratische Kahlschläge möglich. Doch zum einen wünscht sich das die deutsche Mehrheit nicht, zum anderen wäre es keine Lösung. Da die Wurzeln unberührt blieben, würde es irgendwann wieder aus ihnen sprießen. Was also Not tut, sind neue Nährstoffe und ein neues Klima, damit andere Saaten in vielen Köpfen und Schichten der Gesellschaft wieder bessere Wachstumschancen bekommen. Sonst ist abzusehen, dass weite Kreise noch tiefer in Depressivität, Sucht, Krankheit oder asoziales Verhalten versinken, andere Kreise sich an Sündenböcken vollzogene Gewalt herbei wünschen und noch mal andere Kreise sich Sekten und falschen Gurus überantworten. (Den echten Gurus und uneigennützigen Lehrern sei jedoch Dank ohne Ende.) 

                 Es leuchtet ein, dass die Art von Mentalität, die die gegenwärtigen Probleme zu diesen Dimensionen hat anwachsen lassen, nun eben diese Probleme nicht mit Hilfe der ihr einzig bekannten Denkweisen lösen kann. In sachlicher Hinsicht ist nicht mehr zu übersehen, dass Kriterien wie Produktivitäts- oder Wachstumssteigerungen, gedankenlos als Fortschritt bezeichnet, an Grenzen stoßen müssen, jenseits derer sie zerstörerisch werden. Und in menschlicher Hinsicht reichen Kriterien wie Expertentum,  Führungsqualität, Durchsetzungsvermögen oder Flexibilität und Mobilität nicht aus. Allein Expertentum kann den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Allein Führungsqualität kann andere aus Opportunismus auch ins Verderben führen. Allein Durchsetzungsvermögen kann das Schädliche eben so gut wie das Nützliche durchsetzen. Allein Flexibilität übersieht, dass Menschen  -  sei es als Heranwachsende, Familienmenschen, Mitarbeiter, Geschäftspartner oder Staatsbürger – sich ohne ein gutes Maß an Kontinuität nicht entwickeln können.

                 Und natürlich sind die, die nur kurzfristige und eigennützige Zwecke verfolgen und, obwohl sie für unsere Kinder bewahren wollen, doch nur nach dem Motto handeln Nach mir die Sintflut  (d.h. nach meinem Wahlerfolg, Vorstandsamt, Beratervertrag, Börsengang, Spekulationsgewinn usw.), weder willens noch fähig, Wurzeln von Blättern, Ursachen von Wirkungen zu unterscheiden. Es werden also neue Stimmen und viele neue Ansätze gebraucht, um einen allgemeinen Mentalitätswandel einzuleiten. Dann würde klarer, dass Eigenschaften wie Integrität, Ehrlichkeit, Gemeinsinn, Verantwortungsgefühl, Loyalität sowie Widerstandskraft gegen Bestechung und Verführung, gleich welcher Art, nicht als bloße Schönheitsschnörkel zu betrachten wären von einer Gesellschaft, die der Religion der Marktwirtschaft, Machtwahrung und persönlichen Wunschbefriedigung anhängt. Dann würde klarer, dass menschliche und ethische Stärken keine bloßen Themen für  Sonntagsschulen und Festreden sind, ohne Konsequenz für tatsächliches Handeln. Denn dann würde klar, dass ein zu großer und schon zu lange hingenommener Mangel an eben diesen Stärken immens dazu beigetragen hat, dass Deutschland sich heute so schwach fühlt.

                 Wer geneigt ist, das Vorgesagte als unpragmatisch abzutun und auf Sachzwänge, Zugzwänge oder durch die Globalisierung erzwungenes Mithalten zu verweisen – ob nun ethisch oder nicht, sozial oder nicht, dem Schutz der Natur im allerweitesten Sinne verpflichtet oder ignoranterweise die Natur übersehend –,  möge sich fragen: Ist die fortschreitende Globalisierung Schicksal, das fatalistisch hinzunehmen ist? Wer will die Globalisierung? Muss man sich ihr und den aus der Saat von Gier und Menschenverachtung erwachsenen heutigen Gesetzen des so genannten neo-liberalen Marktes widerstandslos beugen? Sind sie so unaufhebbar wie die Gesetze der Natur, wenn sie durch Erdbeben und Flutwellen schlagartig mühsam Errichtetes hinweg fegt und menschliche Existenzen vernichtet? Hat die Globalisierung den Menschen gemacht oder der Mensch die Globalisierung? Und wenn der Mensch sich immer wieder Probleme schafft, ist dann zur Lösung von Problemen am Problem anzusetzen oder am Menschen?

                 Wie frei ist also Deutschland, wenn so viele Deutsche innerlich unfrei sind? Die „da oben“ gefesselt an Privilegien, Macht, Geld oder Geltungssucht und die „da unten“ an Existenzängste, Resignation, Apathie, Minderwertigkeitsgefühle und Wut, und wachsende Kreise zwischen „oben“ und „unten“ an Fantastereien von Auserwähltsein, Erweckung von universaler Energie oder wohlfeilem Dienst an der Menschheit, ganz ohne Arbeit,  nur durch Gefolgschaft oder gegen Geld. Auf wieviel Vernunft, Urteilsfähigkeit oder Hochschätzung von Freiheit ist da zu hoffen? Was wird aus solchem Boden ohne bessere Saat und günstigeres Klima noch erwachsen?

10.10.2005

Der folgende Brief an die Michael-Stich-Stiftung des deutschen Tennismeisters wurde nicht beantwortet.

 

Sehr geehrter Herr Stich,

ich habe Sie letzte Woche in „Reizthema“, WDR gesehen und mich über Ihre Ansichten und Ruhe und Selbstbeherrschung gefreut. Auf der Suche nach Ihrer Adresse im Internet habe ich dann von Ihrer Stiftung gelesen. Wie schön.

Es würde mich sehr freuen, wenn Sie die Zeit fänden und die nötige Lust hätten, das Beigelegte zu lesen. Man möchte vielen Menschen sagen: „Werdet ehrlich. Sprecht euch gegen die hundert kleinen Korruptionen in unserer Gesellschaft aus statt sie selbst zu übernehmen. Seht über eure eigene Nasenspitze hinweg. Sucht bessere kleine Freuden, als nur überall Euros einzusparen (wenn ihr es aus Not nicht müsst), Preise zu drücken und zu übervorteilen. Werdet mutiger. Plappert nicht einfach nur nach. Dann lösen sich viele Probleme von selbst.“ Aber die meisten sind sich selbst so entfremdet und mit schädlicher Gedankennahrung durch die Medien so vollgestopft, dass sie oft gar nicht anders können, selbst wenn sie wollten.

Die beigefügte kleine Vierteljahresschrift „Yoga u.g.Gesundheit“ bietet Denkanstöße, Richtlinien und praktische Übungen (auch einfache, die jeder mit wenig Zeitaufwand bzw. ohne viel Überzeugung praktizieren könnte). Ich weiß aus eigener Erfahrung und Beobachtung, dass all dies zu positiven Veränderungen führen kann. Es ist aber sehr schwierig, eine solche Schrift, die etwas abverlangt statt Illusionen zu nähren, zu verbreiten. Als Sie sagten, Ihr Zentrum? Unternehmen? (ich habe das nicht so schnell verstehen können) hätte mit Prävention zu tun, kam mir der Gedanke, dass Sie dann vielleicht den Wert von „YugG“ erkennen könnten. Emotionalen und geistigen. d.h. auch ethischen Misständen müsste genauso vorgebeugt werden wie körperlichen. Um das zu verdeutlichen, lege ich auch meinen im August verfassten Artikel „Mentalitätswandel für ein freieres Deutschland“ bei, den sechs Zeitungen abgelehnt haben.

Wenn Menschen im Unternehmen? von jemandem wie Michael Stich „Yoga u.g. G.“ sehen würden, würden Sie vielleicht eher hineinsehen und eventuell Interesse schöpfen. Vielleicht wäre auch manches nützlicherweise in Ihre Behandlungsformen? Erziehung? (oder was Sie da machen)  zu integrieren.

MfG

Hella Naura

 

 

9.8.2004

Der folgende Brief an die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wurde nicht beantwortet.

Betr.: Gesundheitsvorsorge im weitesten Sinne

Sehr geehrte Frau Ministerin Schmidt,

es würde mich freuen, wenn Sie bzw. Mitarbeiter sich für die Lektüre der beigefügten drei Hefte „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ Zeit nehmen würden.

Abgesehen davon, dass Gesundheit ein Wert an sich ist, mögen die gestiegenen Kosten fürs Kranksein mehr Menschen als früher motivieren, ihre Gesunderhaltung selbstverantwortlicher in die eigene Hand zu nehmen. Das Wissen über Gesundheit, Krankheit und Vorbeuge wie es in TV-Sprechstunden und anderen Medien verbreitet wird ist aber leider nur Stückwerk und in die falsche Richtung weisend.

Die beigefügte kleine Zeitschrift bringt viel Orientierung und praktische Anleitung. Ohne Werbemittel und schöne bunte Fotos ist es aber schwierig, dieses nützliche Wissen zu verbreiten. Vielleicht könnten Sie es zur Pflichtlektüre von Personen Ihres Ressorts machen?

Eine stärkere Verbreitung des lange erprobten Wissens, wie es in den Heften enthalten ist, könnte vielen Menschen helfen und sich irgendwann in effektiver privater Vorbeuge und damit einem niedrigeren Medikamentenbedarf niederschlagen.

Mit bestem Dank im voraus für Ihr Interesse verbleibe ich

mfG

 

9.8.2004

Brief an Herrn Horst Seehofer, ehemals Gesundheitsminister, zur Zeit des Briefes Bundestagsabgeordneter, jetzt Minister für Verbraucherschutz. Er antwortete und bat um Verständnis, dass er als Politiker keine Werbung für Publikationen – gleich welcher Art – mache.

Betr.: Gesundheitsvorsorge im weitesten Sinne

Sehr geehrter Herr Seehofer,

ich wende mich an Sie, weil Sie schon einmal Literatur aus derselben Quelle wie der der beigefügten drei Hefte „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ gegenüber so aufgeschlossen waren, sie für die Planung von gesundheitlichen Maßnahmen mit verwenden zu lassen. (Brief von Herrn Kusch vom damaligen Gesundheitsministerium vom 19.8.1993).

Wissen über Gesundheit, Krankheit und Vorbeuge – wie es z.B. in TV-Sprechstunden und anderen Medien verbreitet wird – ist leider alles nur Stückwerk und in die falsche Richtung weisend.

Es würde mich außerordentlich freuen, wenn Sie irgendeine Möglichkeit sähen, den beigefügten Heften nach Prüfung Ihrerseits mit zu mehr Verbreitung zu verhelfen. Ohne Werbemittel und schöne bunte Fotos ist es schwierig, von eventuellen Lesern überhaupt bemerkt zu werden. Vielleicht ist es Ihnen durch Ihre politische Arbeit möglich, die Hefte mit Gesundheit befassten Personen zu zeigen.

Mehr Verbreitung des aus bester Quelle stammenden Wissens (aus dem 1918 gegründeten nicht kommerziellen „The Yoga Institute“, Bombay)  wäre wirklich zum Guten für die vielen Menschen, die selbstverantwortlich etwas für Ihre Gesundheit tun wollen, aber nicht genügend Orientierung finden. Mich freut jedes einzelne Abonnement.

Mit bestem Dank im voraus für Ihr Interesse verbleibe ich

mfG

 

21.10.1996

Der folgende Leserbrief an den SPIEGEL zu einem Artikel über Kalkutta in Nr. 43 wurde nicht abgedruckt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

In Indien träumt ein Politiker Großmannsträume. Das tun Politiker in Europa auch. Wären beim heutigen Aneinanderrücken der Nationen, Kulturen und Religionen und der immer stärkeren Konzentration von Wirtschaftsmacht und Einflussnahme nicht neue Abgrenzungsmerkmale fällig? Nicht mehr „Inder“, „Europäer“ usw. oder „Christen“, „Hinduisten“, „Moslems“ usw. unterscheiden sich auf der ganzen Welt so sehr voneinander. Die Unterscheidung ist vielmehr zwischen denen, die von der Arroganz der Macht, des Geldes und Erfolgs, der Gier nach immer mehr, der Mißachtung der Namenlosen sowie der Selbstaufblähung bestimmt werden, und denen, auf die all dies nicht zutrifft. (Und deren Handeln und Erkenntnisse eine zusätzliche Ihrer Rubriken wert wären. „Bewußtseinskultur“ oder „Suprakultur“ ist gesellschaftlich sicher nicht weniger wichtig als „Subkultur“ oder „Kultur“.)

Noch etwas besagt der Artikel – beiläufig. Ein schuftender indischer Tagelöhner schickt seiner Familie, die er wohl höchstens einmal im Jahr sehen kann, Geld. Warum? Weil er nicht einfach untertauchen könnte? Weil er nicht an Gütertrennung gedacht hat? Weil ein Gericht ihn zu Alimentenzahlungen zwingt? Nein. Er tut, was er tut, freiwillig, weil er es richtig findet. Das muß wohl mit seiner Religion zu tun haben, die nicht nur mögliche Mißverständnisse wie Rattenfüttern bietet. Genau genommen, hat es mit der Tatsache zu tun, daß er Religion an sich (= höhere Gesetze als staatliche, umgehbare Gesetzgebung) ernstnimmt.

Der schön Dumme ist ja nicht mal halbgebildet genug, um zu wissen, daß Religion Opium fürs Volk, Fanatismus, Manipulationsmittel für Kleriker oder Politiker ist. Er brauchte nicht ganz so hart zu schuften, wenn er doch nur etwas über zwar nicht allgemeingültige, aber doch verbreitete westliche Lebensweisheit wüßte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist zu ergänzen durch „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Also: „Lieb‘ dich selbst wie dich selbst. Selber essen macht fett. Für sich allein raffen macht reich.“

Könnten Sie nicht einmal unter diesem Aspekt über indisches Geschehen schreiben? (Ich täte es auch gerne selber.) Damit gäbe es endlich einmal Lohnenswertes über Indien zu lesen. Etwas Einstiegslektüre („Yoga u.g.G.“, Nr. 3) erlaube ich mir beizulegen.

MfG

 

 

Juli 199

Der folgende Leserbrief an den SPIEGEL zu einem Interview mit Ulrich Cartellieri in Nr. 24, Juli 1993 wurde nicht abgedruckt.

Also wir privatisieren Vermögenswerte der öffentlichen Hand: Nach der Bundesbahn vielleicht den Telefondienst, die Post, die Landesbanken, die Krankenhäuser, die Forsten. Warum nicht auch Theater und Museen? Vorher renovieren und elegantisieren wir auf Kosten der Steuerzahler. Das erhöht die Verschuldung und macht den Kaufpreis für Privatpersonen attraktiv. Diese opfern dann dem goldenen Kalb einige soziale Kleinigkeiten, die sich nur von Wählerbeliebtheit abhängige Stellen leisten mögen, nicht aber Privateigentümer. Die Krankenbettbelegung ist dann endlich nur noch der schnellstmöglichen Amortisation verpflichtet. Die aufgekauften Wälder werden um Bungalows, Restaurants und Golfplätze bereichert. Da die Beamten des nun existierenden Privatisierungsministeriums beschäftigt werden müssen, bietet es sich an, tatsächlich den Goldschatz der Bundesbank unter Privatleute zu bringen. Damit wäre Deutschland auf der Rangliste der Nationen tief hinabgerutscht, da es seine respektable Stellung in der Welt nicht gerade Eigenschaften wie Geist, Scharfsinn, Witz oder innerer Stärke verdankt, sondern seiner Wirtschaftsmacht. Das meist fragile Selbstbewußtsein der Deutschen, das zwischen Großmannssucht und Minderwertigkeitsgefühlen hin und her schwankt, würde damit zum letzteren auspendeln und wieder einmal eine psychologische Notwendigkeit heraufbeschwören: den großen Papa, den starken Mann oder die harte Faust, die dafür sorgen soll, daß alles wieder so schön und üppig wird wie es ein paar Jahrzehnte lang war. Der demokratische Ast, an dem so viele, die darauf sitzen, gesägt haben, könnte krachend zu Boden gehen.

Zu spekulativ und düster gedacht? Hoffentlich! Aber trotzdem: Demokratien erfordern demokratiefähige, d.h. integere, selbstverantwortliche Menschen, ein Ziel, das deutsche Lehranstalten sich zu wenig setzen. Der vielerorts gewagte Blick nach Asien braucht nicht nur esoterischen Zirkeln etwas zu bringen. Etwas mehr praktische, d.h. tatsächlich angewandte und nicht nur im Munde geführte Philosophie könnte auch Politiker bereichern. Das von einem großen Teil der Menschheit kaum angezweifelte subtile Gesetz des „Karma“, das Gesetz von Ursache und Wirkung, könnte deutlich machen, daß sich ökologische Erwägungen nicht auf die physische Natur beschränken dürfen, sondern daß es auch eine Art von ethischer Ökologie gibt. Oder auf gut deutsch: Was  man sich einbrockt, muß man auch auslöffeln. Mehr geschultes Bewußtsein dessen, was ständig eingebrockt wird und in seiner schlimmen Konsequenz unausweichlich ist, tut not. Die Psychologie des Yoga, die die buddhistische Lehre vom bedingten Entstehen noch anwendbarer macht, könnte Entscheidungsträgern zu nötigen Einsichten verhelfen. Die praktische Umsetzung müßte allerdings von allen mitgetragen werden. Andernfalls gilt wohl wie eh und je: Wer nicht hören will, muß fühlen.

....

18.10.1993

Aber es kamen im Verlauf dieser etwa 16 Jahre auch zwei Antworten, die sehr freuten. Die hier wiedergegebene kam ausgerechnet von einem Israeli, einem Angehörigen einer Religion also, die so viele  – und  viele Deutsche ganz besonders – stark ablehnen. Doch wer von diesen weiß überhaupt etwas über die jüdische Religion? Ein einmaliger Urlaub in einem von einem Kibbuz geleiteten Hotel nahe Jerusalem brachte Begegnungen mit sich. In der Erinnerung daran schrieb ich spontan eine Sympathiebekundung an das Hotel, als Israelis 1991 mit der Bombardierung durch Gasbomben bedroht wurden. Dieser Brief und ein späterer sind unauffindbar, nicht aber die Antwort auf einen zweiten Brief. Weitgehend gewöhnt an ein Klima, in dem der Mensch an sich wenig zählt, und Besitz, Stellung, Prominenz bzw. sexuelle Attraktivität bis zu einem bestimmten Alter alles sind,  rührte und erfreute mich der Brief sehr:

 

Liebe Frau Hella,

.....war in Polen und habe noch mit mein Sohn (50 J) und Enkelsohn (26) die Lager besucht in welche meine Eltern, die Eltern von Familie etc. umgekommen sind. Die Kinder haben mich gebeten – und ich glaube man soll das zeigen, erklären – ob man will gute Menschen erziehen. Ich freue mich, daß Sie fanden Zeit zu wirken für Gutes. Ich muß zugeben, daß die alle misteriöse Lehren die Sie, liebe Hella, in Ihrem Brief andeuten (Anmerkung: Yoga-Philosophie) ist mir sehr, sehr fremd, ganz einfach – ich bin wenig gelernt um zu wissen was ist besser. Ich weiss – und das hat uns gelernt nach J. Korczak (Buch B. Jane Lipton „The King of Children“) mit welchen ich habe mitgearbeitet. Wir leben jetzt in Hoffnung für eine neue Friedliche Era – und muß zugeben – ich war gerührt mit Ihre Aussagen in Ihrem Brief (seiner Zeit) welchen ich verbreitete unter Freunde und Bekannte. Wir werden uns freuen, wenn Sie bei Gelegenheit besuchen können. Wir sind einfache Menschen und glauben an das Gute in Menschen. Unsere Türe sind immer offen für Menschen mit guten Willen. Wir wünschen Ihnen alles und nur Gutes und mit Wünschen für gute Gesundheit,

bleibe ich ...... und meine Frau......

 

 

Neuzugänge vom Mai 2006

Der folgende Brief wurde nicht beantwortet:

 

Deutschlandfunk

Raderberggürtel 40

50968 Köln                                                                                                         3.1.2006

 

Betr.: „Den Tod denken“ – Gespräche sonntags um 9.30 Uhr – „Aus Religion und Gesellschaft“

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahren höre ich gerne gelegentlich Ihre Sonntagsgespräche sowie werktags „ Aus Religion und Gesellschaft“. Kürzlich habe ich mich allerdings mehrmals gewundert. Das erste Gespräch über den Tod empfand ich als ein prätenziöses Wortgenebele, das durch den Hinweis „compassion, wie die Amerikaner sagen“ auch nicht mehr Substanz bekam. Dass aus Amerika, speziell Houston – oder war es Dallas? –  jemals etwas Bedeutsames zum Thema Mitgefühl  gekommen wäre, wird man auch bei stärkster Sympathie für die USA nicht behaupten wollen. Der Ägyptologe eine Woche darauf hatte meiner Meinung nach Gutes zu sagen, bekam aber wenig Chance, da der Fragende – wohl unbeherrschbar begierig, zu zeigen, was er doch alles weiß – so gut wie gar nicht auf das Gesagte einging, sondern ziemlich sprunghaft herumfragte. Merkwürdig fand ich allerdings bei dem einerseits fundierten Wissen (soweit ich das beurteilen kann) die andererseits geäußerten Hinweise auf „Avatars“. Vom Gespräch letzte Woche hörte ich mir noch weniger an. So viel Flachheit wird auch durch noch so viele Fremdwörter und noch so viele Willensmetaphysiken (was ist das?)  nicht tiefer. Und manches von dem, was so neuesoterisch in der Luft liegt und schnell angelesen werden kann, wurde auch nicht ausgelassen. Aber natürlich bloß keine Askese oder irgendwelcher Verzicht!

    Sind Ihnen nun zufällig so viele unglückliche Wahlen unterlaufen? Oder ist das Ganze ein Symptom dafür, wie entfremdet alle an der Sendung Beteiligten sich selbst sind (sonst hätten sie so nicht sprechen können bzw. anderes aussprechen müssen bzw. wären nie ausgesucht worden, sich zu dem Thema zu äußern)? Oder war Verdummung beabsichtigt (was ich mir bei dem, was ich sonst von Ihnen gehört habe, schlecht vorstellen kann)?

    Da ich nun schon beim Schreiben bin, möchte ich auch meinen Eindruck von „Tantrismus, eine bedeutende Schule des Hinduismus“ (vielleicht nicht ganz wörtlich so, es ist schon eine Weile her) gerne los werden. Der Beitrag bediente genau das, wonach hier, d.h. in Deutschland?, im Westen?, unter Materialisten? unter Abgestumpften? so gehechelt wird: Sex, Gewalt, Menschenblut, Sensation! Unter welchen Gesichtspunkten suchen Sie sich Ihre indischen „Sachverständigen“ aus? Nicht jeder indische Religionswissenschaftler hat als solcher etwas über sehr Indisches und über Religionserfahrung zu sagen. Denn auch ein anderer Beitrag, der über den Widerstand der südindischen Staaten gegen Hindi als indische Nationalsprache, wäre vor 30 Jahren sicher zutreffend gewesen. Heute kann er aber nur noch Menschen interessieren, die Zwispalt (bei sich selbst oder bei anderen) lieber haben als Verständigung oder gar Eintracht.  

    Und auch dies nun noch: Schon vor längerem bemerkte eine Hörerin einmal, dass immer so viele, viele Namen von Mitwirkenden genannt werden. Dem schließe ich mich an. Ein Name hat sich schon als Ohrenwurm bei mir eingenistet. Ich hatte mal überlegt, ob Sie in der durch Reduzierung (nicht Wegfall!) von Namensnennungen im Laufe eines Tages gewonnenen Minute/n nicht irgendein weises Wort als Tagesmotto bringen könnten. Aber Ihre Idee, morgens ein Gedicht lesen zu lassen, ist noch viel besser. Dafür ist Ihnen vielleicht der Tod-Ausrutscher  zu verzeihen. Es würde mich freuen, wenn Sie die gelben Seiten in dem beigefügten Heft „Yoga u.g.Gesundheit“ lesen würden. Falls Sie jemals ein Gespräch oder irgend etwas über das darin behandelte Thema in Erwägung ziehen sollten, biete ich mich hiermit als Beteiligte an.  

Mit freundlichen Grüßen,

Hella Naura

PS. Haben Sie neue SprecherInnen? Sie scheinen alle so unsicher.

 

 

Wir brauchen einen Mentalitätswandel!

Zufriedenheit – nicht nur Privatsache, sondern auch ein ökonomischer Faktor

Eine Bank forderte zu einem Schreibwettbewerb zum Thema „Zufriedenheit“ auf. Eine Jury bestimmte die 13 besten Geschichten. Sie wurden in einem Büchlein gedruckt und mit je 1 000 € gewürdigt. Der folgende Text „Ein Tag wie viele“ war leider nicht unter den 13 ausgewählten. Abgesehen von Fragen des Geschmacks und der Qualitätsbeurteilung, über die sich schlecht streiten lässt, war es auch unwahrscheinlich, dass gerade eine Bank brauchbare Empfehlungen zur Kunst des Zufriedenerwerdens würde verbreiten wollen. Denn nehmen wir einmal an, sehr viele Menschen würden einsehen, dass sie ihre Zufriedenheit nicht allein den äußeren Umständen überlassen dürfen, sondern bewusst selbst daran arbeiten können und sollten. Nehmen wir an, dieser Gedanke plus entsprechende Orientierungshilfen und leichte Übungen fände Eingang in die Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Nehmen wir an, er würde sich so schnell verbreiten wie grüner Tee statt schwarzem oder Kids statt Kindern oder Hi statt guten Tag oder Job statt Arbeit und Arbeitsplatz. Nehmen wir an, er würde nur halb so schnell Mode wie Baseballkappen oder (Nordic) Walking. Natürlich würde er nie auch nur im Allerentferntesten die Wucht und den Verbreitungsgrad von Fußball oder Bier-was-dagegen-? erreichen. Aber was könnte auch bei bescheideneren Erwartungen passieren, wenn allgemeine Zufriedenheit mit der Zeit zunähme? Was wären die Folgen?

   Der Bedarf an käuflichen Ersatzbefriedigungen würde zurückgehen. Es würden weniger Konten überzogen und Kredite aufgenommen. Zwangsversteigerungen des Besitzes von Verschuldeten, für Bieter Schnäppchen und für die Verschuldeten das Ende ihrer Existenz, würden seltener vorkommen. Die Nachfrage nach repräsentativen Autos würde zugunsten bescheidener Fahrzeuge zurückgehen, damit auch die Gewinne des Leasing-Gewerbes und der Autoindustrie. Zufriedenere Menschen sind weniger krankheitsanfällig; dadurch würden die Umsätze der Gesundheits- und Pharmaindustrie sinken. Zufriedene Menschen kommen besser miteinander aus, d.h. Partnerschaften wären friedlicher, erfüllender und folglich stabiler. Der Bedarf an den Angeboten der Vergnügungs- und Sexindustrie würde also schrumpfen. Die Suche nach Mitteln der Ablenkung, nach Erleichterung, Entspannung, Wundermitteln, Techniken oder immer neuen Partnern würde abnehmen und mehr Energien für konstruktiveres Handeln freisetzen. Wellness-Angebote für ein bisschen Verwöhnung und Aufschub von echten Problemlösungen wären wenig gefragt. Da man durch mehr menschlichen Zusammenhalt sicherer und ausgeglichener und damit automatisch weniger angstanfällig und manipulierbar wird, würden ganze Zweige des Therapiegewerbes überflüssig. Sekten, „charismatische“ Personen, so genannte Lebenslehrer, falsche Gurus usw. hätten wenig Zulauf. Ganz nebenbei würden auch die Einnahmen der Strom-, Gas- und Wasserlieferanten in Form von Grundgebühren sinken, da die Zahl der Single-Haushalte zurückgehen würde. Zufriedenere Kinder zufriedener Eltern wären materiell weniger anspruchsvoll und sonstwie süchtig, da sie weniger Ersatz brauchten für ihren Mangel an emotionaler Geborgenheit und gesundem Selbstbewusstsein.

(Nebenbei gesagt: Damit, und auch mit weniger Flucht in zu frühe Sexualität als Ersatz für fehlende elterliche Zärtlichkeit und Fürsorge, die unzufriedene Eltern einfach nicht aufbringen können, würden auch schulische Leistungen hochgehen.)

Diese Folgen von mehr allgemeiner Zufriedenheit – es ließen sich noch viele mehr aufzählen – zeigen schon, dass es im Interesse sehr vieler Kreise liegt, dass Menschen unzufrieden, unsicher, ruhelos und krank bleiben. Eben so liegt es im Interesse vieler, dass mehr Desorientierendes als Hilfreiches verbreitet wird. Aber auch menschenfreundlichere Mitglieder der Gesellschaft könnten argumentieren, man solle lieber alles so laufen lassen, wie es liefe; neue Sichtweisen mit zu vielen Änderungen brächten zu vieles ins Wanken. Auch Arbeitsplätze gingen verloren, wenn es auf dem Weg über mehr Zufriedenheit zu weniger Konsum, Werbeanfälligkeit, Kompensationszwängen, Suchtmittelverbrauch oder Krankheit käme! Und sogar die horrende Verschuldung im Privatsektor bedeute doch wiederum für andere Arbeitsplätze; nicht alle Bankangestellten seien ja durch Automaten ersetzt worden und die Eintreibung von geschuldeten Geldern schaffe auch Beschäftigung.

Dem sei entgegnet: Es wankt ohnehin schon sehr in der Gesellschaft. Arbeitsplätze gehen ohnehin weiter verloren. Die Globalisierung, die Sach- und Zugzwänge und überhaupt..... Langsam wird doch wohl jeder einsehen, dass die Wirtschaft unter kompetenten, effizienten, dynamischen, fitten und modernen Top-Managern leider gar nicht anders kann als immer mehr Menschen in Richtung Müllberg abzustellen. Bangladeshis sind nun mal billiger als Deutsche. Standortvorteile sind nun mal wahrzunehmen. Das schuldet man sich geradezu. Und Manager nehmen ihre Verantwortung gegenüber Großaktionären durchaus ernst. Shareholdervalue über alles.... ein solcher Wert ist moralisch-ethische Verpflichtung. Und wer wollte schon behaupten, dass Wirtschaft, Bankgewerbe, Großaktionäre, handreichende Politiker und andere sich über Ethik und Werte überhaupt keine Gedanken machten.....

Beschwichtigen wir uns also nicht damit, dass es erstens uns persönlich ja wohl nicht treffen wird, und die anderen, nun ja, trotz allem wohl doch irgendwie selbst Schuld haben. Und zweitens, dass der Teufel, den man kennt, immer noch besser ist als ein unbekannter. Schädliches aus Angst vor Neuem zu vertuschen, sehend hinzunehmen oder sogar aktiv zu unterstützen, ist kein guter Weg. Er entspringt aus Kleinmut, Trägheit, Egoismus, Leugnung und, ja eben, Angst. Nun sind Verdrängung und Angst allgemein menschliche Züge, derer man sich in gewissen Grenzen nicht zu schämen braucht. Aber man kann und sollte Schrittchen für Schrittchen etwas tun, um sie zu verringern. Zum eigenen Wohl und zum Wohl vieler.

Man übernehme auch nicht die Platitüde, dass Unzufriedenheit die Welt voran brächte. Nur wenn Unzufriedenheit gepaart ist mit der Bereitschaft, sie überwinden zu wollen und sich zu ändern, soweit das eben dafür notwendig ist, kann sie zu etwas Gutem führen. Ohne diese aktive Bereitschaft, die den Blick in den Spiegel und auch regelrechte Arbeit nicht scheut, führt Unzufriedenheit nur dazu, dass man nörgelig, säuerlich, übelnehmend, depressiv oder aggressiv wird. Das tut keinem gut. Man verwechsle auch nicht Zufriedenheit mit der kurzlebigen Freude, wenn man irgendwo einen Vorteil für sich herausschlagen oder einen anderen übertrumpfen konnte.

In dem Wort Zufriedenheit stecken auch Friede und Befriedigung. Das sind keine rein privaten Angelegenheiten. Denn erstens haben sie unzählige Implikationen (die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden). Deshalb nur zweitens: Menschen, die befriedigt sind (körperlicher und emotionaler Aspekt), friedlich (mitmenschlicher und sozialer Aspekt) und zufrieden (geistiger und spiritueller Aspekt) entwickeln leichter auch andere gute Eigenschaften. Und derartige Eigenschaften werden gebraucht, um nachhaltigere Lösungen für die überwältigenden Probleme unserer Zeit zu finden. Statistiker, Sachverständige, Verwalter, Bürokraten, Nachplapperer, Sprechautomaten und Machttechniker allein sind dazu nicht in der Lage.

Zu tun und zu arbeiten gibt es genug auf dieser Welt. Doch wo und für wen und für was wollen wir Arbeitsplätze schaffen? Wollen wir weiter in Verschwendung, Unheil, Zerstörung und Eitelkeitsbefriedigung der angeblichen Krone der Schöpfung investieren? Oder sehen wir die Notwendigkeit für ein neues Lernen und einen Mentalitätswandel ein, da es doch auf dieser schönen Erde, die alles für alle zu einem Leben in Frieden enthielte, immer wieder so arm, unfriedlich, verheuchelt, erbärmlich und gewalttätig zugeht. Mal hier, mal da – mal mehr, mal weniger – mal gestern, mal heute oder morgen. Den Einwand: Ja eben, so war es doch schon immer... da kann man gar nichts machen....  sollte man lieber vergessen. Die Wiederkehr von Verdrängtem (war es Alexander Mitscherlich, der in seinem „Die Unfähigkeit zu trauern“ diese gar nicht oft genug zu überdenkende Erkenntnis aussprach?) ist gewiss. Immer wieder Wandel ist eben so gewiss, denn er liegt in der Natur der Sache. Doch es liegt auch in der Natur unserer menschlichen Möglichkeiten, mit zu beeinflussen, welche Richtung der Wandel nimmt.

Jetzt also die Geschichte:

Ein Tag wie viele

Beim Hausmeister wegen plötzlich miserablen Fernsehempfangs erkundigen, abgehakt..... Anruf beim Finanzamt, weil trotz Bankwechsels noch die alte Kontonummer erscheint, abgehakt.... Mitgliedschaft in Gesellschaft kündigen, abgehakt..... Beschwerde bei Telefongesellschaft, weil sie ohne Vorankündigung um 80% erhöht hat, zwar nur die Zustellungsgebühr, aber so viel Frechheit muss widersprochen werden, abgehakt. Mit jedem Abhaken auf meiner Tagesliste von Erledigungen schrumpft der unerfreuliche Berg vor mir, der mir die Sicht auf Schöneres versperren würde. Nicht auf der Liste, aber sofort zu erledigen: Gebrauchsanweisung für Waschmaschine suchen. Vielleicht finde ich selbst heraus, warum sie gerade eben beim Schleudern ausgesetzt hat. Hurra, ich kann den Anweisungen folgen, wenn auch mit Schwierigkeit und innerer Beschwerde, dass auch das nun noch sein muss. Das restliche Wasser ist schließlich in den Eimer abgelassen. Nur das Pumpventil bekomme ich nicht herumgedreht. Aber morgen besucht mich Monika. Sie hat stärkere Hände als ich. Vielleicht kann sie helfen. Also „Monika bitten“ auf eine neue Liste für morgen setzen. Die für heute ist erledigt, und ich werfe sie höchst zufrieden in den Papierkorb.

Es ist diese Zufrieden-mit-mir-selbst-Zufriedenheit. Je länger ich sie über die Jahre übe, desto leichter kann ich sie mir verschaffen. Keiner kann sie mir verpatzen. Egal, ob ich gerade in einer Sache Glück oder Pech hatte – , diese Art von Zufriedenheit ist mir immer sicher. Nun ja, fast immer. Denn an manchen Tagen bin ich zu lustlos oder energielos für mein selbstverordnetes Pensum. Dann nagt leichte Unzufriedenheit an mir, es sei denn, ich erteile mir selbst aus gutem Grunde Absolution. Dann lasse ich Disziplin und Anforderungen zeitweilig sein und gehe spazieren, statt zu arbeiten. Oder ich überspringe nur die ungeliebten Arbeiten, um gleich mit geliebteren am PC weiter zu machen. Und während ich so arbeite, breitet sich eine andere Art von Zufriedenheit aus, die stille Zufriedenheit, bei der ich an nichts anderes mehr denke. Einfach abrufbar ist allerdings auch sie nicht, denn manchmal lässt die Konzentration auf sich warten. Dies und das geht mir nebenher durch den Kopf. Es fließt nicht, und ich muss wieder löschen, was ich gerade mühsam formuliert habe. Doch ich stehe nicht mehr wie ein Sklaventreiber hinter mir und drangsaliere mich selbst, weil ich ein bestimmtes Ergebnis erzwingen will. Ich arbeite nicht länger als bis zur festgesetzten Zeit, auch wenn wenig herausgekommen ist. Wenn es fließt, vergesse ich oft die Zeit. Dann fange ich zu spät mit dem Kochen an, was zur Folge hat, dass ich zu spät esse, alles irgendwie verrutscht und ich mich um das volle Vergnügen des späten Nachmittags bringe.

Ich stehe also rechtzeitig in der Küche und mache endlich mal wieder neben dem Eintopf noch eine der Rohkostzubereitungen, die mir von Gästen immer Komplimente einbringen. Für mich allein nehme ich mir selten die Zeit dafür. Zufrieden macht mich auch, wenn ich die Petersilie sofort verwende, statt sie erst alt werden zu lassen. Wenn ich dann bei geöffnetem Fenster, notfalls in eine Decke gewickelt, esse, bin ich sowieso fast immer zufrieden, ganz gleich, was sonst läuft. Nun brauche ich Bewegung, und es macht mir mehr Vergnügen, auf dem Platz vor dem Haus immer im Kreis zu gehen als in zwei geraden Linien von der anderen Seite des Hauses aus wie beim Morgenspaziergang. Ich beobachte, wie der sonnenbeschienene Kreis im Verlauf des Herbstes immer mehr Schatten erhält und die Birken sich nicht mehr grün, sondern strahlend gelb vom Blau des Himmels abheben, um später Tag für Tag mehr von ihrer gelben Pracht zu verlieren. Auch der für eine kurze Weile glühendrote kleine Ahorn ist schon unscheinbar und kahl geworden.

Während ich dann die mit hoch gebrachte Post durchsehe, fühle ich den gewohnten Tiefpunkt nahen. Ihm zu widerstehen, wäre Quälerei. Ihm nachzugeben, heißt, ins Bett zu gehen. Wenn ich die Arme über dem Kopf lang ausstrecke, fühle ich mich trotzdem achselabwärts ganz genüsslich. Nur im Kopf geht es irgendwie dumpf, verstopft und widerstrebend zu. Ich döse oder schlafe, und im Kopf scheint es sich wieder zu lichten. Trotzdem fällt es schwer, aufzustehen und ein wenig zu arbeiten. Doch dann naht der Umschwung. Es ist Zeit für den Nachmittagstee, und zwar wirklich Tee! und kein kummervolles Beutelgebräu aus nur kurz aufgekochtem Wasser, schwärzlichbraun und trüb. Noch vor wenigen Wochen konnte ich meinen rotbraunen, durchsichtigen Göttertrank bei hochstehender heißer Sonne auf dem Balkon trinken. Jetzt sitze ich manchmal am Fenster, um zu beobachten, wie die Sonne –  schon weit nach Osten gerückt –  zu sinken beginnt und der Himmel rosig wird. Wie schön sind aber auch bewölkte Himmel, wenn silberne Ränder um graue Wolkenberge aufleuchten oder Flecken von Rosa, Türkis und blassestem Gelbgrün zwischen Wolken zerfließen, bis langsam alles in ein tiefes Graublau versinkt.

Der Rest des Tages enthält noch etwa sechs Stunden mit einigem, worauf ich mich freue. Und jede Woche enthält fünf solcher Tage und noch zwei besondere. Jeder Monat enthält einen Vollmond, und jedes Jahr vier Jahreszeiten. So viele Anlässe für kleine Freuden liegen vor mir: eine Mondsichel im blassblauen Tageshimmel über der verschneiten Spielplatzwiese; ein irisierender Rand um den Hof eines Vollmonds; ein Meer von Apfelblüten, deren Weiß erst beim Nähertreten auch etwas Rosa enthüllt; die richtigen Bücher zur richtigen Zeit; Erkunden unbekannter Städte; Gespräche mit Fremden, in denen Gemeinsamkeit entsteht; Eintracht mit anderen bei Kuchen und Tee aus dünnem Porzellan an einem schön gedeckten Tisch; die Verwandlung von huschenden Gedanken in Worte und Sätze, die andere nachvollziehen können......  Das alles und noch mehr an Freude und Zufriedenheit liegt vor mir, unabhängig davon, was im Außen geschehen mag. Ich muss nur dafür sorgen, dass ich empfangsbereit bleibe. Denn der schönste Anblick ist vergeudet, wenn ich ihn nicht bemerke; eine auftauchende Einsicht nützt nichts, wenn ich zu zerstreut bin, um sie wirklich zu fassen zu bekommen; und kein Mensch kann mich freuen, wenn ich voller Ressentiments bin.

Ich brauche sehr viel Zufriedenheit, damit Ärger und Empörung über so manches in meinem weiteren Umkreis nicht die Oberhand in mir gewinnen. Und ich weiß, dass ich meine Zufriedenheit nicht allein dem Zufall, günstigen Umständen oder anderen Menschen überlassen kann. Auch ein Glücksfall macht mich unter Umständen nicht lange glücklich, wenn sonstwie schlechte Gefühle in mir rumoren. Ich muss selbst dafür sorgen, dass ich möglichst oft und lange zufriedene Augenblicke erlebe. Die kultiviere ich so bewusst und überlegt, wie ein Gärtner ein Stück Land kultiviert, so dass dort Blumen wachsen können statt Unkraut. Aus Erfahrung weiß ich, was meine Zufriedenheit besonders stören kann: Hast, Erschöpfung, Versteifen auf irgend etwas, Frieren, Hungern, Kopfschmerzen und Erkältungen. Deshalb tue ich einiges, damit all dies gar nicht erst auftauchen kann.

Wenn doch nur Zufriedenheit und alles, was sie fördert, als ein höchst nötiges und weithin wirkendes Lernfach anerkannt würde! Und wenn es doch genügend Menschen gäbe, die es vermitteln könnten, dann wäre die Welt ein sehr viel anderer Ort. Wie viel vergebliche Jagd über Leichen hinweg nach Glück würde dann gar nicht stattfinden. Wie viel Verführbarkeit und Korruption entstünden gar nicht erst. Wie viele Ersatzbefriedigungen und Süchte würden nicht der Gesundheit schaden. Wie viel enttäuschender, seelenloser Sexkonsum, angetrieben aus Leere, Einsamkeit und Angst, etwas zu verpassen, entfiele von selbst. Wie viel Machthunger, Geldgier und Neid kämen nie auf. Wie viel Ruhelosigkeit würde nie plagen..... wenn man einfach nur oft mit sich selbst und anderen zufrieden wäre.

Nun ja, wenn das Wörtchen Wenn nicht wär, wär‘ die Welt nicht so verquer.... Dabei ist die Welt überhaupt nicht verquer! Sie ist sogar ganz staunenswert wunderbar. In allem, in was Menschen noch nicht in kurzsichtiger, unweiser und selbstbesessener Art ihre Finger haben stecken können, ist sie ganz unvorstellbar großartig in Ordnung. Sie ist so sehr in Ordnung, dass unsere Erde schon seit vermutlich fünf Milliarden Jahren die Sonne umkreist, ohne je von ihrer Bahn abzuweichen. Täte sie es, wäre es ganz schnell aus mit uns. Innerhalb von Stunden wären all unsere Berechnungen und hochfahrenden Errungenschaften zu nichte gemacht. Statt uns umgeben von Luft, Wasser, Nahrung, Wärme und Schönheit auf festem Grund unseres Lebens freuen zu können, würden wir in apokalyptische Vernichtung stürzen, in lodernde Feuer oder himmelhohe Flutwellen. Doch nicht nur unsere gute Erde zieht verlässlich ihre Bahn, auch unsere Sonne hält ihren ordnungsgemäßen Abstand zu uns ein. Täte sie es nicht, so könnten wir im Nu verglühen oder in eisigen Finsternissen erstarren. Und sogar sie, Mittelpunkt und Spenderin unseres Lebens, hat ihren Mittelpunkt, um den sie sich bewegt, wobei sie unser ganzes Sonnensystem mit nimmt.

Milliarden von Sternen sind ihr ähnlich, und in einem Weltall von unvorstellbaren Dimensionen ist alles mit einander verbunden. Aus den Tiefen dieses Rätsels kommt Zeit, die bis zu meinem Heute reicht, und Raum, der bis zur Erde unter meinen Füßen reicht. Und bis in meinen Körper hinein reicht die Materie der Welt mit ihrer transformierenden Energie. Jeder Tropfen Flüssigkeit in mir ist wohl so alt wie die Erdatmosphäre und war mal Meer, Wolke, Regen, Grundwasser und Pflanzensaft. Wie sollte ich also nicht zufrieden sein bei dem Gedanken, dass ich einen Platz in so einem wunderbar trilliardenhaft vernetzten Zusammenhang habe und in so eine Welt hinein gehöre.  

 

Das Thema von mehr Zufriedenheit wurde besonders in den folgenden Heften von „Yoga und ganzheitliche Gesundheit“ behandelt:

Nr. 18 „Die negative und die positive Persönlichkeit“. Nr.25 „Lebensphilosophie / Zufriedenheit“, Nr. 28 „Yoga, wenn das Alter naht“, Nr. 29 „Freude lässt sich lernen“, Nr. 33 „Wie man positiver wird“. Alle sind einzeln zu je 3,- € vom Verlag zu beziehen oder als Teil eines Jahrgangs (je 4 Hefte) zu 6,- €.

 

 

 

Der folgende Artikel wird, wenn Zeit dafür ist, ins Deutsche übersetzt.

Abstract: The article shows a relation between a deterioration of civilized conduct within a society on the one hand and the tendency to throw away the old for the new and to seek self-identification through buying and consuming.

 

My Old Slippers

By Hella Naura

I cannot easily throw things away. Even if something has a small hole in it, I still wear it up to the last. Years ago, I got some white house-slippers made of terry-cloth with a very thin rubber sole from a very fine hotel. I took these slippers on my  recent visit to The Yoga Institute in Mumbai, meaning to wear them in the house, because even in the greatest of heat, walking bare-footed over cold stone-floors is likely to cause a common cold with me. Thus I would use up the slippers and throw them away before leaving India for home again. When that day came, the snowy-white upper part had turned grey and the inside part of the soles showed a really ugly dark brown, which seemed far away from ever getting clean again. Still I could not part with the slippers. Even the people who would eventually search through the garbage heaps for anything recycable, would not see any use for them, as they were made to be worn on soft carpets or ever clean and dry bathroom floors only. So the slippers would totally go waste, even though not one stitch had come loose yet and not one thread was sticking out from the nice little embroidery showing the hotel’s embleem, a fan. This went very much against my feelings.

S. Radhakrishnan has written something to the effect that civilization goes down the moment the worth of human work is no longer respected. It might seem very exaggerated to see a connection between throwing away some used, dirty, complimentary, and totally machine-made slippers and the fall of a civilization, and I agree that it is exaggerated. Yet in a very wide sense there is a connection. On travels to different countries I have noticed how much skill and talent that was formerly contained in the work of artisans and craftsmen has been lost in our times. At many places, that which had taken centuries of years to develop has disappeared over the short period of the just some 40 years of my watching, be it traditional ways of dress-making, knitting, crocheting, cloth-printing, patchwork, rug-weaving, ceramics or whatever. All the artisans that once  had the satisfaction of producing something beautiful which was also full of meaning to them and to those who bought their manufacture (colours, materials, patterns etc. all telling their own story as to origin and symbolism) have become utterly abundant, losing their livelihood and pride of doing. That machines can do their work so much faster and cheaper is not the whole reason for this sorry fact. The other part of the reason is that there has been a relentless brainwashing going on, done hand in hand by industry, marketing, media, and advertising and spreading from one country to the next. The message is: „Buy, consume, have something new more often, despise the old, outdo your neighbour, strengthen your image, be the first to have, own something others do not own yet, follow the fashion-leaders“ and so on. Of course, this message would not be repeated in countless variations unless it was readily heard and followed.

But what does this have to do with the state of a civilization?, one might ask. Is this not just a little matter of human vanity, of wanting to beautify and distinguish oneself from others? No, it is not just that. This constant brainwashing does affect the life of a society thoroughly via changing the views, values, and conduct of its members. The product as such becomes all-important, the work contained in it becomes negligible, and the human being becomes nothing but a consumer, someone to use and be used. In German cities, many youth of both sexes work part-time after school. Time that should be used for education as a preparation for adult-life is used for earning money. And this money is spent on nothing more vital than buying clothes (and affording talking on mobile phones). And the clothes are so expensive because the youth are not satisfied to dress themselves just according to their own aesthetic likings, which can be done relatively cheaply if one waits for sales. The youth (just as their parents, too)  want certain labels. And they want them at once. To wear a certain label often decides over the position and degree of acceptance by peers for the wearer. These labels usually do not represent quality, good workmanship or long duration. They represent dreams. Not good work or fine material is paid for so dearly but the illusion „Wearing this label, I get respected. Wearing this label, I belong to the group I want to belong to. Wearing this label, everyone can see that I can afford to pay for it.“ Recently I heard on the radio that there are girls in Kyoto in Japan who offer themselves for sale after school. The money thus earned, they use on buying certain clothes! Thus the worshippers of things that no longer represent work, skill, worth or necessity but make-believe and perversion have turned into things themselves, things that are bought, used for a moment, and thrown away.

A society with a large percentage of such members, with values such as earning money by no matter what means, immediate wish-fulfillment, and identifying oneself by buying and consuming as dictated by others and subconscious urges will naturally become unable to see the worth of hard, patient, and ongoing work. It will not understand the need for self-culture and it will eventually extend its attitudes towards things to human beings. „Cash and carry!“ „Use and dispose of!“ „Ex und hopp“, as we Germans express it – this will one day equally apply to machine-made products, elaborately hand-made articles or human relations. With this, all respect other than „respect“ for money, prominence, and big names and labels in the widest sense will be lost. Respect for elders will naturally be lost, too. The fact that old people, whatever else they may have done, have worked longer already on the difficult work of trying to live a decent, meaningful life than anyone junior to them and have eventually lost their strength over this hard work, cannot be appreciated by a mind that tends to fast consumption.That a society composed largely of such members is on a downward trend, as S. Radhakrishnan implies, is obvious.

So to revert to my slippers: I took them back home. I scrubbed them by hand watching particles of Indian soil going down a German drain, and then put them together with other washing into the washing machine. They came out a little torn now but white, and they will do good to my feet for some more time to come.

Fortsetzungen folgen je nach zur Verfügung stehender Zeit

Neuzugang vom 14. Juni 2007

Leider hat irgend jemand viele Seiten aus dieser Home Page gelöscht. Ich weiß nicht, wer oder weshalb. Soweit ich mich erinnere, handelte es sich mit Ausnahme meines Textes über Erziehung und die Rolle von schlechten bzw. guten Vorbildern vorwiegend um kritische, teils bittere Beobachtungen zu unserer Gesellschaft. Vielleicht ist ja aber der Zustand dieser Gesellschaft – auch wenn m.E. öffentlich nicht viel davon zu sehen oder zu hören ist – besser als von mir angenommen. So sei es denn, dass die sehr kritischen Texte hier nicht mehr zu lesen sind. Immerhin war in den Nachrichten zu hören, dass Killer-Spiele und Jugendliche zum Alkoholismus verführende „Flatrates“ endlich verboten werden sollen. Das ist doch schon etwas Ermutigendes! Und der Klimaschutz wird endlich ernster genommen, und das nicht mehr nur im konsequenzlos bleibenden Stillen. Es wird tatsächlich – wohl gegen ungeheure Widerstände – unter dem Vorsitz der deutschen Kanzlerin versucht, selbstzerstörerisches Handeln wenigstens einzuschränken. Vielleicht bringt die Zukunft ja nicht nur weiter Verschlechterungen, sondern auch Besseres.

Gedanken über Werte in Zusammenhang mit der Europäischen Union

Von Hella Naura

Wenn Europa mit einer Stimme sprechen soll, dann wünscht sich der denkende Teil der Öffentlichkeit, dass seine Vertreter deutlicher aussprechen, was sie denn einstimmig vertreten. Was durch die Medien für die durchdringt, die nicht enger mit der Materie befasst sind, ist lediglich dies: Alle Länder erhoffen sich durch ihre Mitgliedschaft wirtschaftliche Vorteile. Das ist verständlich. Nur ahnt wohl jeder, dass es etwas mit nur Vorteilen nicht gibt, da alle Medaillen nun mal zwei Seiten haben. Wenn alle Länder nur erhoffen, etwas zu bekommen, aber kein Land sich Gedanken macht – zumindest erfährt die Öffentlichkeit nichts davon – , was es beizusteuern hätte und geben möchte, dann ist kaum zu erwarten, dass ein solches Projekt echte Begeisterung statt nur Berechnungen wecken kann. Von Ideen und Zukunftsbildern, die neue Energien wecken könnten, erfährt die Öffentlichkeit auch nichts. Was vermittelt wird, ist nichts anderes, als was sich in Zahlen – Investitionen, Subventionen, Marktvorteilen, Exportsteigerungen, Weltstellung etc. – ausdrücken ließe, plus Bürokratie. Nicht wenige befürchten wohl, dass sich vieles im Zusammenhang mit der EU verselbständigt hat, um eigenen Zwecken ohne Rücksicht auf das Ganze zu dienen. Wenn Parlamentarier, Beamte, Bürokraten ihre Arbeit und Verantwortung darin sehen, getrennte Toiletten in fernen Kleinstbetrieben, EU-Gütehinweise für Mineralwasser und dergleichen zu ersinnnen und aufwendig und vielsprachig durchzusetzen (und dann teilweise wieder zurück zu nehmen), dann kann bei vielen Bürgern nur noch Resignation und Abneigung entstehen. Auch die Befürchtung, dass Lobbyisten viel zu viel Einfluss haben, könnte verbreitet sein. Lösungen für die brennenden Probleme unserer Zeit zu finden, traut man einer solchen Institution nicht recht zu.

Nur durch das Leid des 1. Weltkrieges wurden genügend Menschen aufgerüttelt, um sich der schwierigen Aufgabe von mehr Einigkeit und weniger (nationalem) Egoismus zu stellen. So konnte der Völkerbund entstehen. Doch der war zu schwach, um dem Austritt Deutschlands etwas entgegen setzen und eine Entfesselung von Kräften der Zerstörung und Menschenverachtung verhindern zu können. Das noch maßlosere Leid des 2. Weltkrieges rüttelte wiederum genügend Menschen auf, mehr Einigkeit zu versuchen, wenn auch aus keinem inspirierenderen Grunde, als die Wirtschaft voran zu bringen und sich besser vor möglichen künftigen Kriegen zu schützen. So wurde die Idee eines vereinten Europas vorangetrieben. Doch nur Suche nach Schutz und wirtschaftlichen Vorteilen – so unverzichtbar diese sind – reichen wohl nicht als Motivation aus, um eine Vereinigung so stark und einig zu machen, dass sie künftigen Schwierigkeiten oder Gefahren standhalten könnte. So wird denn nun ein verbindendes europäisches Erbe mit gemeinsamen Werten beschworen. Worin diese jedoch genau bestehen, erfährt die Öffentlichkeit nicht.

Sein Christentum teilt Europa mit vielen Millionen Christen auf anderen Kontinenten. Sein einstmals vielfältiges und großes Kunstschaffen besitzt keinen typisch europäischen Charakter mehr noch besondere Vitalität. Was Europa noch jahrhundertelang auszeichnete, war Ideenreichtum und eine Dynamik, die dazu führte, dass Ideen auch auf die Realität übertragen und praktiziert wurden. So durchlebte Europa alles von Stammesgesellschaften über Stadtstaaten, kontinentübergreifende Reiche, Kaisertum, Feudalherrschaft, fürstliche Kleinstaaterei, Absolutismus, parlamentarische Monarchien, Kolonialreiche und Demokratien bis hin zu Diktaturen. Es erlebte finstersten Rückfall, aber auch den Humanismus der Renaissance. Es stellte fest Etabliertes durch die Aufklärung in Frage und erlebte die französische Revolution mit Idealen wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Es handelte mit Sklaven und hielt sich Leibeigene, sann aber über unveräußerliche Menschenrechte nach. Es durchlebte Phasen von Faschismus, Kommunismus und Sozialismus und veränderte die Rolle der Frau. Es exportierte viele seiner Ideen und Lebensformen in alle Welt und wurde für seine verwalterischen und technologischen Fähigkeiten nicht wenig in der Dritten Welt bewundert. Doch dieses große Europa brachte nicht nur unermessliches Leid über Nichteuropäer, sondern ersann auch noch in unseren Tagen KZ’s auf eigenem Boden, zerfleischte sich selbst in zwei Weltkriegen und stand dem Krieg und Massakern im ehemaligen Jugoslawien nur berichterstattend hilflos gegenüber.

Könnte man behaupten, dass Europa in kultureller, ethisch-menschlicher und geistiger Hinsicht gegenwärtig kraftlos und unproduktiv ist? Könnte man behaupten, dass seine ihm zur Verfügung stehenden Energien nur noch für Wirtschaftstätigkeiten, nachahmerische Anpassung und Selbstschutzmaßnahmen auszureichen scheinen? Wirtschaftlicher Fortschritt allein muss aber an Grenzen stoßen, jenseits derer er zerstörerisch wird. Bloße Nachahmung erstickt Originalität und Identität oder lässt sie gar nicht erst aufkommen. Was den Selbstschutz anlangt, so hat er – weltweit – nicht nur mit objektiven Gegebenheiten, sondern auch mit subjektiven Gefühlen von Bedrohung zu tun. (Hoimar v. Ditfurth, gestorben 1989, vielfach für seine wissenschaftlich-publizistische Arbeit ausgezeichnet, ursprünglich Professor der Psychiatrie, sagt dazu Überzeugendes und kann es psychiatrisch-wissenschaftlich-politisch untermauern. Auch der ungarische Autor Franz Völgyesi zog zu seiner Zeit aus seinem Wissen als praktizierender Psychiater politische Schlussfolgerungen und sagte den 2. Weltkrieg voraus.) Die WHO hält Depression heute für die am schnellsten wachsende Krankheit, so dass demnächst jeder fünfte Europäer einmal an Depression erkranken würde. Sofern Depressionsneigung nicht durch besondere Stärken in Schach gehalten werden kann, geht sie allgemein einher mit Kraftlosigkeit und einer Wahrnehmung, die auf Negatives und Bedrohliches beschränkt bleibt. Von einem Europa mit nicht nur den geschätzten klinisch Kranken sondern noch dazu verbreiteter ganz alltäglicher Depressivität wäre nicht viel Positives und Konstruktives zu erwarten.

Ein depressives und folglich auch mit viel Misstrauen und Ängsten belastetes psychisches Klima setzt (selbst)-zerstörerische Kräfte sowie negative „self-fulfilling prophecies“ frei. Dass diese schon seit längerem –  nicht nur in Europa –  wirken, zeigen Erscheinungen wie vielfache „Overkill“-Aufrüstung, Zerstörung von Lebensgrundlagen, Terrorismus, Folter und  Rechtsverletzungen auf politischer Ebene sowie Krankheit, Suchtneigung, asoziales Verhalten und Grausamkeit sogar gegenüber Kindern auf privater Ebene. Diese Erscheinungen werden weithin als normale Aspekte der menschlichen Natur hingenommen, gegen die Protest oder gut gemeinte Bemühungen nichts ausrichten könnten. Diese Art von Fatalismus beruht jedoch nicht auf objektiven Tatsachen, an denen nicht zu rütteln ist, sondern wird in erster Linie vom subjektiven eigenen psychischen Empfinden mit diktiert. Was eine Mehrheit als normal oder abnorm, gesund oder depressionskrank ansieht, –  das hängt davon ab, was sie fühlt (einschließlich Fühllosigkeit), und nicht von der Effizienz ihrer Wirtschaft oder Aufrüstung. Denn diese sind zu einem großen Teil nicht die Ursachen, sondern die Wirkungen von dem, was Mehrheiten fühlen und was sie folglich für unbedingt nötig halten und zu finanzieren bereit sind. Dieser menschliche Faktor bleibt bei ausschließlich politisch-wirtschaftlichen Sichtweisen unberücksichtigt.  

Bislang bekommt die Öffentlichkeit vorwiegend den Eindruck, dass ein Europa der Zukunft nichts anderes sein wird als eine Verteidigungs- und Wirtschaftsgemeinschaft mit einigen herbei bemühten gemeinsamen „Werten“. Wenn aber darüber hinaus nicht auch andere menschliche, d.h. emotionale und im weitesten Sinne gesundheitliche Aspekte berücksichtigt werden, dann scheinen innereuropäische Solidarität und künftige Lebensfähigkeit der EU zweifelhaft. Ein Europa, das weitgehend nicht einmal Solidarität innerhalb seiner einzelnen Mitgliedsländer zustande bringt, scheint wenig fähig zu einer umfassenderen Einheitsbildung. Ein Europa, das sich – so kann es jedenfalls scheinen – nur dadurch halten kann, dass es seine Überwachungssysteme ausweitet und sich gegen den Hunger anderer unbarmherzig abschottet, ein solches Europa kann sich auf keine großen Sympathien stützen. Ein Europa, das teilweise schon seine Ungeborenen als Wirtschaftsfaktor berechnet; großen Teilen seiner Jugend nichts zu bieten hat und seine Alten als finanzielle Last diskreditiert; ein solches Europa wäre wenig. Ein Europa, dessen nationale Regierungen sich die eigene Bevölkerung durch Polizeischutz vom Leibe hielten oder halten müssten, ein solches Europa wäre wenig. Und keinesfalls könnte es seine mitmenschlich, ethisch, geistig und kulturell eher unterernährten und mit bloßen Zahlen, Kostenberechnungen und Angstanlässen überfütterten Massen zu verantwortungsvollem und solidarischem Handeln motivieren.

Was wäre ein solches Europa? Vielleicht wäre es nur ein gesetzlich hergerichteter Ort für die Aktionen von multi-nationalen Wirtschaftsgiganten, die ihrer Natur nach keiner Nation und keinem Kontinent Loyalität schuldeten, und ihren Arbeitnehmern natürlich auch nicht. Profitsteigerung, ob real oder nur auf dem Papier, und Abwälzung von Kosten würden zum wahnwitzigen Selbstzweck, der die Ressourcen dieser Erde verschlingt und die Entfaltungsmöglichkeiten von Menschen zertrampelt. Europa – ein Ort für kulturellen Einheitsbrei und minderwertige leibliche Nahrung, hergerichtet in einigen wenigen Zentralküchen und zum Verzehr abhängig von  IT, Kühlung und Transport, und diese wiederum abhängig von Strom- und anderen Energielieferanten. Europa – zerschnitten von Transportwegen, vollgebaut mit Flughäfen, Prestigeprojekten, Hotels, Golfplätzen, Luxusbehausungen und Armenwohnheimen. Europa – voller künstlicher Landschaften, beheizt und unter Glasdächern, und hier und da noch ein wenig echte Natur zur staunenden Besichtigung. Europa – ein riesiges Spinnennetz, in dem alle – Reiche wie Arme – sich zappelnd verfangen hätten, bar jeder Eigenständigkeit und Selbstbestimmung und wie in Kafkas „Schloss“ anonymen Mächten ausgeliefert, die sie nie zu sehen oder zu erkennen bekämen.

Könnte ein gemeinsamer europäischer Wert nicht ein Mut zu neuem Denken sein? Es wäre der Mut, ein zu einseitiges Denken zu korrigieren, das Naturwissenschaft und Technologie eine Vormachtstellung eingeräumt hat, die inzwischen die elementarsten Interessen des Menschen bedroht. Ohne den Mut, eine Art von geistiger und moralischer Erneuerung zumindest zu versuchen, gerät der Mensch immer tiefer in die Lage von Goethes „Zauberlehrling“, der sich von den von ihm selbst herbei gerufenen Geistern nicht mehr befreien kann. Jeder Organismus geht nach einer Wachstumsphase zwangsläufig dem Verfall entgegen. Für ein nur von krassem Materialismus, mörderischem Wettbewerb und letztlich Angst bestimmtes Wachstum könnte der Verfall nahe sein. Der Jesuit und Paläontologe Teilhard de Chardin meinte schon vor über 60 Jahren, dass die Wissenschaft „eine ganze Dimension des Universums vernachlässigt – die Dimension des Menschen.“ Was er über die Evolution von Lebensformen an sich sagt, lässt sich wohl auch auf das ganz allgemeine Leben unserer übertechnisierten Gegenwart übertragen: „Spezialisation lähmt und Überspezialisation tötet.“

Vielleicht gibt es genügend namenlose, nur leider nicht in Erscheinung tretende Menschen in Europa, die in der Schaffung einer mitmenschlicheren Zukunft einen großen Wert sähen. Vielleicht ließen sich genügend dazu motivieren, an einer weniger von kaltem Materialismus diktierten Gesellschafts- und Lebensform mit zu arbeiten. Dann könnte ein besseres Europa weiter wachsen. Die Entgegnung: der Mensch ist nun mal des Menschen Wolf und lässt sich letztlich nicht ändern, zeigt nur die eine Seite der Medaille. Der Mensch ändert sich sehr wohl, nur meistens so langsam, dass leicht übersehen wird, dass der Mensch von heute nicht mehr der ist, der im Neandertal hauste. Das gern ins Feld geführte darwinsche „Überleben des Stärkeren“, mit dem sich rücksichtsloser Egoismus sogar in einen Stärkebeweis und als praktisch naturgesetzlich umdeuten lässt, gilt nur für die niederen Lebensformen, z.B. im Tierreich. Teilhard de Chardin sieht die Evolution als gleichbedeutend mit einem „Aufstieg des Bewusstseins“. Die andere Seite der Medaille des zur Selbstbesessenheit und damit Egoismus neigenden Menschseins besteht also darin, dass der Mensch nicht so bleiben muss, „wie er nun mal ist“. Er selbst kann etwas dazu beitragen, um seine von der Evolution bezweckte Bewusstseinsentwicklung  zu beschleunigen. Und, so sagt Teilhard de Chardin, je mehr Bewusstsein desto größer die „Einigungswirkung“.

Die technologischen Fähigkeiten des Menschen haben – einem geringen ! Teil der Weltbevölkerung – viele Verbesserungen und Erleichterungen bringen können. Sie haben aber einen Punkt erreicht, vielleicht überschritten, wo das ihnen zu grunde liegende Denken selbstmörderisch wird. Denn die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins hinkt weit hinter der zu einseitigen Entwicklung des Intellekts hinterher. Die von Machbarkeit und materiellen Superlativen besessene „Wissensgesellschaft“ weiß zwar einiges. Leider weiß sie aber überhaupt nicht, was sie tut. Sie hat das technologische Wissen, immer mehr zu tun und ihre auf der Erde ungelösten Probleme bis auf andere Planeten verlagern zu wollen. Gleichzeitig aber fehlt es in bedrohlichem Maße an Bewusstsein dessen, was sie damit eigentlich tut und anrichtet. Wie Teilhard de Chardin sagt: „Ganz gewiss, das Tier weiß. Aber sicher weiß es nicht, dass es weiß. Das aber macht das Wesen des Menschen aus, dass er ein Bewusstsein seines Bewusstseins hat.“

Letztlich müsste also Europa die Förderung einer Bewusstseinskultur (die etwas ganz anderes ist als eine Anhäufung von Informationen) als nötigsten aller Werte anerkennen. In dem Maße, in dem das geschähe, würde Europa seine Chancen erhöhen, eine tragfähige und für alle lebenswerte Gemeinschaft zu werden. Eine solche Bewusstseinskultur wächst aber schwer auf der Grundlage einer verbreiteten eher ungesunden psychischen Verfassung von Depressivität, Bedrohungsgefühl, Aggressivität, Berührungsängsten, Misstrauen und Selbstentfremdung sowie Fremdsein im eigenen Körper, Schmerz und Krankheit. Deshalb müsste zu allererst Gesundheit –  im weitesten Sinne, d.h. körperlich, emotional und geistig  –  als Wert und unerlässliche Voraussetzung anerkannt werden. Diese Gesundheit ist aber nicht zu haben ohne Erziehung –  ebenfalls im allerweitesten Sinne. Eine Erziehung, die sich allein am Bedarf der Wirtschaft orientieren würde, wäre nur ein kümmerlicher Schatten dessen, was Erziehung sein könnte und sollte.  

E n d e

 

Mit dem obigen Text ist noch nicht gesagt, was versucht werden könnte, um der Öffentlichkeit diese Werte nahe zu bringen, und zwar nicht nur als Sprachhülse. Wenn von „Europa“ die Rede war, so der Kürze wegen in sehr vereinfachender Form. Die Mitgliedsländer sind ja nicht alle in der gleichen objektiven wie psychischen Lage.

 

 

Mehr Sicherheit durch mehr Überwachung?

Mitmenschlichkeit, der grundlegendste Sicherheitsfaktor

Unehrlichkeit, ein Hindernis für Mitmenschlichkeit

Hella Naura

Laut Plakat würde Herr Bundesinnenminister Schäuble am 3.Mai zum Thema „Sicherheit in der Großstadt“ in Hamburg sprechen, wozu man sich anmelden könne. Als ich das per Internet tun wollte, war Teilnahme nicht mehr möglich. Ich war sehr erleichtert. So brauchte ich das, was ich widerstrebend und meiner selbst nicht sicher als meine Bürgerpflicht ansah, nun ohne schlechtes Gewissen nicht zu erfüllen. Meine Absicht wäre gewesen, Ideen, die ich für verbreitenswert halte, zu verbreiten. Dazu hätte ich bei einer solchen Veranstaltung wohl sowieso keine Gelegenheit gehabt. Denn auch in dem sehr unwahrscheinlichen Fall, dass ich das Wort bekommen hätte, hätte ich wohl nicht mit dem Anfang anfangen können, ohne verwiesen zu werden, dass das nichts mit der Sache zu tun hätte. Doch der Anfang – bei Sicherheitsfragen ebenso wie in Wirtschaft, Erziehung, Gesundheit und überall – liegt meiner Meinung nach nicht bei gesetzlichen Maßnahmen, Sachexperten, Politikern oder mutmaßlichen Bedrohern, sondern beim MENSCHEN an sich. Was auf das Thema „Sicherheit“ bezogen, heißen soll: Keiner kommt als Terrorist, Selbtsmordattentäter, Nazi, Mafiosi, Wirtschaftskrimineller, Schläger, gedankenloser Mitläufer oder sonstiges Sicherheitsrisiko auf die Welt, sondern als strampelndes Baby. Das ist zwar kein völlig  unbeschriebenes Blatt, möchte aber erst mal nichts anderes, als genährt und gehalten werden. Keinesfalls möchte es seine Mitmenschen zerstören, und sich selbst auch nicht. 

Nur Überwachung schafft noch keine Sicherheit

Welche Anlagen in einem Menschen später zum Tragen kommen, hat auch damit zu tun, was früheste Bezugspersonen, Erfahrungen, Umstände, Einflüsse und genereller Zeitgeist aus ihm hervor locken bzw. brach liegen lassen. Der fertige Asoziale, Kriminelle oder Terrorist muss vielleicht vorrangiges Thema der Sicherheitspolitik sein. Er steht als solcher aber schon an einem fortgeschrittenen Punkt einer Entwicklung, die bei mehr Vorbeugung vielleicht weniger selbst- und gesellschaftsschädigend hätte verlaufen können. Was zu diesem Zeitpunkt zu tun ist, ist eine Sache. Was zu tun wäre, damit sich derartige Sicherheitsrisiken nach Möglichkeit von vorn herein weniger entwickeln, ist eine andere. Dafür dürfte einleuchten, dass auch hier wie auf anderen Gebieten auf Vorbeugen nicht verzichtet werden kann. Ob dazu jedoch Überwachung von immer größeren Kreisen der Gesellschaft ausreicht, darf bezweifelt werden.

Dass islamistisch motivierter Terrorismus durch die Medien als die große Gefahr unserer Zeit suggeriert wird, verstellt den Blick auf andere Unsicherheitsherde innerhalb der Gesellschaft. Diese Unsicherheitsherde dürfte eine vorausschauende Sicherheitspolitik nicht unberücksichtigt lassen, auch wenn sie auf den ersten Blick vom Thema staatlicher innerer Sicherheit weit entfernt erscheinen mögen. Bei allem Mitgefühl für Opfer des Terrorismus (die es ja in Deutschland glücklicherweise gar nicht gibt) sowie deren Angehörige darf doch ausgesprochen werden, dass viel mehr Menschen ihr Leben durch Verkehrsunfälle verlieren als durch Terrorakte. Trotzdem lässt sich nicht einmal eine  Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen durchsetzen. Die Frage liegt also nah, weshalb einerseits große Angst vor einer erst mal nur befürchteten Gefahr zu herrschen scheint, wenn doch andererseits anscheinend keinerlei Interesse daran besteht, klar erwiesene andere Gefahren zu vermeiden oder wenigstens zu verringern? Diese Frage soll darauf hinweisen, dass Sicherheit doch im ganz alltäglichen Leben beginnt und beginnen sollte. Ferner dass die Summe vieler kleinerer Unsicherheiten im Leben einer wachsenden Zahl von Bürgern schließlich mehr Gewicht für das gesellschaftliche Klima insgesamt und damit ihre Stabilität bekommen könnte als ein einziges größeres Sicherheitsrisiko.

Unberücksichtigte Sicherheitsrisiken

Für einen beträchtlichen Teil der Gesellschaft sind der Erhalt des Arbeitsplatzes oder befürchtete  Verschlechterungen der  Arbeitsbedingungen zu einer unterschwelligen Dauerverunsicherung geworden, ganz zu schweigen von denen, die schon arbeitslos sind oder für ein Almosen arbeiten. Mögliche Terroristen und Islamisten lösen wohl bei vielen nicht annähernd so viel Bitterkeit und schwindendes Vertrauen in die Politik aus wie das ungehemmte Vorgehen von Wirtschaftsvertretern. Wie weit dieses nicht nur auf persönliches Karrieredenken um jeden Preis oder Management-Ideologie-Gehirnwäsche zurück geht, sondern auf Zwänge, die auch denen die Hände binden, die eigentlich anders möchten, wissen natürlich nur die damit Befassten. Ein großer Teil der Öffentlichkeit wünscht sich aber wohl inzwischen von einer Politik der inneren Sicherheit weit weniger dringlich Schutz vor möglichen Terroristen als Schutz vor Shareholder-Value, Privatisierungen, Banken, der Bau-, Transport- und Nahrungsmittelindustrie, Ressourcenvergeudung, Zerstörung der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich sowie anderem wirtschaftlichem Vorgehen, einschließlich des blühenden Stiftungswesens. (Auch Schutz vor Lärm durch völlig unnötigen Einsatz von energievergeudenden Maschienen sowie Schutz vor Werbung und Desinformation durch die Medien wäre dringend. Aber das soll ein Thema für sich sein. Das Problem des Klimaschutzes wird dankenswerterweise nun angegangen. Die Enttäuschung vieler wohlmeinender Vernünftiger wäre riesig, wenn auch das nur wieder in versteckter Begünstigung von Wirtschaftsaktivitäten auf Kosten von Menschen und Einsicht enden würde.)

Doch es nagt noch mehr am Fundament der Gesellschaft als die Hoffnungslosigkeit von Arbeitslosen, die Angst von Erwachsenen um ihren Arbeitsplatz; die Angst von Jugendlichen, gar nicht erst in der Arbeitswelt gewollt zu werden und die Angst schon von Kindern, dass die Eltern arbeitslos werden könnten. Es folgen nur einige wenige Beispiele:

·         Rechtssicherheit für jeden, der Stolz jeder Demokratie, trägt auch fantomhafte Züge. Immer mehr Gesetze und eine immer größere Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch juristisches Eingreifen können dem nicht abhelfen, sondern bestätigen nur das Wort: „Gesetz ersonnen, Betrug gesponnen.“ (Konfuzius sah es vor 2500 Jahren als sehr bedenklich an, als Gesetze erlassen wurden. Damit würde die Schamgrenze von Menschen sinken, gegen die gültigen ungeschriebenen Gesetze zu verstoßen.)

·         Das Gesundheits- zutreffender Krankheitswesen dient der Medizinwirtschaft nicht weniger als den Menschen. Wie ein Vertreter sagte: Das Angebot (teuerster diagnostischer Mittel) würde die Nachfrage schaffen. Dass im Übrigen Diagnostik allein noch nicht heilen kann, ist unübersehbar. Privatisierte Krankenhäuser orientieren sich ohne Rücksicht auf Kranke an Profit und auffälligen Kostenrechnungen. (In Hamburg wegen vierfachen Rippenbruchs durch abruptestes Bremsen eines Busfahrers – was öfter vorkommt – selbst erlebt: Gesundheitsschädigende und zum Teil ungenießbare Nahrung; quälende Bettausstattung; Wäsche- und Materialvergeudung; Praktikanten und Auszubildende statt qualifiziertem Personal; zwar Fernsehschirmchen für jedes Bett plus sofortiger Bedienungseinweisung, aber erst am dritten Tag die Möglichkeit, mir die Zähne zu putzen.)

·         Der Pharmaindustrie und hilflosen, der „Wissenschaft“ blind vertrauenden Eltern genehm, werden schon aus gutem Grund unruhige bzw. unkonzentrierte Kinder mit Tabletten ruhig gestellt und damit in ihrer Gesundheit und ihrem Selbstwertgefühl noch zusätzlich belastet.

·         Alte Menschen – sofern nicht sehr betucht –  fürchten sich zu Recht vor einem Lebensabend im Altersheim. Die wahnwitzigen Einzelheiten der Pflegeversicherung mit autoabhängigem Altenpflegepersonal, das oft ein Drittel seiner Zeit im Verkehr zubringen muss, kommen der Automobilindustrie und den Mineralölkonzernen mindestens ebenso zugute wie den Pflegebedürftigen (und das auf Kosten derer, die jahrelang in die Krankenversicherung einbezahlt haben).

·         Die allgemein erhältlichen Nahrungsmittel werden vom gesundheitlichen Standpunkt aus immer wertloser und begünstigen die Entstehung von Allergien und anderen Krankheiten.

·         Eine dringend nötige Belehrung über Gesundheitspflege, Krankheitsvorbeugung, gesunde Ernährung und neuerdings Fettleibigkeit für Kinder und Erwachsene ist – sofern sie denn erfolgt – entweder Lobbyisten, d.h. Verkaufsinteressen verpflichtet; führt durch hanebüchene pseudo-wissenschaftliche „Erkenntnisse“ in die Irre;  fällt auf „wissenschaftliche“ Eintagsfliegen herein oder wird zum Selbstzweck für Forschungsprojekte und Nischensucher.

Da ein Klima der Sicherheit für möglichst weite Teile einer Gesellschaft nicht von heute auf morgen geschaffen oder aber verspielt wird, zählt auch die Lage der Kinder von heute als die Träger der Gesellschaft von morgen. Wie sieht diese Lage aus? Kinder, die das Glück haben, in familiärer Gemeinschaft zu frühstücken, hören schon frühmorgens – falls das Radio läuft –, wo gerade wieder wie viele Menschen getötet wurden. Auf dem Weg zur Schule springt ihnen aus Schlagzeilen weiter Bedrohliches entgegen. In vielen Schulen  herrschen Gewalttätigkeit, Erpressung, Mobbing und Angst. Zu viele Kinder machen die Erfahrung, dass sie sich mitleidslos verhalten müssen, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Und aus vielen Quellen werden Kinder mit Eindrücken bombardiert, durch die sich für sie das ohnehin verwirrende Phänomen erwachender Sexualität noch mit Gewalt, Kinderschändung, Mord und Pornografie verbindet. Und was entsteht wohl an Unsicherheit, Angst und Nicht-verstehen-können in noch leicht beindruckbaren Kindern, wenn sie erste Lesekenntnisse an Werbeplakaten erproben, wie etwa: „Rauchen kann tödlich sein“, wenn sie doch ihre eigenen Eltern rauchen sehen.

Sicherheit für alle oder nur für manche?

Kurzum, unsere Gesellschaft (und viele andere sicher ebenso) ist behaftet mit einer monströsen Anzahl von Unsicherheiten, d.h. unterschwelligen Angstquellen, die als ganz normal hingenommen bzw. übersehen werden. Die Sicherheit der einen bedeutet oft die Unsicherheit der anderen. Geschützt werden Täter nicht weniger als Opfer, denn unsere an sich so wünschenswerte Freiheitlichkeit wird komplementiert durch eine Art von Freiheitlichkeit, die ständig Opfer unter den Namenlosen fordert. Sie erlaubt es, dass Menschen ihre Existenz verlieren und darüber krank oder zu Trinkern werden, nur weil anderen die Freiheit gelassen wird, ihre Rechnungen nicht zu bezahlen. Sie erlaubt es, dass Menschen durch raffinierteste Beeinflussung über Werbung und Medien schon als Jugendliche zu Schuldenmachern werden und sich ihr Leben zerstören. Sie erlaubt es ferner, dass zwar „wissenschaftliche“ Untersuchungen finanziert, aber keine Konsequenzen daraus gezogen werden, Untersuchungen z.B. darüber, ob nun Gewaltvideos und Killer-Spiele harmlos sind oder nicht; weshalb wohl Jugendliche in Schulen Amok laufen; sich gewohnheitsmäßig besinnungslos trinken oder an Fettleibigkeit, Aufmerksamkeitsdefiziten, Konzentrationsstörungen, Leistungsschwäche, Schlaflosigkeit, Antriebsarmut oder unbeherrschbaren Aggressionen leiden. Eine terroristische Bombe – so schlimm diese natürlich wäre –  verliert angesichts so vieler kleinerer, im Stillen  tickender Bomben meiner Ansicht nach vergleichsweise an Bedrohlichkeit.     

Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister

Im Laufe der Arbeit an diesem Text habe ich beschlossen, diesen Text nicht nur ins Internet zu stellen, sondern auch an Sie, sehr geehrter Herr Dr. Schäuble, zu schicken. Ich hoffe darauf, dass Sie ihn lesen, obwohl er thematisch so aus dem Rahmen fällt. Aber zu den Übeln unserer Zeit trägt ja eben auch eine ausufernde Spezialisierung bei, die den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht; ferner eine Fragmentierung von Wissen, die bildlich gesprochen den Finger als nicht zugehörig zur Hand erkennt oder behandelt, und ferner der tief sitzende Irrtum, dass Probleme durch die Bereitstellung von Geldern zu lösen sind, und je mehr Geld, desto besser die Lösung. Ich kann nicht die einzige Bürgerin dieses Landes sein, die Ihnen auf lange Zeit sehr dankbar wäre, wenn Sie für die Wahrung der inneren Sicherheit auch den hier vorgestellten Blickwinkel mit berücksichtigen würden.

Der Wert und damit letztlich die innere Stärke, geistige Wachstumsfähigkeit und Gefahren standhaltende Stabilität einer Gesellschaft erweist sich ja nicht (nur) durch ihre Stellung auf dem Weltmarkt und ihr Exportvolumen und auch nicht durch ihre Absicherungs- und Überwachungssysteme, sondern durch ihren Grad an Mitmenschlichkeit. Und dieser zeigt sich sehr daran, wie sie mit ihren Kindern, Alten, Kranken und anderswie Schwächeren umgeht, d.h. also auch mit ihren Fremden und rassistisch oder religiös Angefeindeten. Die Frage ist: Welcher Wert wird dem Menschlichen an sich zugebilligt im Gegensatz zu Ideologie, Vormacht oder Geschäft im weitesten Sinne? Dabei steckt im „Menschlichen an sich“ auch noch tief unten das niemandem übelwollende und schutzbedürftige Baby, da doch Philosophen wie Psychologen uns sagen, dass das Kind Vater/Mutter des Erwachsenen ist (und bleibt).

Psychische Befindlichkeit: Sicherheits- bzw. Unsicherheitsfaktor

Doch Mitmenschlichkeit, d.h. Gefühle von Solidarität oder Verbundenheit mit Menschen an sich – seien sie jung oder alt, deutsch oder nicht, schwarz, braun, gelb, rot oder weiß, christlich, muslimisch, jüdisch, hinduistisch oder was noch – ist oft schwer aufzubringen, wenn Menschen zu große Angst oder Sorgen haben; sich übergangen, ungerecht behandelt oder angefeindet fühlen oder das Leben als aussichtslos, bedrohlich oder zu freudlos empfinden. Damit soll gesagt sein, dass der größte Unsicherheitsfaktor letztlich die psychische Befindlichkeit von Menschen ist (was sich ja auch am Phänomen der psychisch gestörten und höchst manipulierbaren Selbstmordattentäter erweist). Die Geschichte zeigt, dass sogar Wahn, Grausamkeit bzw. irrationale Angst so ansteckend sein können wie Grippeviren, wenn die psychische Widerstandskraft von Menschen gering ist, wozu auch der Mangel unserer Zeit an stützenden menschlichen Beziehungen mit beiträgt. Die Ideologie, genauer ideologisierende Gehirnwäsche unserer Zeit, die gnadenlosen Wettbewerb sowie technologischen und naturwissenschaftlichen Fortschritt als Lösung aller Probleme darstellen möchte, könnte man als Symptom einer gesellschaftlichen Krankheit oder zumindest Ungesundheit deuten. Und ein zu großer Mangel an körperlich-emotional-geistiger Gesundheit bedroht jede Gesellschaft in ihrer Stabilität. Denn Gesundheit bedeutet ja unter anderem die Fähigkeit, auch unter wechselhaftesten Umständen materieller wie psychischer Natur stabil zu bleiben statt zusammen zu brechen.

Mitmenschlichkeit: auch die Bereitschaft, zu teilen und abzugeben

So lange für alle Deutschen ein Stück vom Kuchen da war, stellte sich die Frage nach mehr oder weniger Mitmenschlichkeit nur auf der privaten Ebene. Seit jedoch mit dem Neo-Liberalismus und der Globalisierung ein anderer Kuchen gebacken und dieser anders aufgeschnitten wird, scheint auch in weiteren Kreisen der Gesellschaft unsolidarischer gefühlt zu werden. Sogar von Personen, die nicht wie ausgemachte Menschenverächter erscheinen, sind Dinge zu hören, wie dass es zu viele Menschen auf der Erde gäbe, so dass ein Teil dezimiert werden müsse. Oder dass im Interesse des Ganzen eben manche abgeschrieben werden müssten. Auch zunehmende Erwähnungen, dass das Abendland in der hoch geschätzten Antike wurzele – die doch eine Sklavenhalterkultur war und letztlich in Sittenlosigkeit und die beklatschte, unmenschliche Grausamkeit von Gladiatorenkämpfen verfiel – deuten in dieselben menschen(rechts)feindlichen Denkklischees von Opfer/Täter, Winner/Loser, Herrenmenschen/ menschliche Arbeitstiere.

Da die Einflüsse unserer Zeit durch Werbung und Fernsehen sowie Konsum von abstumpfenden Substanzen (auch die vielen Chemikalien in gängigen Nahrungsmitteln) die Fähigkeit, eigenständig zu denken und auch für unbeliebte Ansichten einzutreten, erschweren, droht auch aus dieser Richtung Gefahr für gesellschaftliche Stabilität. Denn es könnte in weiteren Kreisen zur unanstößigen Denkmode werden, solidarische, soziale, mitmenschliche Bestrebungen für sentimental zu halten –  für einen Unfug, der die leistungsstarken Träger der Gesellschaft oder „die Eliten“ nur behindere und nutzlose Schwache sinnlos durchfüttere. (Dass Sozialleistungen in der Vergangenheit oft falsch, d.h. schädigend gewährt und beansprucht wurden, ist zwar eine Tatsache. Diese Tatsache geht aber genau so auf das Konto von Gesetzgebern wie auf das von Gesetzesausnutzern bzw. Schmarotzern. ((Wie von Konfuzius als Prinzip warnend angesprochen.))

Eine solche Denkmode könnte sich besonders da ausbreiten, wo sich jetzt Menschen durch die ständig steigenden Preise bei sinkenden Einnahmen bedroht fühlen. Denn wenn nicht mehr genügend Kuchen für alle da ist, dann sehen manche die einzige Lösung darin, die Zahl der Esser zu verringern (statt anders aufzuteilen oder nahrhafter zu backen, so dass auch schon weniger sätttigt). Das kann dann weltanschaulich, rassistisch oder wie auch immer verbrämt werden. Denn wie der afrikanische Prediger Pierre Botembe aus Zaire in dem Buch „Begegnungen, die Hoffnung machen“ (Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1993) sagt: „Im Egoismus liegt die Wurzel des Rassismus. Aber wer bekennt schon offen, dass er Egoist ist und nicht teilen will. Da ist es viel leichter zu behaupten, dass man was gegen Neger hat.“ (Oder Juden, Muslime usw.)

Wer selbst zu wenig bekommt (das gegenwärtige Los einer wachsenden Anzahl von Deutschen), ist wenig bereit, mit anderen zu teilen. Wo Angst herrscht, leidet die Mitmenschlichkeit Wo diese aber nicht mehr gefühlt wird, kann es bei entsprechenden Umständen leichter zum Kampf aller gegen alle kommen, wobei nur noch auf opportunistisch berechnete Zweckbündnispartner Rücksicht genommen würde. Die größte Bedrohung für die Stabilität unserer freiheitlichen Gesellschaft könnte daher nicht islamistischer Terror, sondern ein mögliches Überwiegen einer negativen psychischen Verfassung sein. Würde man daran etwas ändern, wäre das die beste Vorbeuge. Denn viele Probleme, einschließlich Bedrohungsgefühle und Feindseligkeit würden dann gar nicht erst entstehen. Unumgänglich dafür wäre mehr tatsächlich praktiziertes – nicht nur diskutiertes – ethischeres Verhalten in allen Bereichen der Gesellschaft.

Dabei müssten Politiker, Medienschaffende, Werbefachleute und Erziehende mit gutem Beispiel voran gehen. Zwar scheinen es inzwischen überwiegend internationale Konzerne und Banken zu sein, die  über  unsere Gesellschaft bestimmen. Ihr Handlungsspielraum wäre jedoch geringer, wenn viele der Obengenannten nicht bereitwillig, opportunistisch oder einfach unintelligent mitmachten.  Aber solange z.B.Volksvertreter nicht dazu bereit sind, ihre Beraterhonorare oder sonstigen Nebeneinkünfte offen zu legen und auf Grund der ja von ihnen selbst ersonnenen Gesetze auch nicht dazu gezwungen werden können, solange besteht wohl wenig Hoffnung. Denn wer sich nicht für ehrliche Arbeit, sondern nur für Einflussnahme – sei es durch Politik, Medien oder Werbung im weitesten Sinne – von der Wirtschaft bezahlen lässt, wird deren Profitbestrebungen natürlich unterstützen müssen, wenn er weiter bezahlt werden möchte. Bei einem solchen Verhalten verkümmern Sensibilität, Objektivität und Unterscheidungsvermögen. Wo aber nicht mehr selbst zwischen rechtmäßig und unrechtmäßig unterschieden werden kann und nur noch das geschickteste juristische Lavieren durch einen Gesetzesdschungel entscheidet, da bleibt das Thema von Ethik, Solidarität oder Mitmenschlichkeit reines Gerede. Und ehrlich kann sich da jeder nennen, dem ein Anwalt der anderen Seite nicht das Gegenteil zu beweisen imstande wäre. 

Hamburg, den 4.6.2007

Ende

Nachtrag: Vorvorgestern war in den Nachrichten zu hören, dass Killer-Spiele verboten werden sollen, ebenso die Verführung Jugendlicher zum Alkoholismus durch Flatrate-Angebote. Hurrah! Das macht Hoffnung. Deshalb erlaube ich mir folgenden Nachtrag: Seit etwa 17 Jahren versuche ich –  mal mehr, mal weniger – Übungen und Richtlinien bekannter zu machen, die bei geringem Aufwand helfen könnten, und zwar in vielerlei Hinsicht, sei es Gesundheit, Konzentration, bessere Arbeits- und Lebenseinstellung und allgemein mehr Positivität. Diese Übungen kommen aus dem Yoga, und zwar so, wie ihn eine bedeutende und einmalige Institution in Mumbai lehrt (wo ich selbst etwa zwei Jahre lang ausgebildet wurde). Nach jahrelanger Erfahrung und Beobachtung meine ich behaupten zu können, dass eine einzige beschriebene Seite von Ihrem Leiter, Dr. Jayadeva Yogendra, mehr fundierte Hilfe enthält als Berge von in Auftrag gegebenen herkömmlichen wissenschaftlichen Untersuchungen, und zwar in Hinblick auf Gesundheit, Krankheitsvorbeugung, Erziehung, Lebensstil und mehr ethisches Verständnis (was in seiner sich gegenseitig verstärkenden Summierung sehr viel für die Sicherheit der gesamten Gesellschaft bedeuten würde). Der Grund dafür ist, dass das eine auf einer Wissensgrundlage von Ganzheitlichkeit, das andere aber auf einer Grundlage von Fragmentierung beruht. Dasselbe gilt auch für „wissenschaftliche“ Erkenntnisse in Hinblick auf Ernährung.

Mehr wahrhaft ganzheitliches Wissen mit entsprechenden Konsequenzen innerhalb unserer Gesellschaft würde trotzdem Ärzte oder Apotheker nicht arbeitslos machen. Denn es handelt sich dabei um einen längeren Vorgang, für den wohl nur bei einer Minderheit größeres Interesse geweckt werden könnte. Aber auch schon ein wenig Praxis, mit der schon Fünfjährige bei verantwortungsvoller und qualifizierter Anleitung anfangen könnten, könnte zu spürbaren Verbesserungen und einer Entlastung unseres Gesundheits- sprich Krankheitswesens führen. Eines der neusten Projekte des Mumbaier „The Yoga Institute“ befasst sich – immer einem dringlichen Gebot der Stunde folgend – mit Hilfestellung bei Fettleibigkeit (neben laufenden Projekten für Herz- und Zuckerkranke, Schwangere, Frauen in den Wechseljahren, orthopädische Fälle, Depressive, Stressgeplagte u.a.). Das Phänomen Fettleibigkeit erscheint auch seit kurzem in indischen Großstädten. Es hat, laut Dr. Jayadeva Yogendra, neben schlechterer, d.h. denaturierterer Nahrung und Bewegungsmangel auch psychisch-emotionale Ursachen, aber einer subtileren Art als durch herkömmliche Psychotherapien auch nur im Entferntesten ansprechbar. (Vom „Kummerspeck“ weiß fast jeder. Aber mit diesem Wissensfragment allein  ist noch keinem geholfen.) 

 

 

Mumbai Revisited in 2006

Hella Naura

Dear India, welcome to the club of the rat-racing countries! Welcome to the never-lasting bliss of shopping! Welcome to fast food, fast sex, fast living, and cut-throat competition! Welcome to anxiety, depression, fear of future, fear of disease, human isolation, and loss of meaning all around in years to come!

To me, India had always stood for an admirable continuity and solidity of tradition and some mysterious and unique connection of the Indian people to its own past. This past somehow seemed to be connected to some divine origin – in spite of all the openly visible undivine public garbage and stark poverty. That another whistle might soon be blown, at least in Mumbai, I started assuming a few years back, when on the way from Santa Cruz I noticed a freshly painted wall with the words: „Do not urinate against this wall!“. From this I deduced an opening of Indian officials to ideas and facts from abroad. Some politician – I imagined – had gone travelling in Europe or the US. He had noticed that in those countries people did not follow their calls of nature on streets and beaches. „Very nice“, he must have thought. „I will henceforth forbid others in my city of Mumbai to do such a thing. I am civilized and realize what ought to be done or not done.“ What he, however, in his inability to put himself into another man’s shoes had not noticed, was that in those countries officials safeguard that there are enough open toilets around, sparing people from the akward situation of being compelled to use the streets. That the words were also written in English seemed to me like an openly displayed stupidity. Persons in Mumbai who cannot help having to relief themselves in the open are usually not the persons who can read English.

Worth of Cultural Principles Depending on Given Basis

But worse than this, the words seemed to me like an assault on an almost sanctified Indian cultural principle. This is the principle of non-interference with another man’s or woman’s business. I suppose that not all Indians subscribe to it, and what might go on in some families behind closed doors I do not know. Erosion of this principle must also have begun much earlier. But in comparison to general Western living, this Indian principle of least interference does stand out. The one side of it had initially disturbed me much, when for instance  it showed as utter disconcern and cold-heartedness – at least in my eyes – about the sufferings of the poor and the down-trodden. But the other side of it must have been one strong factor in having made Indian traditions survive in all their vitality for so long. Personally, I also found this principle of non-interference to become eventually (in tiny steps over many years, still going on, and with great question marks from case to case) a relief from my kind of conditioning through German society, where people tend to tell each other what they should do or not do or what they better should not have done or better do in the future.

Yet, applied to general social and political issues as against religious and cultural ones, this principle of non-interference eventually becomes destructive, if and when the majority of a people does wrong. Not interfered with, wrong-doers tend to even increase their wrong-doing  because of their certainy of remaining unpunished. Some watching them, get tempted into doing wrong likewise, while still others even get pressurized into doing wrong. So eventually the right-doers will be gravely outnumbered by the wrong-doers and have no chance left. Unlawfulness, social disintegration and less durable satisfaction with just living would be the results. It seems to me that India has been spared from much such disintegration since long –  so that it could be proud of  its „unity in diversity“ and comparatively much social peace – because a majority agreed on, and was ready to follow, the many rules contained in accepted traditions. These rules go ultimately back to religion, that is „religion“ in the very Indian sense, as containing Dharma, this all-embracing law that governs the duties of all, according to their prevalent nature, from an ant up to the half-gods and maybe even God himself.

Law of Dharma versus Laws of the Market

Now, people who are ready to want to obey God and his law of Dharma and have established and commonly accepted ways of how to do this, hardly need any politicians or opinion-leaders to interfere and decide on their behalf about what they may or  may not do. They know so themselves, and in that way they have much greater democratic abilities than people who go by nothing but evadable man-made legislation and the letter of something instead of its spirit. Because in the latter case, conscience and personal accountability will be largely replaced eventually by hair-splitting and law-twisting. I have always liked the nonchalant ways in which Indians overstep official rules, where these make no sense. Thus I remember the big sign of „No Entry“ at the railway station of Howrah with an armed man standing  right there, but people still going in and out of just that entrance – , myself also, after some hesitation, because I found that there was no other way of entering the station in view.

The proportion of right-doers to wrong-doers must have been steadily deteriorating in India; maybe not so by number but by the influence exerted by either group. Or in other words, Dharma has been giving way to Adharma. At my frequent stays in Mumbai since 1971, I could see how traditions, and a general religiosity and tranquility of the people got less, and with it people‘s outstanding grace, beauty, and natural composure. Of course, it is still there, but it does seem to me that the people of Mumbai are losing their charming specialness and becoming rapidly like everyone else in the world. So with less of tradition and generally accepted binding rules of conduct, many Indians might become very easy prey for the new materialistic influences that come rushing in as India opens herself to a new „globalized“ world.

But this new world is not one of global brotherhood, but foremost a gigantic market-place for all who have the means to buy – and only for those who can buy! This market-place‘ governing laws are not those of Dharma, but those of: Cheapest ways of production; mobile use of labour world-wide under the sole consideration of most profitable exploitation; profit-making under disregard of all ethics; and lastly manipulation and brain-washing of potential buyers to consume whatever gets offered and advertised, tangible as well as intangible goods. That India’s performance on this world-wide market-place is getting more and more successful, that international investors have come to court, that the Indian economic growth rate is the envy of most Western countries – all this might be very wonderful for a growing prosperous middle class in some ways. However, how much – or rather how little – it will change the lot of the very poor masses; what it will do to the cohesiveness of the Indian nation, still young as such; and how it will affect the health, mental peace, and God-surrender of its individual members remains to be seen.

Dangers Inherent in Materialism and Loss of Traditions

It was Shri Ramakrishna who named the „snares of lust and wealth“ as inherent in all materialistic living. He said that „souls enmeshed in worldliness cannot resist the temptation of ‚woman (respectively man) and gold‘, even though these things bring upon them a thousand humiliations...... The mind runs away from God and gets unbalanced when the pressure of woman (man) and wealth is placed upon it.....They have drowned the whole world in sin....“

Traditional Indian living incorporates many factors that deal with just these two snares. Thus Indian traditions help to tame the powerful force of sexuality and to limit a human tendency for acquisitiveness and downright greed. They do so not by aiming at the impossibility of suppression, but by knowingly handling these forces. Thus the conduct between the two sexes is traditionally regulated in ways that Shri Ramakrishna brings to the point: „It is wise to hold aloof from such influences as have a tendency to excite sensuality. It is far better not to come in contact with them than to gain experience by a fall.“ Thus the institution of marriage is linked with daily Pujas at home that strengthen the bond between a couple – and thereby protect from sexual licence – by associating it with devotion to God. Thus emotions get directed from lower to higher desires and objects, also through festivals, pilgrimages, and visits to holy places and persons. Thus energies are helped to flow into constructive rather than purely sensual or destructive channels thanks to a subtle ancient knowledge about the effects of day and night time, season, food, sun and moon, and many more influences of nature that all went into the shaping of Indians‘ daily routines, habits and overall living.Thus the different natures of persons are socially recognized, so that some are allowed to do, what others may not do. Thus the advantages of wealth are traditionally connected with the obligation to support others and finance activities in the interest or to the joy of many. Thus the privilege of exceptional wealth is connected with sacrifices of a high order. Thus the persons that are held in highest esteem by society, i.e. Gurus as true spiritual teachers, are persons who are above the snares of lust and wealth.

All these and many other factors incorporated in old Indian traditions help to counteract the grossening, dulling, distracting, and sensualizing effects of the materialistic side of human nature. Should these traditions get very weakened under the pressure of, and the temptations provided by, the new economic conditions, materialism is bound to grow rankly. Says Shri Ramakrishna: „Money is an Upadhi (a deceptive influence) of a very strong nature. As soon as a man becomes rich, he is thoroughly changed.“

Social Stability Requiring Balance of Giving and Taking

The traditional Indian society, through its ancient caste-system, is marked by much division of labour, which not only relates to labour and earning, but subtly takes into account emotional, mental, and ethical qualities, too. Not everyone can do everything. Not everyone can know or understand everything, nor indeed be interested in knowing or understanding. Not all are of the same mentality nor develop the same feelings. For a society to evolve, skills and knowledge have to be divided, so that they can be developed by separate groups to their maximum. If this is done rightly, the whole social organism will benefit from it, just as the whole human body benefits from an equally effective functioning of all its organs with their separate, yet interrelated tasks. There has also to be a far-reaching consensus about the functions, duties, responsibilities, rights, and privileges of each one in society in proportion to the nature of work done and the kind of life lived.

Further, for a society to remain stable, sane, and peaceful there must be a general balance of giving and taking. If too many of its members only take, and too many are oppressed into having to only give, then all will get unsettled in the long run. So as the ideals of the Indian caste-system got spoilt and distorted through very long times, imbalance between giving and taking was the natural outcome. With it, sensitiveness, sense of justice, and ethical understanding have been greatly blunted. So eventually some have come to thoughtlessly enjoy private swimming-pools on the terraces of their pent-houses without feeling obliged to anyone or anything except their family clan, while other members of the self-same society are dying for want of a little water to at least irrigate their tiny fields to get a crop that will hopefully keep them away from starvation for just a season!

So far, this imbalance in material living conditions and everything it entails has been one between the very rich and the very poor only. Yet with the possibilities supplied by the new economy, mass indoctrination through various media, breaking up of joint families, and loss of commitment to non-materialistic pursuits and ideals, it is likely that imbalance will spread right through individual families and through all strata of society. A very natural consequence will be that mental peace and contentment suffer – these two great assets that Indians seem to possess to a much greater degree than other peoples of the world. And what will then be left to protect the overall Indian social organism from the contagious diseases of gold-diggers‘ fiever, of now-or-never-tension, of over-competition, of racing-against-time, and of fascination with material superlatives at no matter what costs? The organism’s power of resistance against individual as well as social disintegration would be weakened by the germs of self-intoxication from the successful and the germs of depression, confusion, and rising anger from the unsuccessful, or the „winners“ and  the „losers“, in the parlance of the new „global players“, whose „plays“ can be so deadly serious.

Hypocrisy – Part of Materialism 

With the power of resistance weakened, the alluring attraction of „woman (man) and gold“ inherent in materialism would soak through all aspects of life, and its extreme manifestations as prostitution and gambling would become quite common and wear respectable-looking garbs. Women – or young men or even children for that matter – who prostitute themselves, forced and threatened by others or by fear of starvation can count on the contempt of society. However, journalists and other media workers, scientists and other academicians, who prostitute their intellect and integrity not for mere survival but for more and more money and self-gratifications of all kinds might be highly esteemed. Addicted gamblers are considered as pitiable figures by society, yet those addicted to news from the stock exchange and share speculation by internet  might become most favoured neighbours as they become richer and richer. Men forced to live away from their wives to earn meagre livelihoods for their families and who cannot help using the bodies of prostitutes, but pay them fairly, will hardly leave marks on the society for the worse. Yet esteemed and highly paid managers who squeeze the last drop of vitality and working power out of the bodies of labourers, creating employment and destroying it again when profits can temporarily be increased by abusing work-force elsewhere in this globalized world, definitely leave marks for the worse. So together with materialism, hypocrisy will become an unquestioned general standard, undermining all clear thinking and trustworthy communication.

Seeds and Fruits

There is a Jewish saying that since the time of the old prophets is over, prophesying has become the business of fools. I would be glad to be proven a fool with the above forecast. However, it rests on a sound basis. This basis is the application of Yoga philosophy to present-day conditions. The nature of matter as against the nature of spirit with the respective human qualities that will grow out of either; the nature of the human mind as afflicted by the Klesas; and the influences of the Gunas as colouring the understanding and directing the desires of men – all this has been realized by sages and Yogis and can be safely relied on to be timelessly true even in very changeful times.

Yet Yoga philosophy states that matter acts in the ultimate interest of the spirit, experiences being made for the ultimate purpose of enabling liberation. So according to Yoga philosophy, the present social and economic changes taking place in India –  enthusiastically greeted by some and deplored by others –  are sure to bear many bitter fruits as they grow stronger. But the more they grow, the more they must also approach their time of decay, just as even a strong tree must wither one day. Whether this will be soon or in a remote future remains to be seen. So while what will now become visible – soul-killing materialism, in short – must have been there in practically invisible seed form much earlier already, hopefully, still invisible seeds of a very contrary kind – maybe global brotherhood and more wisdom –  might be growing now already to become visible as strong plants in their own due time.

The End

Neuzugang vom Oktober 2008

 

Eingeschlafen oder vorüber gehend zu enttäuscht und deprimiert?

 

Unbekannt schickte mir kürzlich eine etwas rüde Mail, ob diese Home Page eingeschlafen sei! Dies war die erste und einzige direkte Ansprache an mich in etwa zwei Jahren im Zusammenhang mit dieser Home Page. Niemand schien sie gelesen zu haben, oder wenn doch, das Gelesene auch nur mit einem einzigen Wort für erwähnenswert zu halten. Wie sehr, sehr schade, denn ich hätte Ermutigung und Resonanz dringend gebraucht. Dafür bekam ich etwas anderes, nämlich einen Unfall, der mir vier Rippen brach, und viele erstaunliche Begegnungen. Fremde tauchten plötzlich auf, die Dinge ansprachen, über die ich schreibe, die ich selbst tue oder mal getan habe. Erfreut ließ ich mich öfter auf Gespräche ein. Endlich hatte mal jemand Interesse an mir und dem, was mich selbst sehr interessiert; endlich hatte ich mal so etwas wie Austausch. Allerdings brach der immer ziemlich abrupt ab. So als hätte der andere nun gehört, was er wissen wollte. Und mehr wollte er/sie dann auch nicht hören! Und wenn ich manche zufällig wieder traf, schienen sie mich meistens nicht zu kennen. Schon lange bevor sogar ein Name aus meiner fernen Jugend fiel, hatte ich mir Gedanken gemacht. Und die waren gar nicht schön. Sie wurden auch nicht schöner, wenn Fremde plötzlich Yoga-Unterricht bei mir nehmen wollten, fragten, aber dann doch nicht kamen. Sie wurden auch nicht schöner, als Unbekannt vor ein, zwei Jahren lange Texte aus dieser Home Page löschte, und ich dann manches daraus, leider verstellt, hier und da wieder erkannte. Auch wurden sie immer noch nicht schöner, als plötzlich Fremde in einem sich selbst als geistig, edel und gemeinnützig empfindendem Verein auftauchten und für diesen Ort neue, für mich hingegen vertraute, aber nun entstellte Gedanken verkündeten.

 

Vertrauensschwund macht krank

 

Weshalb ich derart Persönliches ins Internet stelle? Weil der perfektionierte Aushorchdienst von Deutschen sich wahrscheinlich nicht in Luft auflöste, als sich an der Trennung zwischen Ost und West etwas änderte. Weil, wenn meine geringen Kenntnisse aus Funk und Fernsehen richtig sind, wir einer Zeit der „Transparenz“ eines jeden entgegen gehen; unser Außenminister früher im Geheimdienst arbeitete; der CIA die US und damit mehrere südamerikanische und andere Länder mit regiert; und die Zahl der Mitarbeiter des englischen Geheimdienstes verdoppelt werden soll. Dass Regierungen Geheimdienste brauchen, liegt in der Natur der Sache, und jeder, sofern geeignet, kann das ja zu seinem Beruf machen. Was mich aber zeitweise regelrecht fertig machte, war, dass auch nette Leute wie Sie und ich ganz nebenher aus welchem Grund auch immer Aushorchen unter Bekannten anscheinend für ganz in Ordnung hielten! Dazu eine kurze Geschichte: Ein Gauner verstellt sich und bittet als armer Krüppel einen Reiter, ihn mit aufs Pferd zu nehmen. Der Mitleidige hilft ihm in den Sattel. Doch da wirft der Gauner ihn lachend vom Pferd und reitet los. Der andere ruft ihm nach: „Hör mir zu. Du kannst das Pferd behalten. Aber erzähle keinem, wie du es bekommen hast. Denn dann verschwindet das Vertrauen und niemand wird mehr Krüppeln und Bedürftigen helfen.“  Als ich einen großen Lehrer fragte, worin Verrücktheit eigentlich bestünde, sagte er: „Man hat das Vertrauen verloren.“ Ich meinte: „Aber viele haben in nichts Vertrauen und drehen trotzdem nicht durch.“ Antwort: „Wenn man auch das Vertrauen in sich selbst verliert.“

 

(Abweichung vom Thema und Anregung für Geschichtsstudenten: Forschen, ob tatsächlich viele Gewaltmenschen Selbstmord begingen bzw. geisteskrank wurden? Hitler, Stalin….) Denn kann jemand, der sich gegen die Menschlichkeit vergeht, noch ein Fünkchen von Vertrauen in sich selbst behalten? Nicht zu verwechseln mit Supermenschgehabe an der Oberfläche.

Frage an Psychologen: Kann (und wenn ja, wie) jemand Selbstvertrauen besitzen oder entwickeln, wenn sein Vertrauen in andere schon früh oder oft missbraucht wurde?

Anregung für einen eventuell zu bildenden Rat, der Verantwortliche in Deutschland auf allen Ebenen für diesen Zusammenhang sensibilisiert.  Erzieher und Lehrer als verantwortlich für Schüler; Vormünder für Schützlinge; Richter für Rechtsuchende; Dienstleistende, Berater, Anwälte, Ärzte  für Klientel; Bankiers für Kunden; Verkäufer für Käufer; Politiker für Wahlvolk etc. - müssten als Teil ihrer Berufspflicht zum Überlegen gebracht werden, ob oder nicht ihr Handeln zum allgemeinen Vertrauensschwund mit beiträgt und damit indirekt auch zum Anwachsen psychischer Krankheiten. Noch mehr gilt dies  für unbezahlte Beziehungen, wie die zwischen Eltern und Kindern; Mann und Frau; Ehepartnern, Verwandten und Freunden.)

 

 Warum ist seit etwa zwei Jahren hier nichts mehr erschienen? Aus mehreren Gründen. Vorweg nur zwei Kleinigkeiten, deren Art gelegentlich zweifeln ließen, ob Schreiben überhaupt Sinn macht:

 Erstes Beispiel:

An einem Tag ohne Müllabfuhr lagen zahllose Müllsäcke am Straßenrand. Es hätte weniger als die Hälfte sein können, wenn alle Benutzer leere Packungen zusammen gedrückt hätten. Es wären noch weniger gewesen, wenn mehr Großpackungen verwendet würden und noch viel, viel weniger, wenn überhaupt mehr Unverpacktes, d.h. weniger Vorbehandeltes gekauft würde. Was hat das mit Schreiben zu tun? Kann man von Leuten, wohnhaft in einer Straße mit schönen Einzelhäusern und Gärten, erhoffen, dass Gelesenes sie überhaupt berührt, wenn sie nicht mal auf die Idee kommen, leere Packungen zusammen zu drücken oder ihre Haushaltshilfe anzulernen? (Man bedenke: weniger Müllwagen im Bau und Verkehr, weniger Benzinverbrauch, weniger Rohölverbrauch für Plastikherstellung und – bei größter Konsequenz, leider nur machbar mit mehr Arbeits- und Zeitaufwand – gesünderes Essen, glücklichere Esser, weniger Apothekeneinkäufe, weniger Krankheit, weniger Macht den Pharmakonzernen und Krankenkassen (oder deren juristischen Abteilungen), weniger Kosten für das Krankheits/Gesundheitswesen.

Größeres entsteht kaum aus heiterem Himmel, sondern aus der Summierung von vielen Kleinigkeiten. Oder: Wie die Saat und die Umstände, so die Ernte. Oder: Ursache und Wirkung. (In etwa: Verschwendung an allen Ecken und Enden ((was Pfennigfuchserei und Einsparungsbesessenheit nicht ausschließt))  → Energieverbrauch  → Bedarf an Rohöl →  Rohölsicherung als Motiv und Rechtfertigung für alles mögliche, z.B.  Übergriffe auf die Politik anderer Länder   →  Gewalt, direkt oder indirekt →  mehr Bedarf an Waffen → noch mehr Staatsausgaben für militärische Zwecke  →  weniger Mittel für echte Bildung, Erziehung, Soziales.  

Haben ein paar nicht zusammengedrückte Milch-, Yoghurt- etc.-Packungen wirklich etwas mit Gewalt oder Kindergärten zu tun? Erstens: Es sind Millionen von Packungen. Zweitens: Nicht direkt. Drittens: Die dahinter stehende Nachlässigkeit und Unbewusstheit sind das Problem. Und auch das noch: Als ich vor meinem Wohnhaus auf einen für den Müllcontainer zu prall gefüllten und deshalb herumliegenden Müllbeutel ein Zettelchen klebte, dass man doch zusammendrücken könne, lag am nächsten Tag mein Fahrrad etwas zerbeult auf der Erde. Natürlich weiß ich nicht, ob ein Zusammenhang bestand. 

Zweites Beispiel:

Ich bitte den Heizungsableser (der mir im übrigen nicht die Adresse seiner Firma nennen kann), ob er sich bitte, bitte die Schuhe ausziehen könne (wird seit einiger Zeit von vielen Handwerkern sogar von selbst getan). Das dürfe er nicht. „Wer kann Ihnen denn verbieten, sich die Schuhe auszuziehen?“ „Die Berufsgenossenschaft.“ „Wie finden Sie das, dass Ihnen jemand sogar verbieten kann, sich die eigenen Schuhe auszuziehen?“ -  „Richtig.“ - „Ja?“ – „Wir gehören zur Baugenossenschaft.“ -. „Aber Sie sind hier doch nicht auf dem Bau, sondern in einer Wohnung mit Teppichboden.“…. Usw. In einer Gesellschaft, in der eine solche Mentalität verbreitet ist, scheint es mir ab und zu völlig gleich, wer was wie oft und wo schreibt. Denn alles kann umgefegt werden durch ein VERBOT und ein GESETZ.

 

Warum ich nicht schreiben konnte

 Was ich gelernt bzw. rückgeschlossen und öfter beobachtet habe, stimmt. Zum Beispiel: Angst und Zweifel rauben Energie, wobei Zweifel mit Vertrauen, Selbstvertrauen und Misstrauen zu tun haben. Und besonders schlimm sind Zweifel an der eigenen Wahrnehmung. Werde ich wirklich so ausgehorcht oder war das nur eine merkwürdige Folge von Zufällen? Unterstellte ich hässlicherweise Bekannten etwas, was ich als Vertrauensbruch und grässlich empfand oder stimmte meine Beobachtung? War ich krankhaft misstrauisch und empfindlich? Solche Überlegungen schwächen. Und Depression schwächt auch sehr. Ich glaube, sie begann schleichend – nach vielen Jahren wieder einmal – mit Enttäuschung und einem Unfall durch abruptes Bremsen eines Busfahrers, wobei ein Grund fürs Bremsen noch strittig ist. Der folgende Krankenhausaufenthalt – nicht lange nach der Privatisierung von Hamburgs allgemeinen Krankenhäusern – und alles, was beides nach sich zog, waren nicht schnell zu verkraften. Und natürlich ist man mit vier gebrochenen Rippen, dazu lange Schmerzen in Arm und rechter Hand, sowie gelegentlichen starken Rücken- und Nackenschmerzen nicht voll arbeitsfähig – auch wenn Sozialauskunft, Krankenkasse, zumindest ein Anwalt  etc. da anderer Meinung sind. (Über die zehn Tage - dann musste ich raus - im Krankenhaus möchte ich später berichten. Jetzt fehlt die Zeit.)  

Hinzu kamen zwei längere Reisen; die eine, das Gegenteil von Erholung, nur, um untragbaren Zahnarztkosten hier zu entgehen. Hinzu kam viel, viel Zeitaufwand durch Geldmangel. Denn sonst hätte ich jemanden dafür bezahlen können, die inzwischen irrsinnige Kleinarbeit im Zusammenhang mit Verkauf und Vertrieb meiner kleinen Vierteljahresschrift zu übernehmen. Ich erwähne das, weil es Allgemeines anspricht: Angestellte, die auch beim sechsten Versuch ihre eigene EMAil-Adresse nicht angeben können. Broschüren der Deutschen Post über Leistungen und Preise voll der ganzen Umständlichkeit und hochtrabenden Kleinfitzeligkeit, die manches Deutsche nun mal an sich hat. Irgendein Porto nachzusehen, dauerte früher Minuten, jetzt Viertelstunden. Dazu gibt sich die Broschüre lächerlich akademisch mit Fußnoten und Querverweisen und marketing-behämmert mit Tipps und Sonderangeboten. Weiteres, womit die Post Finanzkleinen die Zeit stiehlt: Lange Schlangen, wobei man - bei unüblicherem Bedarf -  an zwei verschiedenen Schaltern bedient werden oder auch mal warten muss, bis der Beamte das Gewünschte aus dem Keller hochgeholt hat. (Der Versuch der Postleitung, jederman daran zu gewöhnen, sich sein Porto gefälligst aus dem Automaten zu holen, scheint nicht so erfolgreich zu sein. Auch das Volk der gewöhnlichen Bahnfahrer ließ sich noch nicht völlig an die Automaten übergeben, ganz gleich, wie lange es schlange stehen muss. Ein bisschen Personal muss also doch noch bezahlt werden. Automatenhersteller kommen trotzdem durch die Bahn auf ihre Kosten, da ständig neue Modelle eingeführt werden ((diese Auskunft ist schon einige Jahre alt)) Auch Telefonieren ist schwieriger geworden, da Nummern nicht mehr alle im Telefonbuch stehen (oder meine Intelligenz nicht ausreicht, dieses richtig zu benutzen, was vor Jahren aber noch nicht der Fall war). Die letzte Telefonauskunft hat 5,- Euro gekostet. Das habe ich nun davon, dass ich oft nicht im Internet suchen will. Tue ich es aber mal, finde ich zwar Telefonnummern, nur der Verlag oder die Pension dazu existieren nicht mehr. Ich möchte etwaige Leser nicht langweilen und belasse es deshalb bei diesen kleinen Beispielen für unnötige Zeitverschwendung, oft für beide Seiten; für Nichtwissen an der Basis (was nicht an den Sachbearbeitern liegen muss, sondern daran, dass die Geschäftsleitung Fehler in der Software nicht beheben lässt, weil ihr das zu teuer ist – was für eine Milchmädchenrechnung!)...

 

 
 
 
 
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